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10) Man verdrehe die Worte des Gegners und scheue sich nicht vor einer kleinen Unwahrheit, wenn's darauf ankommt.

11) Man stelle sich, als lasse man Jedem Gerechtigkeit widerfahren. Dadurch gibt man sich das Ansehn, über den Parteien zu stehn, daS Ansehn der Gerechtigkeit.

12) Wenn man Grütze genug im Kopfe hat, suche man den Unsinn, welchen man producirt, philosophisch zu begrün­den. Die ProfessorenweiSheit hat der Sache der Heulerei mehr genützt, als alle Bajonette Windischgrätz'S und die Horden der Sereschaner.

13) Wenn's angeht, hänge man der Sache ein heiliges Mäntelchen um. Deklamationen über Thron und Altar sind etwas verbraucht; praktischer ist es jetzt, zu sagen: die Demo­kraten sind Atheisten, sie wollen das Heiligthum der Ehe und der Familie vernichten re.

14) Man suche für jede Richtung, welche man einzuschla­gen gedenkt, sowie auch für die, welche der Gegner befolgt, irgend eine pikante oder emphatische kernhafte Phrase, welche das Gewicht der Gründe ersetzt für die vielen armen Geister, die nicht selbst nachzudenken lieben. Dergleichen Redensarten halten zwar nicht lange wieder, thun jedoch ihrer Zeit gute Dienste. Was will man mehr. Für Reichsverhältnisse sind besonders die Redensarten des Edlen v. G. zu empfeh­len, für die hessischen Angelegenheiten die des Abgeord­neten Henkel.

15) Man versäume ja nicht, alles Unheil dem Widerstre­ben der Linken beizumessen. Dadurch erlangt man 2 Vortheile : a) Man schreibt dem Feinde daS Gehässige zu und setzt ihn in die Nothwendigkeit , sich zu rechtfertigen; b) man wäscht seine eigenen schmutzigen Hände in Unschuld.

16) Es versteht sich von selbst, daß alle Demokraten Räu­ber, Diebe, Langsinger, Spitzbuben, Mörder und Kerls sind, welche Minister werden wollen.

17) Sucht besonders die Weiber zu verführen, indem ihr a) an ihre natürliche Furchtsamkeit appellirt, b) ihr religiöses und ästhetisches Gesühl benutzt, c) den Weibern der Ange­stellten begreiflich macht, daß in einer Republik die Gehalte kleiner werden.

(Fortsetzung folgt.)

Kassel, am 24. April.

Die Revolution der Spießbürger und Pro- fefforen und ihre Folgen, oder:

die Politik - er Strohhalme.

Ein Königreich für ein Pferd,

Ein Kaiserreich für einen Strohhalm.

DerKönig vonPreußen behält sich Bedenkzeit vor. Ein höchst überlegender, vorsichtiger, vaterlandslieben­der Monarch! — Erster Stohhalm!

Der König von Preußen lehnt ab. Aber er hat nicht unbedingt abgelehnt, v bei Leibe nicht; ein höchst edel- müthiger, wohlwollender Fürst! — Zweiter Strohhalm!

Der König vonPreußen lehnt unbedingt ab durch sein Ministerium. — Das Ministerium muß ab­treten, die Berliner Kammern haben eö eiklärt. Mit einem andern Ministerium wird dieser sonst so vortreffliche Fürst, trotz mannichfacher Schwächen gewiß das Wollen der Nation erfüllen! — Dritter Stro hhalm! Die Sache wird be­denklich !

Der König von Preußen behält sein Ministe­rium und bleibt bei seiner Meinung. So muß das Volk ihn zur Thronentsagung zwingen, und de» edelmüthigen, genialen, hochgebildeten Prinzen von Preußen (vulgo Kartät­

schenprinz) auf den königlichen Thron setzen, damit dieser die Krone Deutschlands empfahe, er und seine liebenswürdige edle deutsche Gemahlin! Vierter Strohhalm! Nun gilt's!

DerPrinzvon Preußen wird König und nimmt die Krone Deutschlands ohne Weiteres mit obligatem allgemeinem Belagerungszustand unter russischer Oberhoheit an. Was nun? — Nichts!

Die kaiserlichen Professoren kehren Zkill zu ihren Kathedern zurück, nachdem der letzte Strohhalm, nach dem sie gegriffen, sich in eine Klapperschlange verwandelt hat, vor der sie, nach gewohnter Bravour schleunigst das Hasenpanier ergreifen.

Etwas Gelegenheitspoesie des Laternenansteckers der Neuhessischeu.

Wo sind sie denn, die Patrioten, Die großen und die kleinen Herrn, Die damals in der Noth nach Noten Lobsangen den JohanneS-Stern.

Vom Donaustrande bis zur Weser

Erhebt die Stimmen, Mann für Mann:

Ein Hoch dem deutschen Reichsverweser,

Ein Hoch dem Erzherzog Johann!

Auf seiner schmalen Höhe stund er,

Daß er nicht ausglitt, war ein Wunder,

(Poetischer Zunder!)

Als Haß und Hader und Entzweiung

Die deutsche Erde weit zerriß,

Da hielt er über der Parteiung (schön gesagt!)

Sich aufrecht — einsam, doch gewiß!

(Soll gewiß heißen: sicher!)

Franz, Leganonsrath von Dünkelstüts.

Modernes bewerben um Fortkommen.

Bei Bebra wurde kürzlich ein Mechanikus an der Eisenbahn von zwei Gardisten und einem ehemaligen Garde du Corps überfallen und verwun­det. Warum? Weil er beim Freikorps in Kassel gestanden habe. — Der Garde du Corps wünscht nachträglich noch Kurfürst - Husar zu werden, die Gardisten wenigstens Garde du Corps.

So lange die Neuhessische sich blos gemein gegen Demokraten betrug, hatten die Herren so und so Nichts dagegen einzuwenden, jetzt aber, wo sie ihre Plumpheit 'mal an einem Aristokraten wetzt, der ihren Busenfreund ein wenig geprügelt, an einem Aristokraten von reinstem oder unreinstem Wasser — siehe da, da schreien alle Aristokraten: steinigt! steinigt! Laßt sie nur in Frieden wegen dieses lapsus calami, sie wird euch durch Ge­meinheiten gegen Demokraten baldigst vollkommen entschädigen.

An Bürger Hahndorf.

Steinkohlenhaltiges Rinteln s. Kants Anthropologie: vom Charakter der Person , und zwar O. das phlegmatische Tempera­ment des Kaltblütigen — außerdem die Lehre vom Stickstoff in allen Lehrbüchern der Chemie — und in alten Stylübungen aus der Schulzeit die Lehre vom pars pro toto.

Wäre cs. nicht wünschenswert!), daß Hr. Hauptmann I. zum Reichs- Polizeidiener ernannt würde? — Da er beim Exerziren der Rekruten den Zuschauern das Cigarrenrauchen verbietet, so könnte leicht die Vermuthung aufsteigen, er möchte den Pulverdampf nicht vertragen können.

Ein Kasseler Bürger.

Wir ersuchen die betreffenden Behörden, hochgefällig ein wenig auf J>ie Herren Jnstruktionèrichter Acht geben zu wollen. Oder soll die ganze Zn- quisitionsmisere nunmehr in die kurze Zeit der Voruntersuchung gezwängt werden? Wir kennen Jnstruktionèrichter, die unsere neuen Gesetze zum Teufel wünschen, weil sie nicht einmal die Jnquisitionsprügcl gestatten. Gestehen oder Hiebe! Es bleibt Alles beim Alten.

(Beilage.)