liest einige Vorreden zu berühmten Briefwechseln, schreibt dann eine von diesen Vorreden und mehrere von diesen Briefen ab, — — _ Alles zur Ehre GotteS und seiner Kandidatur in Schaumburg!
Hr. Oetker ist von der alten Tarantel gestochen und versucht, wieder zu werden, was er ehedem war, als er die berühmte Reise mit dem „ berühmtn Paß als Handwerksbursche " unternahm.
Irgend ein Gauner, ein beliebiger 'N. N., hat die Redaktion an der Nase herumgeführt, oder die Redaktion hat das Publikum an der Nase herumgeführt, waS noch wahrscheinlicher ist, genug, das Ende dieser Gaunerei ist ein Brief eines Hrn. N. N. an Hrn. Oetker, worin derselbe ein Ochse genannt wird. Welche Ähnlichkeit Hr. Oetker mit diesem klassischen Thiere hat, wollen wir nicht untersuchen, geht unS auch nichts an. Aber ein „ charakteristisches Zeichen für einen Ehrenmann", ein sehr „ charakteristisches Zeichen für die Friedrich Oetker'sche Persönlichkeit", ein sehr schlagender Beweis für seinen ehemaligen Witz und die Wahrheit der berühmten Reise als Handwerksbursche ist jedenfalls die witzige Bemerkung des verehrten Herrn, daß dieser ochsige Brief eines N. N. ein „ demokratischer" sei, ein Brief von der „höchsten Bedeutung", der Brief eines „berühmten Mannes", einer „hervorragenden Persönlichkeit". Wär's nicht fo gar gemein, man wär versucht, es Dingelstedtisch zu nennen.
Die neue Entdeckung des Hrn. Oetker lautet dahin, daß jeder N. N., der Hrn. Oetker einen Ochsen nennt, ein Demokrat ist. Hr. Oetker ist dazu viel zu populär.
Hr. Oetker ist aber Kandidat für die Grafschaft Schaumburg! Amerikaner seind wir!
Als zweiten demokratischen Brief von der „höchsten Bedeutung", der für die „Charakteristik berühmter Männer" und „hervorragender Persönlichkeiten" sehr wichtig ist, theilt Hr. Oetker einen Brief eines der Redakteure dieses BlatteS, deö Doktors Kellner, mit.
Der Brief ist an Doktor Hillebold in Rinteln gerichtet, und enthält in 13 Reihen eine ganz kurze Anfrage, ob wohl Hr. Bredemeier in der Grafschaft Schaumburg Chancen als Kandidat habe?
Wenn der Brief eine Charakteristik der Demokraten liefern soll, so liefert wohl folgender Brief eine Charakteristik eines bekannten Konstitutionellen:
„ Schicken Sie mir doch die zurückgelaffenen Gummischuhe. Fr. O."
oder:
„ Haben Sie noch immer den Schnupfen?
Fr. O " oder:
„ Theure , süße! Wenn du nicht ein Ideal, sondern ein wirkliches lebendes Wesen wärest, so würde ich heute mit dir zum Kaffee — Thiel gehn.
Fr. O." oder:
„O! wüßten Sie, wie gut mir heute Mittag Ihr Himbeergelee geschmeckt hat. Fr. O."
Hr. Oetker ist nicht blos Humorist, er ist ein ganz verwetteter Bursche. In einer Note der Hessischen sagt er:
,, Sum asinus tam stultus quam ullus diabolus mundi.“ Habeat sibi!
Aber charakteristisch, weniger für seine literarische Impotenz hinsichtlich der Auswahl „charakteristischer Briefe", als für den „ehrenwerthen Charakter« des Hrn. Oetker, ist das, daß er diesen so ganz gleichgültigen Brief eines Demokraten hinter den Schandbrief setzt, den er einem Demokraten aufbürdet, oder — — Wir wollen schweigen.
Nur noch eins. Wäre der Brief deS Doktor Kellner nicht so ganz gleichgültig, so ein purer, gewöhnlicher Geschäftsbrief,
wie man allenfalls einen Advokaten um baldige Beendigung eines Prozesses bittet, hätte Hr. Oetker das nicht selbst gefühlt, hätte Hr. Oetker nicht selbst eingeschn , daß er diesem Brief nur durch die perfide Zusammenstellung mit dem andern (!! !) eine Bedeutung gab, — — in der That, man müßte über die plötzlich an Hrn. Oetker entdeckten vielen charakteristischen Seiten seiner Persönlichkeit schier irre und verwirrt werden.
Den von Hrn. Hillebold erbetenen nicht „zu großen" Gebrauch des ihm zugegangenen Briefes interpretirt Hr. Oet- ker, das Mitglied deö früheren ästhetischen Vereins, der Dichter und Mann der Damcngeheimniffe dahin: den Brief in der Steubeffische» zu veröffentlichen! Wie nennt man das? Wie erklärt man daS?
Hr. Oetker glaubt, eine Veröffentlichung in der Hessischen sei kein zu großer Gebrauch! Einverstanden.
Schließlich wollen wir mittheilen, daß wir in der löblichen Grafschaft durchaus keine Anknüpfungspunkte haben und deS- halb, lediglich zur Einleitung einer weiteren Agitation, uns an einen beliebigen Mann wandten, der uns — wenigstens dem Namen nach bekannt war. Alleine aber--Doktor Hille- bold oder nicht, Doktor Hillebold ist eigentlich der Hr^ Fr. Oetker und Hr. Fr. Oetker ist der Wahlkandidat in Schaumburg. —
Möge die Hessische Zeitung so fortagitiren!
„Tert wie Musik ward von ihm componirt,
Begleitet von so manchem Weh und Ach!"
Für die Folge wird also mit der Neuhessischen nur noch Spaß getrieben. Amen!
Der Kaiser.
Wenn die Geschichte mit dem Kaiser noch lange dauerte, so würde man kaiserlich, ohne daß man'S wollte. Bekanntlich kann man einen krank schwatzen, vermuthlich auch kaiserlich.
Kriegen wir wohl einen Kaiser, Herr Nachbar? „Vermuthe ! Sollt'S doch meinen, meine Frau hat davon geträumt." „ Kann nach den letzten Nachrichten nicht ausbleiben."
Nach den letzten Nachrichten wird aber der kaiserliche Erbe unserer Volkssouveränetät doch wohl ausbleiben. Wie wir den deutschen Professoren immer gesagt haben, kommen nämlich die Regenwürmer erst, wenn'S aufgehört hat, zu regnen. Nach abgewiegelter Volkssouveränetät kommen jene Würmer, die sich durch die besten Säfte des Volks hindurchwinden, die es immerdar krank, traurig, elend gemacht haben, nachdem die Volkssouveränetät so weit verrathen ist, daß man einen Kaiser machen muß, daß er „die rettende That" ist, — kommen die Fürsten wieder herbeigekrochen und freuen sich deö heitern Himmels ihrer Macht von GotteS Gnaden, der frischen Luft, die um ihre bestaubten Kronen weht, der goldenen Sonne, die auf ihren Purpur scheint. Sie setzen sich breit auf ihren Stühlen zurecht und--— „ Beginnet das Schauspiel! Es ist das Stück, wo ein Volk bübisch verrathen ist, wo ihm Gift in die Ohren geträufelt worden."
Wir haben stets gesagt, daß Preußen so wenig die Krone Deutschlands nehmen kann, als Oesterreich, daß aber Preußens volksfeindliche Politik auS leicht begreiflichen Gründen ein viel feineres, verschmitzteres Spiel zu spielen hatte, daß die Karten viel geheimer gemischt werden mußten, daß daS Spiel mit viel Coquetterie und Affection, mit viel Verschlagenheit, viel erheucheltem Deutschthum rc. zu spielen war. Während Oesterreich schon seinen Radetzky hatte, hatte Preußen noch bloße Diplomaten, während Oesterreich einen Iella- chich und Windischgrätz benutzte, benutzte die Krone Hohen- zollern noch immer den Jesuiiismus , die Intrigue, das^Geld.
Wir waren es, die zuerst auf den Hrn. von Wrangel wiesen und euch zuriefen: Das ist der preußische Anfang (Beilage)