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Dieses Blatt, wird Diensttags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengasse Nr. 132. Der Abonne­mentspreis istvierteljährl. 18 Sgr.

Zweiter Jahrgang.

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Die Hornisse.

Kaum, Ihr Zerren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

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Kassel, Donnerstag, den 3. Mai.

1849.

Korrespondenz der äußersten Linken.

Frankfurt, den 10. April. Endlich ist die Zeit deS Geschwätzes vorüber. Von nun an werden und müssen blos Thatsachen reden. Die Fürsten sind setzt der Macht sich bewußt, welche ihnen die Mehrheit der Nationalversammlung wieder in die Hände geliefert hat, und sie werden sie ohne Zaudern zur vollständigen Wiederherstellung deS Absolutismus benutzen. Der Hohn, welchen der König von Preußen der Kaiserdeputation inS Gesicht schleuderte, die letzte baierische Note, welche der Nationalversammlung geradezu den Gehorsam aufkündigt, die neuesten Ereignisse in Preußen, Baiern, Hannover und Sachsen, die Zusammenziehung preußischer Truppen bei Kreuznach deuten klar darauf hin, daß man sich von Seiten der Fürsten zum

letzten Handschlage rüstet und ihn führen will. Die Nationalversammlung wird den ihnen von den Fürsten hingeworfenen Hand­

schuh schwerlich aufnehmen. Sie ist so in Feigheit, Schmach und Schwäche versunken, daß sie die Fußtritte nicht fühlt, welche sie erhält. So hat sie in der heutigen Sitzung, nachdem vorher der Handelsminister Duckwitz mit einer fast dreistündigen, völlig unverständilchen Vorlesung über die Angelegenheiten der deutschen Flotte die kostbare Zeit verschwendet hatte, wieder

ihre Mattherzigkeit auf glänzende Weise bewiesen. Sie hat den von der äußersten Linken gestellten und von der Linken unter­

stützten Antrag, wonach das Volk gegen die ungehorsamen Fürsten zu den Waffen gerufen und die gehorsamen Regierungen angewiesen werden sollten, ihre Waffenmacht zur Verfügung zu stellen, nicht für dringlich erkannt. Er mußte zurückgezogen werden, um ihn nicht dem ZuwartungSauSschuffe der Dreißig in die Hände gerathen zu lassen. Die Mehrheit der National­versammlung konnte sich nicht einmal entschließen, einem Anträge deS linken Centrums gemäß das deutsche Volk aufzufordern, an der Reichsverfaffung festzuhalten!! Diese Leute, welche unS heute noch ihren erstaunlichen Muth in fürchterlichen Phrasen vorgepredigt, begnügen sich mit dem Auöspruche ihrer Mißbilligung über die Auflösung der preußischen und hannoverschen Kammern und mit der Aufforderung (ei, wie muthig!) an die Regierungen, welche jene Kammern ihrer deutschen Gesin­nungen wegen aufgelöst haben: neue Wahlen auf daS Schleunigste auszuschreiben!

WaS wird man unter solchen Verhältnissen vom Volke erwarten können? Wird eS den Kampf mit den Fürsten an- nehmen? ES handelt sich jetzt nicht blos um die Nationalversammlung, nicht blos um die Verfassung; es handelt sich um Alles, waS uns die Märzrevolution gebracht hat. Es handelt sich um Knute oder Freiheitsbaum, um Fürstenherrschaft oder VolkShoheit. Die Fürsten spielen va banque, wohlan, so mag und muß daS Volk auf daS Angebot eingehen.

Kaffel, am 2. Mai.

Die Würfel sind geworfen! Was wir seit Monaten be­hauptet haben, ist endlich für daS blödeste Auge klar genug, für den blödesten Kopf verständlich genug geworden: alle Für- ften, kleinste wie der größeste, stehen in offenem Aufstande gegen die Revolution des JahreS 1848. Unsere Busenfreunde, bie Jtebslffenre der Neuhessischen, versicherten aller Welt, daß erne Reaktion nach der glorreichen Erhebung des deutschen Volkes platterdings unmöglich sei, unsere Busenfreunde sehen sich jetzt genöthigt, gegen diese Reaktion ihre ohnmächtigen Hülferufe zu erheben

Der König von Preußen hat bekanntlich definitiv erklärt, die Leute sollten ihn endlich in Ruhe lassen, er nähme die Krone nicht. Die Arbei­ten des Frankfurter Parlaments seien zu schlecht.

Angesichts deS Jahres 1830 gab nur ei ne Revolution, gegen welche eine Contrerevolution unmöglich war, die Revo­lution zu Gunsten der Republik, zu Gunsten der demokrati­schen, zu Gunsten der sozialen Republik. Angesichts der fürstlichen Schurkenstreiche, der dynastischen Meuchelmorde, der gottbegnadeten Spitzbubenwirthschaft, Angesichts der Verräthe- rei, der Feigheit, der Nichtsnutzigkeit unserer Spießbürger gab eS nur eine Revolution, welche nicht ihr eigenes Grab grub, die Revolution im Interesse deö Proletariats, der Kleinbür­ger, im Interesse der Arbeit gegenüber dem Wncher, dem Kapitale, der Spekulation.

Die Würfel sind geworfen! DaS deutsche Parlament, diese elende That der Revolution, ist nicht mehr in der Lage, auS- einandergejagt zu werden, dieses selbe Parlament hat nur noch die eine Art des Untergangs, den Selbstmord. Wie wir immer, wie wir seit dem Malmöer Waffenstillstand