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Wie der Habicht über den Tauben, wie der Geier über den Lämmern, so kreist die ewige Rache, der ewige Verrath, der ewige Meuchelmord über dem gläubigen, zutrauenden, hoffenden Volke; wie jene Raubvögel sich höher und höher heben, in der höchsten Höhe dem schärfsten Auge verschwinden, um in der nächsten Minute pfeilschnell herniederzustürzen, so wird das Volk in diesem Augenblicke von der Spitzbubenpolitik der Fürsten verschont, um im nächsten Augenblick desto sicherer vernichtet zu werden.

Die Fürsteupolitik hat keine andere Moral, als die einer Räuberbande, keinen andern Zweck, als Aufrechthaltung des Status quo, d. h. desjenigen Zustandes, zu welchem sich die Herren geboren glauben, jenes Zustandes der Blutsaugerei, der Menschentreiberei, deS wahnsinnigsten Uebermuths, der gottlosesten Bubenstreiche. Die Politik der Fürsten ist die Lehre der Jesuiten, inS Weltliche übersetzt, die Lehre deS Meineides, der geheimen Vorbehalte, der geheiligten Mittel. Sie vertheidigt eben so gut den Giftmord als den Mord der Millionen auf dem Schlachtfelde, sie verbindet die Brutalität der bonapartistischen Kriegsraison mit dem teuflischen Hohn und der gotteslästerlichen Raffinerie der Inquisition. Die Fürsten- Politik spekulirt auf die Treue, die Hingebung, die Aufopfe­rung, sie spekulirt auf Alleö, was dem Volk heilig ist, sie spekulirt mit der Finesse des elendesten Wucherers, sie beutet jedes Gefühl, jede Begeisterung, jeden Jubelschrei des Volks aus, sie lächelt zu seinen Thränen, sie weint zu seinem La­chen, sie bindet daö Volk, während eS betet, sie stößt ihm den Dolch in das Herz, während es auf den Stufen deS Thrones um Gnade winselt.

Wie nach dem Sprichwort die Hülfe am nächsten ist, wenn die Noth am größten, so ist, so lange Fürsten eristiren, der Verrath am nächsten, je treuherziger daS Volk ist, die Lüge am nächsten, je offenherziger die Unterthanen sind. Je heiterer der Himmel scheint, desto näher ist daS Gewitter, desto sicherer werden die Donnerkeile geschleudert, desto gewisser schlagen die Wetterstrahlen ein.

Gegenüber der Spitzbubenpolitik der Fürsten gibt es keine Hülfe und keine Rettung; dieser Feind ist überall und nirgends. Während er dich mit dem Schwerte bedroht, wirst du mit dem Dolche durchbohrt, während er Kanonen weist, operirt er mit Gerichtsbütteln, mit Henkern und Bannflüchen.

Fürstenpolitik! Ein Haufen Wegelagerer, Freibeuter, ein Haufen übrig gebliebener Raubritter läßt das Volk wie Drath- puppen tanzen, erfindet aus Noth oder zum Vergnügen immer neue Spiele, immer neue Manövers, in denen der Bruder über seinen Bruder, der Vater über sein Kind herfällt; ein Hausen Gottbegnadeter erfindet Religionen oder vernichtet Religionen, um sich am Zucken der gläubigen Seelen, der verzweifelnden Herzen zu weiden, er erregt Wünsche, Begier­den, Hoffnungen, um sie nachher mit Füßen zu treten, um sie nachher zu Verbrechen zu stempeln, um sie den Gerichten zu denunciiren.

Das Volk weiß nicht, von wannen die Schläge kommen; es fühlt sich nur elend, unglücklich, es fühlt seine Seele blu­ten, seine Augen brennen, sein Hirn vertrocknen, eS fühlt nur, daß eS bald ganz elend, ganz unglücklich sein wird, — — daS Volk wendet seine Augen dahin, woher der Fluch über es kommt, es bettelt bei seinem Mörder um Hülfe gegen den Mörder, bei dem Verräth« um Hülfe gegen den Verrath. Elendes, unglückliches Volk!

Unglückliches Volk!!! Die Politik deiner Fürsten hat dich seit Jahrhunderten betrogen, sie betrügt dich aufs Neue; es ist die Politik, welche hinter den Coulissen, in geheimen Con- ferenzen, in der Nacht der Congresse spielt, welche für deine Augen undurchdringlich ist, welche in dir eine Heerde Schaafe erblickt, die Politik der heiligen Alliancen, der mörderischen Bündnisse, die Politik der Diplomaten deS Bundestages, die

Politik der Interpretationen, der Theatercoulisse«, der Fäl­schungen, der fürstlichen Vergleiche mittelst Menschenschachers, mittelst Blutgeldes.

Die Politik deiner Fürsten spielt im Augenblick ein Spiel, so schaamlos, wie noch niemals ein Spiel gespielt wurde, ein so kaltes, eisiges, fürchterliches Spiel, daß es der Ver­stand eines einzelnen Menschen nicht zu fassen vermag, ein Spiel, dessen AuSgang dein Tod in den Armen der eisernen Jungfrau sein kann.

Vor Monaten, als die erste Karte offen lag, haben wir dir zugerufen: Betrachte sie genau! die Karte bedeutet Blut, die Karte bedeutet Verrath, niederträchtigen, scheußlichen Ver­rath, diese Karte bedeutet Rache!

Alle Schurkenstreiche der Politik haben nicht ausgereicht, die Revolution zu Gunsten der Feiheit zu unterdrücken, alle Ventilationen, alle Inquisitionen, alle Vehmgerichte haben den Mär; des Jahres 1848 nicht verhindert; es scheint, daß die Kunststücke der Diplomaten, die Künste des Satans vor der eisernen Offenheit, der eisernen Ehrlichkeit, der eisernen Reli­gion des Volkes keinen Stich halten, — — wohlan! hier liegt die erste Karte der neuen Politik, der Petersburger Ko­sakenpolitik, des offenen Mordes, der offenen Fußtritte, der offenen Gewaltthat.

Der romantische Spieler von Potsdam hatte die Karte ausgespielt, der elende Komödiant scheute sich, die zweite auf den Tisch zu werfen. Seine feige Hand zitterte, noch einmal griff er zu den alten Satanskünsten, zur alten Politik, — zu spät. Der Kaiser von Rußland faßte den Arm des feigen Kreuzritters, der feige Kreuzritter spielte weiter. Der romantische Fürst war in der Gewalt des modernen Mephi­stopheles.

Unglückliches Volk! Die Lüge, die Hinterlist, den Be­trug hast du mit der Wahrheit, der Offenheit, der Ehrlichkeit geschlagen, — welche Waffen wirst du der Gewalt entgegen­setzen? Welche??? Das Spiel der Kabinette ist zum blu­tigen Kriegsspiel geworden, deine geheimen Feinde liegen jetzt in offener Feldschlacht, — wirst du sie annehmen?

Gott sei dir gnädig, wenn du zauderst; Gott schütze dich, wenn du unterliegst.

Bourgeois und Proletarier.

(Schluß.)

Der bisherige Mittelstand, die kleinen Industriellen, Kauf­leute, Rentiers, Handwerker und Bauern, alle diese Klassen sinken zum Proletariat hinab , theils dadurch, daß ihr kleines Kapital für den Betrieb der großen Industrie nicht auSreicht und der Konkurrenz mit den größeren Kapitalisten erliegt, theils dadurch, daß ihre Geschicklichkeit von neuen Produktions­weisen entwerthet wird. So rekrutirt sich das Proletariat aus allen Klassen der Bevölkerung.

DaS Proletariat macht verschiedene Entwickelungsstufen durch. Sein Kampf gegen die reiche Bourgeoisie beginnt mit seiner Existenz.

Im Anfang kämpften die einzelnen Arbeiter, dann die Arbeiter einer Fabrik, dann die Arbeiter eines Arbeitszweiges an einem Ort gegen den einzelnen Bourgeois, der sie direkt auSbeutet. Sie richten ihre Angriffe nicht nur gegen die bür­gerlichen Produktions-Verhältnisse, sie richten sie gegen die Produktions-Instrumente selbst; sie vernichten die fremden konkurrirenden Waaren, sie zerschlagen die Maschinen, sie stecken die Fabriken in Brand, sie suchen sich die untergegangene Stellung des mittelalterlichen Arbeiters wieder zu erringen, sie wollen den ehemaligen Mittelstand mit Gewalt zurückführen.

Auf dieser Stufe bilden die Arbeiter eine über daS ganze Land gestreute und durch die Konkurrenz zersplitterte Masse. Mas-