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unserer Ständekammer nach dem Muster der Paulökirche abtheilen, in äußerste Rechte, Rechte, rechtes Centrum, linkes Centruin, Linke und äußerste Linke, so würden sich durchschnittlich diese Parteien zu einer Stärke von 7 bis 8 Mann ergeben. Von imposanten Parteibildungen kann also hier keine Rede sein.
Aber daS kann man erwarten, daß die Männer, die ein und demselben Prinzip huldigen und die sich in einer so kleinen Kammer ohne Weiteres gegenseitig finden und erkennen, daß diese Männer ihre Schritte gemeinsam berathen, daß sie auf dem gemeinsamen Grund und Boden deS Prinzips in den einzuschlagenden Mitteln sich einigen, und hierin vor allen Dingen ihre Sonderideen der Majorität ihrer Prinzipgenoffen in vorbereitenden Besprechungen unterordnen.
Daß dies von keiner Seite der Kammer geschehen, hat uns oft genug gewundert. Von der Linken hätten wir's erwartet. Aber so viel Mitglieder auf dieser Seite standen, so viel einzelne Parteien bildeten sie in der Partei.
Ebenso wie aus dem Centrum oft drei oder vier Anträge über denselben Gegenstand gestellt wurden, ohne größere Ver- schiedenheit, als daß der eine Antrag daS im ersten Satz hatte, was der andere im letzten anführte, ebenso wurden zuweilen von den Männern der Linken ein halbes Dutzend Anträge gestellt, auS denen nur hervorging, daß die Herren es nicht für der Mühe werth gehalten, außerhalb der Kammer schon ihre geringen Differenzpunkte auszugleichen, daß sie eS nicht verstanden, Partei zu bilden, strenge geschlossene Partei, die durch den mächtigen Impuls seiner elektrisch wirkenden Einigkeit die Indifferenten der Kammer mit ffich fortriß, die der Partei jim Lande daS Beispiel inniger Vereinigung und einträchtiger Thatkraft gaben.
Wenigstens mußten die Männer, die schon vor ihrem Eintritt in die Kammer entschieden demselben politischen Glau- benSbekenntniß anhingen, auf solche einmüthige Weise zusam- menstehen. Es ist selten geschehn. Mancher Sieg ist dadurch nicht ohne unangenehme Nebenumstände geblieben, mancher ist geradezu dadurch verscherzt worden.
Außerdem müssen wir es bitter tadeln, daß die Partei sich bei manchen Gelegenheiten außerordentlich schlaff und lässig gezeigt hat, so z. B. gleich im Anfang bei der Adresse an den Kurfürsten, wo sie einmal gegen jede Adresse hätte pro- tcstiren müssen, eventuell aber eine ganz andere wenigstens beantragen; lässig hat sie sich ferner gezeigt bei der unbedingten voreiligen Anerkennung der preußischen Suprematie und bei der Erklärung für die deutsche ReichSverfassung, abermals unbedingt mit der Nationalversammlung stehn und fallen zu wollen.
Die Lässigkeit bestand bei diesen und anderen Fällen hauptsächlich darin, daß sie eS für unnöthig, oder für der Mühe zu viel hielt, ausdrücklich in diesen Fragen ihren besonderen Standpunkt hervorzuheben im Interesse der Wahrheit und Freiheit. Daß die Demokraten, daß die Republikaner die Ersten sind und bleiben werden, welche gegen die Reaktion und Despotie im Kampfe stehen und halten, daS versteht sich Io sehr von selbst, daß sie eS nicht so oft zu versichern brauchen, wie die guten Konstitutionellen, Halben und Falben, die mi einer solchen Verheißung allein schon eine That, eine w oh ent$öt" geübt zu haben vermeinen.
n,Qn kann doch nicht annehmen, daß Republikaner ■ur 16 barocke, von allen Seiten verhöhnte Kaiseridee ™lt Nationalversammlung stehen und halten wollen, und für alle die noch möglichen Abarten von Kaiserparorismen, die in dem Gehirn der Frankfurter Professoren auftauchen werden, nachdem sie jo empfindliche Treffe von Potsdam auf ihre gelehrten Schädel erhalten haben. Bedurfte denn diese wichtige Meinungsverschiedenheit keiner Erwähnung, keiner entschiedenen Erkläningen bei mehreren Gelegenheiten?
Der Ständesaal soll ein Lehrsaal des Volkes sein, dies waren die Worte Mittermaier'S in der badischen Kammer, als diese Kammer noch die Vorkämpferin für deutsche Freiheit war und der greise Mittermaier ihr Präsident.
Aber, und das war der Hauptmangel unserer republikanischen Partei, es fehlte ihr die Begeisterung, die Energie des Enthusiasmus für ihre Ideen.
Bayrhoffer'S Entschiedenheit und unbeugsame Konsequenz, Theobald's Bedächtigkeit und Ausdauer, Rauh's polternde Wildheit vom Standpunkte des durchlöcherten RechtsbodenS auS, Winkelblech's Pathos und Scherzhaftigkeit, Knobel'S muthige Angriffe auf die Blößen der Gegner — alle diese verschiedenen Eigenschaften haben den Mangel an Begeisterung, an siegesgewisser Hingabe für das Prinzip, daS sie Alle umfassen, nicht immer ersetzen können. In entscheidenden Momenten hat sich's gezeigt.
Taktisch-parlamentarische Kunstgriffe der Reaktion und Pbilisterei.
(Jusammengestellc für Kandidaten des Bürgervereins.)
1) Man betrachte jeden Menschen, der nach etwas Höhe, rem strebt, als einen Phantasten, der sich bessern wird, sobald er Aussicht auf Anstellung bekommt, oder viel Geld verdient.
2) Man verdächtige seinen Gegner überall, wo man kann, aber vorsichtig, wo möglich indirekt — etwa so: „Es ist doch schade um dieses schöne Talent, oder um den sonst guten Menschen, daß---- Denken Sie sich, er hat — — — rc."
3) Eine höchst e mpfe h le n â wer t he praktische Weise, den Gegner zu ärgern. Man versichert ihn seiner höchsten Achtung, und greift Die au, mit denen er umgeht, oder welche zu seiner Partei gehören. Kommt mandann mit diesen zusammen, so versichert man diese auch seiner höchsten Hochachtung, und schimpft auf den, welchen man früher lobte. So gibt eS Gelegenheit, Allen nacheinander Ehre und Reputation abzuschneiden und doch Allen Gerechtigkeit widerfahren zu lassen.
4) Man vergesse nie, zu bemerken, daß alle Sachen zwei Seiten haben. Dadurch behält man ein unermeßliches Feld für alle möglichen Operationen und schlauen Kunstgriffe, und nö- thigenfalls für einen geschickten Rückzug.
5) Ein ächter Philister darf keine Courage haben. Daher ist es zweckmäßig, wenn viele zusammen einen einzelnen Demokraten vornehmen und durch die Kraft ihrer Lungen widerlegen.
6) Man suche den Gegner durch eine Menge kleiner Anspielungen und indirekter Beleidigungen nach und nach zum Zorn zu reizen und außer Fassung zu bringen. Dadurch erlangt man den Vortheil, als Beleidigter zu erscheinen, und kann ihn unter Umständen verklagen u. s. w.
7) Man suche vor allen Dingen seinen Mitphilistern begreiflich zu machen, daß der Demokrat N. N. keine bestimmte» Erwerbsquellen hat und daß man nicht recht weiß, wovon er lebt.
4) Man bleibe bei der Diskussion niemals bei der Stange, schließe a posse ad esse (von Möglich auf Gewiß), rühre die Begriffe gehörig untereinander, appellire besonders an den Kommunismus, und ;uche Theorie und Erfahrung, besonders einzelne Fakta, ganz und gar untereinander zu werfen.
9) Sehr zu empfehlen ist daS Ausbeuten einzelner Thatsachen nach möglichst gehässiger Richtung. Metternich^sagte vom Frankfurter Attentat: „ daö ist eine sehr nützliche ^ache, wenn sie gut benutzt wird 1" - -