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Zweiter Jahrgang.
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„Raum, Ihr Herren, dem /lügcKchlag Liner freien Seele!"
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Kassel, Sonnabend, den 28. April.
1849
Kassel, den 27. April.
„So lange Fürsten in Deutschland sind, ist kein Bundesstaat möglich."
Woher stammt die Souveränetät der deutschen Fürsten? Auf diese Frage antworten alle Kammerdiener, Hofprediger und sonstigen Lakaienseelen: „Von Gott! Sie muß von Gott stammen. Heißen nicht Jhro Durchlaucht: von Gottes Gnaden"?
-• -So geruhen sie sich allerdings zu nennen. Wahrheitsliebender würde eS von Dero Gnaden sein, zu sagen: von Gottes Zorn, wenn Sie denn durchaus vom Himmel gefallen sein wollen. Ich sage wahrheitsliebend, aber Wahrheitsliebe und Fürsten - oder Hofsprache sind zwei ver chiedene Begriffe.
Niemand hat bis dato etwas davon vernommen, daß diese gekrönten zweibeinigen Wesen vom Himmel gefallen wären, obgleich sie ihren gemarterten und verrathenen „Unterthanen" oft genug wie jene gefallenen Engel vorgekommen sein mögen, die nach ihrem Fall den Namen Teufel annahmen , diesen armen Unterthanen, die sich nur im Stillen wunderten, daß Gott so wenig Gnade mit ihnen habe, ihnen mit diesen bösen Engeln ein Gnadengeschenk zu machen.
Die Entscheidung der Streitfrage, ob die bewußten Herren und ihre Geschlechter aus dem Himmel oder auS der Hölle stammen, wollen wir Denjenigen überlassen, welche müssig die Hände in den SchooS legend, ihr Alles, ihren Hals und ihren Kopf den überirdischen oder unterirdischen Mächten zur Verfügung stellen und gehorsamst abwarten, ob man sie mit süßen Feigen oder mit Ohrfeigen regaliren will.
Die Frage über den Ursprung der Fürsten ist für uns, >e wir einfach die Thatsachen der Geschichte untersuchen, nicht so schwierig zu beantworten.
ammtliche Fürsten stammen von Naubgeschlechtern, stam- men o» tapferen oder glücklichen oder reichen Raubritter-
• 1 d"S Glück hat, holt die Braut heim, sagt
em altes Spruchwort. Die Vorfahren Ihrer Majestäten und Ihrer Durchlauchten hatten dieses Glück; die Bräute, die sie hermholten, waren Burgen, feste Städte, Dörfer, Wälder, Aecker, waren Land und Leute.
. . ^^ t"^n sie im Kleinen, so lange sie klein waren; sie trreoen s rm Großen, sobald sie mächtiger wurden. Als sie noch elende Grafen und Herren von oder zu waren, fehdeten sie mit Geringen, wegelagerten gegen Kaufleute und arme Fuhrleute und nahmen ihnen Gut und Geld, oder dienten für Sold bei jedem beliebigen Raubzug.
Als sie sich zu Reichsfürsten emporgearbeitet hatten, zu großen Vasallen des deutschen Kaisers oder der deutschen Nation, die schon früh eine große Gesammtmacht unter gemeinsamem Wahloberhaupt gegründet, kriegten sie gegen ihre Mitfürsten und raubten im größeren Styl, und zuletzt, als sie mächtig genug waren, kämpften sie gegen den Kaiser und gegen die ReichSverfassung selbst. —
Damals durften sie's noch nicht wagen, ihren Ursprung direkt vom Himmel abzuleiten. Alle Welt wußte, woher sie ihre Macht hatten, ihre zusammengeraubte, mit ewiger Fehde und Strömen von Bluts zusammengebrachte Gewalt, die von Kaiser und Reich durch nachträgliche Aufnahme unter die großen Vasallen des Reichs gewöhnlich anerkannt werden mußte.
Diese großen Vasallen sind die Träger des Unglücks und der Schande deutscher Nation. Ihre dynastischen Interessen haben das Vaterland, haben eine große Nation zerrissen und geschwächt, haben tausend Mal die Ehre des deutschen NamenS geschändet und verrathen und daS gesammte deutsche Volk und die einzelnen Stämme auSgesogen, entsittlicht und entnervt. Sie waren und sind die Feinde unseres Wohlstands, unserer Freiheit, unserer Größe, unserer Ehre und unseres RuhmS.
Sie haben ganze Volköstämme im Verlauf der Geschichte an die Feinde des Vaterlands verrathen, und sie thun eS noch immer.
Sie haben in hundert schmählichen Friedensschlüssen und Verhandlungen vom Westphälischen Frieden (1648) an biS zur Pariser Rheinbundstiftung (12. Juli 1806) die Nation verkauft für den Prunk ihrer Kronen, für den Glanz ihrer Throne, für Geld und Würden im Dienste der Feinde des Vaterlandes.
Sie haben die alte Verfassung des Reichs durch jahrhundertlange perfide Sonderbemühungen in Trümmer zerbrochen, und die Kaiserkrone Karls des Großen auf den hohlen Schädeln des Geschlechts der Habsburger zum Kinderspott herab- gcwürdigt und sie ihm zuletzt herabgeschlagen. Sie waren Rebellen gegen die Freiheit und gegen den Willen der Nation von Anfang bis zu Ende.
Damals, als sie das deutsche Reich gesprengt hatten, damals empfingen sie aus der Hand Napoleons ihre Souveränetät und Gottbegnadigung, sie, die alten Naubrittergeschlech- ter, von einem Kinde des Volkes, das seine eigene Krone nicht von Gott, sondern von sich selbst trug. Welche schnöde Ehre für diese Hochmüthigen!
Damals wuchsen jene deutschen Könige von Baiern, Wür- temberg und Sachsen auS der Erde. Aus Ehrgeiz nahm Hiu- terdrein auch Hannover die Königskrone. Preußen hatte sie schon 1700 vom Kaiser und Reich zum Geschenk erhalten.