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Dieses Blatt wird Diensttags, Donnerstags u. Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengasse Nr. 132. Der Abonne- menlspreiè istvicrteljahrl. 18 Sgr.

Zweiter Jahrgang

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Die

Hornisse.

Naum, Ihr Zerren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

ML 54.

Kassel, Sonnabend, den 5. Mai.

1849.

Die Potsdam - Petersburger Verschwörung.

Seine Majestät, der Knuten- und Juchtenkaiser von Ruß­land, betrachten die Siege der Magyaren alö den Anfang einer neuen europäischen Revolution, und sehen sich daher im Interesse des Friedens genöthigt, gegen denOsten Euro­pas Truppen massen zu entsenden.

Seine Majestät heucheln dem Olmützer Kabinet steundnach- barliche Gesinnung, und suchen dasselbe Kabinet unter den Trümmern der österreichischen Monarchie zu begraben.

Alle wichtigen Generäle der Oesterreicher sind mit oder ohne ihr Vorwissen in den Händen Rußlands. Der alte Ra­detzky, von Rußland mit Orden und militärischen Ehren über- häuft, operirt in Italien nicht nach den Plänen deö Olmützer, sondern des Petersburger KabinetS. Die Söhne deö wandern­den Windifchgrätz treten in russische Dienste. Die österreichi­schen Truppen werden im Süden Ungarns gegen den ausdrück­lichen Befehl Oesterreichs auf die Schlachtbank geführt.

So lange das HauS Habsburg noch eristirt, ist eS russi­scher Vasall, steht unter russischer Knute und wird von Ruß­land als Mittel benutzt, den Schlüssel Deutschlands in den Händen zu behalten.

Die Russen ziehen nicht gegen die Magyaren, sondern gegen die Freiheit, gegen Deutschland.

Ueber kurz werden wir von Niederlagen der Oesterreicher in Italien hören. Grund für Rußland, seine Truppen wei­ter vorzuschieben !!!

Seine Majestät, der König von Preußen, sind das gehor­same , blinde Werkzeug in den Fäusten deü Czaren. Während das Olmützer Kabinet im dunkeln Gefühl der russischen Schur­

Die deutschen Professoren sind durch den Hohenzollern vom Kaiser Nikolaus düpirt worden.

Durch die Gnade unserer Fürsten wird Deutschlands Civilisation von der Gnade der Russen abhängen!

Nicht der Dynast von Olmütz, sondern der von Potsdam ist Rußlands Lieblings -Knäs".

kenstreiche Preußen auf die Bahn einer sogenannten ehrlichen Politik zu ziehen, für sich zu gewinnen sucht, kommandirt das eiserne Petersburg und Preußen gehorcht! Preußen stürzt sich, wie vom Schicksal getrieben, in den Strudel der russischen Knutenpolitik.

Seine Majestät, der König von Preußen, hegen für daö Olmützer Kabinet wirklich freundnachbarliche Gesinnung, stürzen d affe lbe gleichwohl mit dem Scheine der Aufopferung inS Verderben.

Preußen fordert den Bundesstaat, eine starke Cen­tralgewalt, eS fordert also:

Mediatisirunq aller deutschen Fürsten, Preußen verweigert aber, dem Olmützer Kabinet zu Liebe, die Annahme der Kaiserkrone.

Preußen erklärt im Auftrage Rußlands, daß eS diesen Bundesstaat mit Waffengewalt errichten, die starke Cen­tralgewalt durch Ausdehnung des Belagerungszustandes über ganz Deutschland herstellen werde, und läßt sich zu gleicher Zeit überreden, dem Hause Habsburg einen Staatenbund zu proponiren.

Während Preußen im Auftrage Petersburgs durch sein herrliches Kriegsheer Deutschland zu Gunsten deS russischen Absolutismus zu centralisiren gedenkt, decentralisirt, vernichtet es nach dem Wunsche desselben Petersburgs die Monarchie der Habsburger, zwingt es dieselbe zum europäischen Kriege oder zur Rolle einer russischen Provinz.

Die angedrohte Waffengewalt Preußens wird mit dem Hause Habsburg ganz Deutschland an die Kosaken ausliefern.

Die Spitzbubenpolitik.

" So lange noch ein einziger Fürst auf dem Throne sitzt, jeder Fortschritt eine Lüge, jede Freiheit ein Betrug!" So lange diese Wahrheit nicht in den Schulen und von den Kanzeln gepredigt wird, so lange nicht jedes Kind diese Worte stammelt, jeder Jüngling mit diesen Worten zu Bette geht,

sein Tagewerk beginnt, so lange diese Worte nicht auf allen Bannern stehen, in jede Lust, jeden Freudenrausch gemischt werden, so lange daS deutsche Volk noch die Paläste seiner Zwingherren mit einer heiligen Scheu betrachtet, so lange in den Fürsten nicht seine gebornen Feinde, seine Henker, seine Mörder erblickt, so lange ist jede Erhebung ein Aber­witz, jede Revolution ein Possenspiel, jede Aufopferung eine Narrheit.