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Dieses Blatt wird DiensttagS, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) auègegebcn. Die Expedi­tion befindet sich in der obern Eu- tengasse Nr. 132. Der Abonne- mentspreiè ist vierteljährl. 18 Sgr.

Zweiter Jahrgang.

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Die Hornisse.

Naum, Ihr Zerren, dem Flügelschlag Liner freien^Keele!"

Hs=* 50« Kassel, Donnerstag, den 26. April.

1849.

Kassel, den 24. April.

Die Wahlen zum nächsten Landtag.

Niemals befremdet oder verblüfft sein! Nil admirari!

Im Monat August vorigen Jahres bemühte sich die na­tionale Partei zu Kassel sehr, vermittelst eines Kongresses zu Hersfeld ihre Wahlagitation über das ganze Land zu Gunsten ihrer Gesinnungsgenossen auszubreiten unter der Oberleitung desberedten" Herrn v. Sybel, wie ihn sein Freund Oetker zu nennen pflegt.

Man weiß, wie wenig ihr diese Bemühungen geholfen haben. Die Provinzen Oberhessen und Hanau blieben all' ihren Einwirkungen verschlossen, die Provinz Fulda handelte nach eigenem Ermessen. Nur in der Provinz Niederhessen hatte sie das Vergnügen, einige ihrer Kandidaten durchzubringen.

Es steht zu erwarten, daß sie diesmal ihre Bemühungen und ihre Wahlagitationen mit noch geringerem Erfolg gekrönt sehen wird. Auch in Niederhessen ist die Demokratie ge­wachsen.

Vor allen Dingen aber deswegen, weil sie selbst in sich zerfallen ist, weil der glorreiche Bürgerverein zu Kassel, der sich schon längst in eine Linke, die eigentlichen Bürger, und in eine Rechte, die Angestellten oder s. g. Bürger, spaltete, endlich in zwei gerade nicht sehrfreundschaftliche" Heerlager von einander getreten ist.

Die Untervereine des nationalen provisorischen Vororts in Kassel haben es jetzt nur mit dem Nest des alten Vororts zu thun, mit der schon längst fuchsrothen", aber nicht fuchs­wilden reaktionären preußischen Erbkaiserpartei der Bureau­kraten Kassels.

Es stellt sich bereits heraus, daß mancher Unter-Verein, er oUm blindlings zur ausgesteckten Fahne der Nationalität des Halbseeligen Bürgervereinö geschworen, allmählich den Un- terschred zwischen eigentlicher undfuchöroth" reaktionärer Nationalität zu erkennen anfängt.

^r. provisorische Vorort aller nationalen Vereine wird sich natürlich dadurch nicht abhalten lassen, nach wie vor die ausgezeichnetsten, bogenlangen Adressen, Aufforderungen und Warnungen nach allen Weltgegenden zu entsenden. Er wird sich nicht abhalten lassen von der alten angenehmen Gewohn­heit der Bureaukratie, Akten auf Akten zu häufen, so lange noch die Bureaukraten im Verein sind, so lange noch so viel Kredit vorhanden ist, um die nöthigen Stöße Papier, um die

gehörige Menge der Tinte und Druckerschwärze aufbringen zu können.

Es könnte jedoch eines schönen Morgens der Fall sein, daß plötzlich der ganze nationale Verein ohne seinen proviso­rischen Vorort als eine arme Waise einsam und verlassen in der Welt stände, ohne köstlichen Adreffentrost, ohne das Exempel der kühnen Heldenthaten, mit welchen ihm der tapfere Bürgerverein in Kassel voranschritt.

Es könnte anderseits eines schönen Morgens der Fall sein, daß plötzlich der provisorische Vorort der nationalen Vereine keinen einzigen Unterverein unter seinen Adressenflügeln mehr zusammenbrächte , wie eine von ihren Küchlein verlassene Bruthenne.

Da beide Fälle sehr leicht möglich sind, so braucht man der jetzigen Thätigkeit des Bürgervereins für die zukünftigen Landtagswahlen eben keine große Berücksichtigung zu schenken. Er gibt sich alle mögliche Mühe, Etwas fertig zu bringen, das ist sicher, findet aber zu seiner höchsten Betrübniß, daß ihm die s. g." demokratische Partei längst zuvorgekommen ist, obgleich er so fein und human in seinem Ausschreiben auf Henkel'sche Manier vor solchen Männern warnt, die nur aus egoistischem Interesse u. s. w. Man kennt ja diese gewöhn­lichste und bequemste Art, seine Gegner in der öffentlichen Meinung herabzusetzen. Eine alte, sehr verbrauchte Manier bereits!

Sie mögen das selbst fühlen, diese warnungs- salbungs­vollen Vormünder und Großväter des unmündigen Volkes; wir finden deßhalb unter der RubrikAnfragen, Rügen und Wünsche" in der Nr. 169 der Neuen Hess. Zeitung (Abend­ausgabe) einen kleinen Versuch eines neuen Wahlmanövers. Eine achtbare Hand" wundert sich mit Befremden, daß auf der Liste, welche dies. g." Demokraten ausgestellt hätten, die Namen mehrerer Männer ständen, welche durch ihr bis­heriges Wirken neben Gesinnungstüchtigkeit und Charakterfestig­keit eine ganz andere politische Richtung bewährt haben, als die in dem Programm der s. g." Demokraten aufgestellte".

Die achtbare Hand" bohrt und wühlt darauf an diesen Männern, sichvon Gesinnungswechsel, schwächlicher Eitel­keit" u. dergl. zu reinigen.

Diese achtbare Bureaukraten- oder Spießbürger-Hand" scheint eben mit keinem eben so achtbaren Verstand in Verbindung zu stehn, und daher ohne eine allzugroße Kenntniß der Sach­lage der Dinge in Kassel und in Kurhessen zu sein. Solchen und ähnlichenhöchst achtbaren Händen" diene Folgendes zur jedenfalls höchst angenehmen Nachricht:

Der Vorort der demokratischen Vereine KurhessenS, der