„ Lambro, der Seeanwalt, der mehr den Brauch Des Wassers kannte, wie den Brauch zu Land, Stets freudig über seines Schornsteins Rauch, Jedoch nicht Metaphysiker — — "
Dagegen ist Hr. Oetker, wie gesagt, ein putziger Kopf, ein ewig druksender Witz, dagegen hat Hr. Oetker in der Hessischen daS Geschäft der ordinären Wahlmanövres übernommen , dagegen pudelt sich der drollige Mann im Staube seiner Morgenausgabe, und schreibt „demokratische Briefe", dagegen drückt er im Spaß seine „tiefste Verachtung" gegen eine gewisse „Sorte Demokraten" aus.
Wir sagen: im Spaß. Daß Hr. Oetker Ernst macht, fällt Niemanden ein zu glauben. Hr. Oetker ist nicht dumm, er ist nur Adrocat, er ist kein Reaktionär, er ist nur der Freund des Hofraths Dingelstedt, er ist nicht perfid, er ist nur humoristisch, er ist nicht indiscret, er ist nur ein Natur- dichter, er ist kein Falschmünzer, er ist nur Hr. Fr. Oetker I.
Hr. Oetker ist vor allen Dingen Wahlkandidat in der Grasschaft Schaumburg und Mitglied des Bürgervereins wie des Lesevereins zu Kassel. „Wer ihn nicht kennte!"
Hr. Oetker hegt die tiefste Verachtung gegen die Kasseler Demokraten, nicht etwa, weil sie gegen den deutschen Kaiser stimmen, weil sie erklärt haben, nun und nimmermehr mit dem Kasseler Bürgerverein gehen zu wollen, Hr. Oetker verachtet die Kasseler Demokraten nicht etwa, weil sie zu ehrlich sind, um ihrer Ueberzeugung auch nur ein Haarbreit zu vergeben, zu ehrlich, zu klug, zu demokratisch, um sich von ihren Gegnern erploidircn zu lassen — behüte der Himmel, Hr. Oetker ist Wahlkandidat für die Grafschaft Schaumburg und Mitglied des Bürgervereins.
Hr. Oetker weiß sehr wohl, daß mit seinem Vereine kein Bund zu schließen, daß sein Kaiser ein- für allemal verloren ist. Hr. Oetker weiß sehr wohl, daß ein gemeinsames Adressiren und Petitioniren des gesummten deutschen Volks — noch lange kein gemeinsames Handeln, daß eS vielmehr eine bloße thatlose, unkräftige, und eben deswegen den Fürsten nicht imponirende Lüge ist, Hr. Oetker weiß, daß seine eigene Partei im entscheidenden Momente aus Angst vor ihren Mitkämpfern das Schwert in die Scheide stecken würde, daß der Bruch zwischen Demokratie und Monarchie so tief gerissen ist, um jedem gemeinsamen Schritte die „ Blässe" deS Mißtrauens anzukränkeln.
WaS wäre die Folge der Eintracht unserer Parteien in Deutschland gewesen? Daß ihr mit unS zur Republik, oder wir mit euch zur Konstitution getrieben wären. Wir aber wollen von euch nicht die Republik escamotiren lassen, und haben eben so wenig Lust, offenen KonstitutionaliSmuS zu predigen. Wir wollen die Verwirrung der Massen nicht noch ärger machen.
WaS würden die Fürsten dieser Einigkeit gegenüber für eine Rolle gespielt haben? Würde der König von Preußen deshalb die Krone annehmen, weil ihm Wasser und Feuer ge- me.nsam eine Schlacht anbieten? Ihr seid bloegunig. In lcsem Falle wäre passiver oder aktiver Widerstand der Fürsten dasselbe gewesen! Der König von Preußen hätte nur zu er- aren brauchen: Er danke für die Krone, er werde konstitu- agieren , im Uebrigen gehe ihm daS Reich nichts an. ^et”e Grundrechte wolle er aber einstweilen acceptiren. Was nun. Sein einfacher, von euch morgen schon als ein ganz gesetzmäßiges verhalten verschriene passiver Widerstand würde euch gezwungen haben, activ zu sein, Revolution zn machen, oder Evnticrevolutio«, daâ Directorium einzusetzen, oder die Republik zu proklamircn. Für den einen Fall wären wir zu euch, für den andern wäret ihr zu uns getrieben.
Die Proklamation der Republik haltet ihr ja aber für unmöglich, ihr müßt sie für unmöglich halten. Unsere Vereini- gung würde also nur zur Folge gehabt haben, daß ihr in der
Revolution uns verlassen, vielleicht, sicher sogar uns verrathen hättet, während wir für den andern Fall uns mit euch bla- mirt hätten. Dafür danken wir.
Oder glaubt ihr, die moralische Macht, welche die Vereinigung der Republikaner und der Konstitutionellen bietet, sei wirklich so groß, daß sie dennoch den Fürsten imponiren könnte? Wie? Ihr solltet das glauben? Ihr, die ihr unS Buben, Jungen, siebenfache Hochverräther gescholten, gegen die ihr in Wien, Berlin, aller Orten die Kanonen erbettelt habt, die ihr den Fürsten deuunciirt, die ihr in die Staats- gefängniffe geworfen habt! Wie? Habt ihr nicht ein bischen Menschenkenntniß? Glaubt ihr, die Fürsten seien eben so schlechte Psychologen, als ihr? Glaubt ihr, sie würden an den Bund der Verräther und der Verrathenen glauben?
Wären jene Verräthereien, jene Denunciationen, jene Schmähungen nicht bis auf jene bodenlose Höhe gestiegen, man hätte den hohen Herren durch eine Vorspiegelung von Eintracht Sand in die Augen streuen, man hätte ihnen vorschwatzen können: Vergangenes sei vergessen.
Der Verrath vergißt sich aber nicht. Die Leichen, die Kroaten in Wien, Robert Blum vergißt sich nicht.
Begreift ihr nun, warum euere Schmähungen, euere Denunciationen für uns hier in Kassel ein Moment abgeben, warum wir keinen gemeinschaftlichen Schritt mit euch thun wollten? Es war nicht gekränkte Eitelkeit — daS wäre lächerlich und wahnsinnig! — es war die eben dadurch gebotene Unmöglichkeit, die Fürsten zu blenden, den Herrschaften zu imponiren.
Für die deutsche Reichsverfaffung hätten wir aber dennoch nicht gestimmt, wir hätten dennoch erklärt, daß wir — freilich eure Erhebung für dieselbe nicht kreuzen, daß wir aber auch nicht m i t euch sein würden. Wie die Sachen aber jetzt stehen, seid ihr in derselben Lage, wie wir, und im beginnenden Kampfe werden wir unsere Fahnen tragen, wie ihr die euern tragen werdet.
Noch eins! Ihr hättet glauben können, der König von Preußen würde durch seine Kammern gezwungen werden können, die Krone anzunehmen! Seine Kammern? Eben diese Kammern, deren Werth Ihr moralisch gebrochen, deren Auto- torität Ihr im Volke vernichtet habt? Seine Kammern? Wer hat denn gejubelt, als man die Demokraten, die jetzt drüben tagen, auseinandertrieb, sie mit Schergen verfolgte, sie in die Kerker warf? Seine Kammern? Der König von Preußen weiß, daß Ihr cs für Recht hieltet, die konstitui- rende Versammlung auseinander zu jagen, daß Ihr es also für Recht halten müßt, diese Kammern aufzulösen! Und dann? Die Zeit drängt! Wollt Ihr also gegen ein konstitutionelles Recht Revolte machen?
Nein! Ihr wollt keine Revolte machen, Ihr wißt, daß wir mit unsererer Erklärung, den Bürgerverein ein- für allemal von uns zu weisen, eine Pflicht der Ehrlichkeit erfüllt haben; Ihr wißt das um so besser, als Tag für Tag Mit- ßUeccr aus oem^cibeu scheiden, Ihr hast unS nur verleumden wollen, um — WahlmanövreS zu machen. Elende, ehrlose Art, schimpfliches, nichtswürdiges Verfahren!
Ihr habt viel von Amerika gehört. Auch in Amerika ist bei den Wahlmanövern jedes Mittel recht. Aber es liegt Humor in dieser Gemeinheit, Witz in dieser Verleumdung, diese Erbärmlichkeit wird dadurch paralysirt, daß Amerika eine Republik ist, daß sie Menschen bildet, daß drüben ein Wort eben nur ein Wort, aber keine That ist. Wollt ihr Amerikaner sein, so seid eS auch ganz. That’s enough!
Eine ganz andere Rolle als in der Morgenausgabe der Neuhessischen vom Montag spielt Hr. Oetker in der Morgenausgabe vom Dienstag.
Hr. Oetker veröffentlicht hier „demokratische Briefe". Er reitet noch halb im Schlaftrünke in seinem Papierkorbe herum,