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Später, noch in neuester Zeit, haben sämmtliche kleinen Raubritter in Deutschland sich den Titel Hoheit beigelegt. Von der Zeit an schwelgen sie ganz in der hohen Illusion, vonEwigkeit her Souveräne gewesen zu sein und Von Gottes Gnaden.

Die Nation hat ihnen in der Märzrevolution, hat ihnen durch die Neichsverfassung erklärt, daß es mit diesem Spuk ein Ende habe, daß ihre Souveränetät ein schöner Traum ge­wesen , welcher jetzt der nackten Wahrheit weichen müsse, daß ihr ursprünglicher Souverän, der deutsche Michel, aufgewacht sei, und sie hiermit ihrer Statthalterschaft entsetze, und deS Amtes, für ihn die Hoheit auszuüben.

Aber das können die verehrten Herrschaften nicht begreifen; sie können nicht annchmcn, daß der gute Michel im Ernst ge^ sprechen hat, die treuherzige, gutmüthige Seele, die sie so oft über den Löffel barbirt haben, die so oft so gütig gewesen ist, sich von ihnen einschläfern zu lassen. Sollte er wirklich eine Revolution und nicht blos Krawalle gemacht haben? Sollte ihr ganzes Ansehen, ihre ganze Macht, ihre Soldaten, ihre gesammelten Millionen nichts dagegen vermögen? Sie können, sie werden es nicht glauben, bis sie wirklich die nackte Faust vor ihren Augen sehen; sie werden Nichts für verloren halten, bis sie Alles verloren haben. Sie werden Alles wieder zu gewinnen suchen, wenn sie Etwaö behalten.

In dieser süßen Hoffnung bestärkt sie die neue Kaiseridee und der furor historicus (der historische Wahnsinn) der pro­visorischen Regenten Deutschlands, der Professoren zu Frankfurt.

Sie können unS nicht entbehren, jubeln sie. Ohne Fürsten können sie nicht fertig werden! Ein Kaiser wird seine Könige und Herzöge verschonen! Ein Kaiser ist Nichts, die Geschichte hat's gelehrt! Der Kaiserkrone verdanken wir Alles: Hoheit, Land und Leute. Ein Kaiser ist unsere Rettung! "

Nur die größeren napoleonischen Majestäten schmollen. Sie wollen theilen mit dem neuen Kaiser. Und beim Himmel, er wird eS müssen, wohl oder übel!

Unter dem Schutz und Schirm dieser Kaiserwirthschaft oder auch eines fürstlichen Direktoriums wird das alte Fürstentrei­ben einen erneuerten Aufschwung nehmen, wird die Größe des Vaterlandes, der Ruhm und die Ehre der Nation für den Meistbietenden nach wie vor feil sein, wird nicht das deutsche Parlament, sondern Rußland durch feine Ukase, Orden, Prin­zessinnen , JahreSgehalte und Spione Deutschland nach wie vor regieren, wird Deutschland nun und nimmer ein Bundesstaat, ein großer, mächtiger Staat, sondern bleiben, was war, ein ohnmächtiges, zusammcngcflickteS Wesen, ohne Kraft, ohne Muth, ohne Freiheit und ohne Einheit.

Wenn ein Präsident, ein Sohn der Revolution, ein ver­antwortlicher Mann aus dem Volke, über diesen Fürsten stände, wie sollte ihr erbettelter und zusammengeraubter Glanz, wie sollten ihre erkauften und geschenkten Kronen vor der Stimme und vor der Faust der Nation erbleichen und zertrümmern!

Das Vaterland wäre gerettet! Aber solch eine That ist nichts für Professoren.

G. Kellner.

Taktisch-parlamentarische Kunstgriffe der Reaktion und Philistcrei.

(Zusammengcstellt für Kandidaten des Bürgervereins.)

(Schluß )

18) Was einige besoffene Eckensteher, Kohlenführer :c. gethan haben, das haben natürlich die Proletarier alle znsam- mc n gethan; was die Proletarier gethan haben, daö haben die Demokraten gethan. Daraus folgt, daß alle Demokraten Er- effe begehen.

19) Wenn ihr irgend einen Demokraten irgendwo in einer Gesellschaft trefft, wo die Gesetze des Anstandes und der unter gebildeten Menschen üblichen Höfllichkeit ihm nicht erlauben, sich zu wehren, so sucht ihm irgend eine Impertinenz zu sagen; ihr erreicht dann mindestens den Zweck, einen solchen Menschen vielleicht zu verstimmen, einen weiteren Zweck, ihn vielleicht zur Heftigkeit zu reizen, und den letzten, ihn nicht wieder an dem Orte zu treffen, und den endlichen, den weit höhe­ren Zweck, die verschiedenen Klaffen der Gesellschaft recht gründlich miteinander zu verfeinden.

20) ES ist auch anzurathen, unter einander so zu sprechen, daß anwesende Demokraten dies und das Unange­nehme hören und auf sich beziehen müssen. Trägt ganz we­sentlich zu freundschaftlichen Verhältnissen bei, sowie überhaupt zu einem guten geselligen Tone.

21) Wenn ihr gewahr werdet, daß der Andere geduldig genug ist, eurem Galimathias zuzuhören, so haltet ihm eine Vorlesung über eure Ansichten. Ihr erleichtert dadurch euer Gemüth, was von wesentlich vortheilhaftem Einfluß auf euer körperliches Wohlbefinden ist.

22) Bei Verhandlungen sucht wo möglich daS letzte Wort zu erhalten, worauf der Gegner nicht mehr antworten darf (Sybel). Ihr gewinnt dadurch den Anschein, ihn widerlegt zu haben.

23) Wenn die Gründe nicht mehr ausreichen, so sucht ihm die Sache in das Gewissen zu schieben, und stellt euch, als wäret ihr voll tiefen moralischen Abscheues gegen die (wenn auch illusorischen) Folgen seiner subversiven Ideen (Neuhessische).

24) Wenn ihr irgendwie vor Zeiten Etwas für das Volk gesagt oder gethan habt, so macht dies möglichst geltend, um zu beweisen, daß ihr weit mehr für die Sache gewirkt habt, als eure Gegner, die doch meist junge Leute sind (Henkel).

Daß ihr in der Entwickelung stecken geblieben seid, daran f kommt's nicht an.

Bourgeois und Proletarier.

Die Geschichte aller bisherigen Gesellschaft ist die Geschichte von Klassenkämpfen. Freier und Sklave, Patrizier und Ple­bejer, Baron und Leibeigner, Zunftbürger und Gesell, kurz Unterdrücker und Unterdrückte standen in stetem Gegensatz zu einander, führten einen ununterbrochenen, bald versteckten, bald offenen Kampf, einen Kampf, der jedesmal mit einer revolu­tionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete, oder mit dem gemeinsamen Untergang der kämpfenden Klassen.

Zn den früheren Epochen der Geschichte finden wir fast überall eine vollständige Gliederung der Gesellschaft in ver­schiedene Stände, eine mannichfaltige Abstufung der gesell­schaftlichen Stellungen. Im alten Rom haben wir Patrizier, Ritter, Plebejer, Sklaven; im Mittelalter Feudalherren, Va­sallen, Zunftbürger, Gesellen, Leibeigene, und noch dazu in fast jeder dieser Klassen wieder besondere Abstufungen.

Die aus dem Untergange der feudalen Gesellschaft hervor- vorgegangene moderne bürgerliche Gesellschaft hat die Klassen­gegensätze nicht aufgehoben. Sie hat nur neue Klassen, neue Bedingungen der Unterdrückung, neue Gestaltungen des Kampfes an die Stelle der alten gesetzt. Unsere Epoche, d i e E p o ch e der Bourgeoisie, zeichnet sich jedoch dadurch auS, daß sie die Klassengegensätze vereinfacht hat. Die ganze Gesell­schaft spaltet sich mehr und mehr in zwei große feindliche La­ger, in zwei große einander direkt gcgenüberstehende Klassen Bourgeoisie und Proletariat. Aus den Leibeigenen des Mittelalters gingen die Pfahlbürger der ersten Städte hervor;