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Hornisse.
„Raum, Ihr Herren, dem Flügelfchlag Liner freien Seele!"
St SS.
Kassel, Dienstag, den I. Mai.
1849.
Kassel, am 30. April.
(Die Ungarn.) „Daö letzte Volk, daö seine Hand an der rothen Fahne liegen hat" , hat gesiegt. Die Magyaren haben den Kamps, den die Nationen feige aufgegeben, den die deutschen Patrioten, die deutschen Liberalen, die deutschen Professoren schmachvoll aufgegeben haben, fortgesetzt und — das Resultat ist Sieg!!! Bis tief in die Seele ist uns die Nachricht gedrungen, daß jene gewaltigen Insurgenten, jene großartigen Rebellen die Oesterreicher abermals geschlagen, daß sie dieselben so entscheidend, so total geschlagen haben, um an ein Wiederaufleben nicht mehr zu denken, und die Möglichkeit eines plötzlichen Umschlagens geradezu ableugnen zu können. DaS Spiel der Dynastieen ist damit vollendet. Die alte Politik, jene Lügen- und Spitzbubenpolitik, jenes Donnern und Blitzen aus heiterem Himmel ist damit vernichtet, Metternich ist geschlagen, Nikolaus ist geschlagen, Guizot ist geschlagen, geschlagen sind alle jene Ministerien und Kabinette , welche auö dem Schutt des Mittelalters, auö dem österreichischen Düngerhaufen ihre Kräfte sogen. Die kühnen Rebellen, für deren Untergang die deutschen Buben Tag für Tag und Nacht für Nacht gebetet haben, auf deren Niederlage hin Hofbälle arrangirt und Gelübde abgelegt wurden, diese kühnen Rebellen haben der blutrothen Reaktion ein blutrotheS Halt! zugerufen, sie haben die Reaktion zum letzten Strauß, zur letzten Schlacht herausgefordert, sie provociren sie im Augenblick zur Offenlegung ihrer Karten, sie zwingen sie im Augenblick, den letzten Lappen der Maske, die letzte Schaam abzulegen, und sich in großartiger Weise, in kolossalem Maaß- stabe für die Conterevolution des Absolutismus zu erklären.
Die Contrerevolution zu Gunsten der österreichischen Ge- sammtmonarchie ist unmöglich. Der riesige Bau, welchen Verrath und Kuppelei, den der Schacher mit Menschen und Land aufgeführr haben, ist durch die freie, offene That eines freien
vernichtet, die Lüge ist durch das Schwert, der Ver- rath durch die Feldschlacht gerichtet. Oesterreich ist für alle Ewigke.t verloren. Mag der alte Radetzky in Italien Sieg über Sieg und Orden über Orden erringen, mag das Ol- mutzer ^abrnet vor seinem Ende noch einmal alle jenen impo- nirenden Machte der Vergangenheit heraufbeschwören, noch emmal einen kühnen Griff in sein Arsenal der alten Kunst- Mcke thun — Oesterreich ist verloren, unwiderruflich, unwider- rrrnglich verloren.
Die Politik der Großmächte wird diese Wahrheit anerkennen. Tue alte Reichsherrlichkeit, daâ alte europäische Gleichgewicht , das alte Schaukelsystem der Dynastieen ist vorüber.
Es gilt, eine neue Politik zu beginnen, den Geist der Zeit, der über das romantische Oesterreich gegangen ist, anzuerken- nen, anzuerkennen , daß auf das Haus Habsburg fortan keine Rücksicht mehr zu nehmen ist. Weder Preußen noch Rußland werden zu Gunsten dieses Leichnams Armeen entsenden; Preußen und Rußland werden Armeen aufbieten, freilich! aber das Schwert wird nicht für Habsburg , das Schwert wird für Petersburg und Potsdam gezogen werden, daö Blut wird nicht zu Gunsten Sophiens, sondern zu Gunsten der Kosaken und Ukermärker fließen.
Auf die Energie und den europäischen Patriotismus der Magyaren wird es ankommen, auf die neue, blutige, rothe Revolution wird es ankommen, ob Petersburg oder die Freiheit siegt, ob Deutschland ukermärkisch - kosakisch oder eine — Republik wird. Ehe ein paar Monden vergehen, wird die Geographie Europa's anderer Lehrbücher bedürfen, — Gott gebe, daß sie republikanischer bedarf!
(Die Römer ) Italien ist feige! Die Zeitungen haben eâ behauptet-, unsere Busenfreundin, die Neuhessische, hat'S nachgestammelt, sie hat die römische Republik über die Achseln angesehn, ihre revolutionären Maßregeln mit dumm-brutalem Lächeln beantwortet. Die römische Republik wird sich weder um die Neuhessische, noch um ihre Vettern uud Basen, um die Metternichs und Radetzkys, bekümmern. Ein wahres Glück!
Die Feigheit der Römer manifestirt sich auf eine eigene Weise, sie verkündigt sich ohngefähr auf dieselbe Art, wie die der Magyaren; die Feigheit der Römer wird vermuthlich dasselbe Resultat haben, wie die der Ungarn. So gut, als die österreichische Gesammtmonarchie verloren ist, ebenso sind es die Lappenstaaten Italiens, — ehe ein Jahr vergeht, wird Italien e i n Reich sein. Die Lehrbücher der Geographie wer- den auch hier Aenderungen vorzunehmen haben, Rom wird entscheiden, welche!
Der Muth der alten Republikaner, die Energie der alten Stadt an der Tiber, die Energie der Bettler unter Romulus ist wieder aufgewacht, die Tiber wird über kurz ihre trägen Fluthen anschwellen sehen, sie wird dunkles Blut in das Meer wälzen, das Blut deS Gesindels, der Bettler, daö Blut jener Feigen, Nichtsnutzigen, Verworfenen, — die Bettlerbrut , das Gesindel wird sein Blut nicht allein vergießen!
Unter den Mauern Noms wird sich eine Würgschlacht erheben, daS „junge Italien", die alten „ Carbonaris", die „schwarze Ligue", alle Revolutionäre der südlichen Halbinsel werden dort im Feuer stehen, daS Gesindel wird aus der Stadt des Capitols , des Vatikans seine Blitze in daS Lager der österreichischen Mörder- und Räuberbanden werfen, das Gesindel wird auö der Stadt der Peterökirche seine bleiernen