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die Fersen euresHerrn und MeisterS" faßtet, während ihr das Gewand von seinen Schultern reißen, seinen Kopf auf den Block legen wolltet, faßten die Kinder mit schneller, wü­thiger , ihrer einstigen Kraft bewußter Hand, faßte der junge Herkules, der junge Simson nach euch beiden, nach beiden Kämpfern, wollte, das Kind , die junge Revolution wollte die alte Revolution, die beiden Herren, die beiden Feldherren vom Felsen stürzen.

Die Zeit war noch nicht gekommen, der junge Löwe hatte den Sprung verfehlt. Revolutionen lassen sich nicht improvisiren, sie wachsen, sie dehnen sich, sie füllen den Weltkreis, die Schläge der Revolution gehen sicher, wie die Donnerkeile Jupiters.

Die sociale Demokratie hat sich zu fragen, ob durch die Bewegung dieser Zeit, durch die fortgesetzten Wellenschläge des Jahres 1848 noch ein zweiter Sprung möglich ist, ob die junge Revolution abermals auf einen Zufall, oder auf ihre wachsende Kraft, ihre schwellenden Adern, ihre derberen Fäuste rechnen soll, ob die neue Revolution die Revolution des Jahres 1848 benutzen, oder sich von ihr abwenden und die Revolu­tion der Zukunft präpariren soll.

Und hier haben wir den Demokraten zugerufen: Die Re­volution des Jahres 1848 ist geschloffen, auS diesem Boden ist keine Erndte mehr zu hoffen, der gewaltige Strom der Märztage ist über den Winter zum Bach geworden.

Aber eS wird über kurz eine neue Revolution geben, das Kind, was geboren ist, schüttelt bereits seine Locken, daS Gebäude, waS unsere Gegner gebaut haben, ist morsch, über ihrem Jubel wird die Kuppel zusammenstürzen. So gewiß jene andere, uns fremde Revolution geschlossen ist, so gewiß hören wir schon das Brausen und Toben der neuen, so gewiß krachen schon die Thore, so gewiß blitzen schon wie Wetter­leuchten die Schwerter, welche daS neue Gesetz dictiren.

Während die letzten Fackeln, die eueren nächtlichen Kämpfen und Friedensfesten geleuchtet haben, bis tief in den Leuchter abgebrannt sind, ertönt der Hahnenschrei deS neuen Tages, des neuen Lebens, deS neuen Kampfes, unseres Kampfes der Revolution der Zukunft.

Aber ich frage, mit welchem Rechte ihr behauptet, die Revolution deS Jahres 1848 fei geschlossen? Euere Revolu­tion ist geschlossen, freilich! aber das Blut müßte euch bei den Worten inS Gesicht steigen, die Schaam müßte euch zu Boden werfen; euere Revolution ist nicht geschlossen, nein! eure Revolution ist hinterlistig umgangen, eure Armeen sind durch Diplomaten geschlagen, eure Brutalität ist mit Hohn­lachen, mit einem Kunstgriff, mit dem Fächerschlag einer Buhl­dirne vernichtet. Die Monarchie hat euch gestattet, ihr Ge­wand zu fassen, fest, sehr fest, um euch dann in einem weiten Kreise zu schleudern, bis ihr toll, blödsinnig geworden seid, bis ihr einen Accord um jeden Preis geschlossen, euch für athemlvS erklärt habt. Wo habt ihr einen Pfahl in das Fleisch der Monarchie getrieben? Wo habt ihr durch euere Mühe etwas mehr gecrndtct, als ihr schon hattet?

Ihr wolltet dem Obersten der Wucherer, euerm ewigen Eoncurrentcn die Concurrenz ein - für allemal legen, sein wu­cherisches Geschäft ein- für allemal schließen, ihr wolltet ihn so macht - und kraftlos machen, daß er die Hand nicht mehr bis an eure Börsentische auèrecken, den Fuß nicht mehr auf euer Besitzthum stellen könnte, ihr wolltet ihm die Mittel sei­ner Uebermacht, den Boden seines Wuchers entreißen, ihr wolltet seine Waffen für euch, seinen Gewinn für euch, seine Intriguen für euch haben, ihr wolltet euern Besitz mit allen königlichen Attributen umgeben, um ihn eben so ergiebig, eben so wucherisch zu machen, als der Fürst den (einigen gemacht hatte, ihr wolltet die fürstlichen Servituten von euern Gütern haben, ihr wolltet mit einem Worte den Teufel los sein, um besser die Teufel spielen zu können, und waS ist ge­schehen ? Nichts, nichts, die gewaltigen Hazardspieler haben

euch übertölpelt, sie haben euch wie kleine Kinder in die Falle gelockt, sie haben eingesehen, daß eS jetzt gelte, den Absolu­tismus proklamiren, daß eine Freundschaft mit euch nichts Anderes bedeute, als sich dem JudaS Jscharioth überliefern, sie haben euch benutzt, um uns zu schlagen, sie schlagen jetzt euch, um sich ihrer Vampyre zu entledigen.

Versteht ihr das? Wo sind die Früchte eurer Revolution? Mitten in euerm Siegeslauf habt ihr kapituliren müssen, statt der Verfassungen, die ihr den Fürsten oktroyiren wolltet, statt der Vereinbarungen, auf die ihr im Laufe der Zeit reducirt wurdet, zu denen eure gewaltige Revolution sich verstehen mußte, sind euch die Verfassungen oktroyirt, gute, gottselige Verfassungen, deren Resultat ist, daß die Herren von Gottes Gnaden eure Concurrenten bleiben, mehr als das, daß sie morgen euch zum Bankerot zwingen können.

Frankfurt! Das ist die Errungenschaft, auf die ihr noch pocht, die letzte Quelle, von der ihr behauptet, sie fließe noch. Im Ernst? Hättet ihr die Courage, wenn diese Quelle ver­stopft würde, eine neue Revolution zu beginnen, den Levia­than zum andern Mal zu spielen? Es ist eine Unmöglichkeit! EuerHerr und Oberster" nicht ihr hat die Revo­lution geschlossen. Der Schluß der Revolution ist allerorts oktroyirt worden.

In dem großen Geschäft, daS ihr im vorigen Jahr zu ma­chen gedachtet, habt ihr zu gesetzt!

Und die Revolution ist für euch geschlossen? Freilich, sicher! Ihr habt so lange zugesetzt, daß ihr das Zusetzen müde seid. Ihr habt nur den Einen Wunsch: Ruhe! nur daS Eine Gebet, daß euch der Herr Glück und Segen gebe, um den Verlust durch bessere Spekulationen decken zu können.

Spekulirt nur!

H. Heise.

Die Professoren.

Wenn einer bei gutem Humor oder in Gesellschaft eines guten Freundes Nachts in einen Sumpf oder in ein meilen- langes Netz geräth, so kann das den beiden Leuten recht viel Plaisir verursachen. Wundgefallene Knie oder Zufälle von Erstickungen und dergleichen müssen natürlich stets als gute Witze aufgefaßt werden. Fassen die beiden auf einem einiger­maßen behaglichen Platz, wenn auch auf einiges Risico hin, Posto, so können sie ruhig den nächsten Morgen erwarten, der in unserm Himmelsstrich nicht lange auf sich warten läßt, und derweilen Oetkersche Sonnette recitiren oder einen leitenden Artikel der Hessischen erfinden.

In gleicher Weise fönten sich ein paar gesunde Untertha­nen auch in einem unbekannten Wald amüsiren, etwa in einem nordamerikanischen Urwald, vorausgesetzt, daß sie auf einige Wochen Lebensmittel und einige Garantie gegen Schlangen oder Bären haben.

Ein guter Humor und ein Frühstück helfen über manche Unbequemlichkeiten und Hoffnungslosigkeiten hinaus. Unter diesen Nebenumständen hat sich ThcseuS selbst durch daS Laby­rinth gewickelt.

Das alles ist bekannt. Was aber nicht bekannt ist, ist die Art und Weise, wie sich ein deutscher Professor in den gemüthlichen Jrrgängen der europäischen Diplomaten zurecht finden kann. Was nicht bekannt ist, ist daS Herenkraut, was unsere gelehrten Schulmeister einnehmen, um Angesichts der un­endlichen Schlingen und Netze, die über den gemüthlichen Un­terthanen schweben, den Horaz pauken oder die Ilias inter- prctircn zu können.

Angenommen, sitzt ein gewöhnlicher Unterthan vor sei­nem Wohnhause und raucht beim schönsten Abendroth seine Pfeife. Auf einmal schlägt ihm ein Blitz die Pfeife auö der