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Die

Hornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Tiner freien Keele!"

ML 47.

Kassel, Donnerstag, den 19. April.

1849.

Die rothe Republik

(Schluß.)

Der demokratische Verein weiß, daß die bloße Forderung der republikanischen StaatSverfassung zwar an sich schon eine vollkommen gerechte ist, daß sie Jeder aufstellen wird und muß, der nur eine Ahnung von der, dem Menschen innewoh­nenden Göttlichkeit, nur den geringsten Begriff von der Würde, dem sittlichen Beruf des Menschen hat, der demokratische Ver- ein weiß, daß die Beseitigung aller, dem allgemeinen Rechte der Selbstbestimmung des Volks widerstrebenden dynastischen, feudalen Privatrechte eine Nothwendigkeit, eine unabweisbare, eine historische, logische und sociale Unumgänglichkeit ist, der Verein weiß, daß die Fürsten, der Adel und Alles, was an Fürst und Adel erinnert, über kurz ohne ein Weiteres zer­malmt, bis auf den letzten Nest aus dem Staatsleben ausge­rottet wird; der demokratische Verein weiß ferner, daß die bloße Forderung der demokratischen Republik an sich schon eine ebenfalls nothwendige ist, eine Forderung, die Je­der aufstellen wird und muß, der mit der Beseitigung der mittelalterlichen Vorrechte auch die moderne Anmaßung, die moderne Fortsetzung, das moderne Surrogat jener Vorrechte beseitigen will, jenen Dünkel, jene wahnsinnige Verachtung des Menschen durch den Menschen, jene unsinnige Theorie, wonach ein Theil der Menschen zum Herrschen, der andere zum Arbeiten und Gehorchen geboren ist, jene diplomatische, jesuitische Lehre, wornach daö Regieren noch immer die alte metternichsche Kunst wäre, die eine Schichte der Gesellschaft durch die andere zu unterdrücken, den Eigennutz durch den Eigennutz, die Gewalt durch die Furcht, die Rache durch die Gewalt im Zaum zu halten, wornach das Regieren die Kunst war, nicht das europäische, sondern daö sociale Gleichgewicht scheine Intriguen , elenden Betrug, auf Kosten der Ge- Menschlichkeit, auf Kosten der Religion sogar ausrecy zu erhalten, die Kunst deö BalancirenS, des Zusprin- geiiv, er guten Worte und der Kartätschen, der demokratische

' daß die Forderung der demokratischen Republik Rückforderung des Rechtes auf Selbstbestimmung für Alle, bie Rückforderung der Souveränetät Aller ,st, daß damit die ganze moderne Staatökunst verworfen, alle Diplomatie $° gewiesen, d,e Regierung nicht über, sondern unter das ^olt, unter das ganze, gesammte Volk gestellt ist; aber

~ her bemofrahf^e Verein weiß auch, daß mit dieser Forderung die Resolution proclamirt ist, daß diese Forderung den Blitz und den Donner in den alten Dunst der Gesellschaft wrrft, daß damit auch die sociale Lüge in der Praxis ge­

stürzt, ^die sociale Diplomatie an den Körpern vernichtet, daS sociale Schaukelsystem an der Materie gebrochen wird. Der demokratische Verein weiß, daß die Forderung der demo­kratischen Republik nur eine handgreifliche, praktische Formu- lirung deS Losungswortes ist, das von Tausend und Millionen im Herzen getragen wird, für das aber diese Millionen im­merdar den berühmten Punkt des Archimedes nicht finden konnten, des Losungswortes: sociale Reform.

Der demokratische Verein erklärt sich für die rothe Rer publik, weil er nicht so wahnsinnig, so gutgläubig ist, um an einen ftiedlichen Uebergang der Monarchie in die Republik zu glauben.

Der demokratische Verein hat jenes berüchtigte Beiwort ferner aus dem Grunde beibehalten , weil er in der Republik in so lange kein Heil sieht, als dieselbe nur eine andere Form der alten Kunst, der alten Politik, des alten Schaukelsystems, der alten Bevormundung ist, als sie nicht die demokrati­sche Republik ist.

Der demokratische Verein hat jenes Beiwort fernerhin gut­geheißen, weil er so wenig die zweite als die erste Lüge ha­ben, weil er seinen Mitgliedern nicht weißmachen will, die demokratische Republik bedeute etwas ohne die sociale Re­form. Der demokratische Verein will sich ein - für allemal von jenen Lügnern und Diplomaten fern halten, die nicht be­griffen haben, daß die Demokratie der gerade Gegensatz der alten Politik, der alten Finessen ist, daß sie keinen andern Boden hat, als die Offenheit.

Er hat endlich und schließlich jenes Beiwort angenommen, weil er wiederum nicht so wahnsinnig oder so gutgläubig ist, anzunehmen, die sociale Reform werde sich durch eine Prokla­mation, durch einen Ministerialbeschluß, durch die Polizei er­ledigen lassen.

Lassen wir uns einer Wahrheit klar und unerschrocken ins Auge blicken, einer Wahrheit, welche tausend und abertausend Mißverständnisse beseitigen kann, der Wahrheit nemlich, daß unsere ganze jetzige gesellschaftliche Ordnung nichts an­deres ist, als der Ausfluß der dynastischen StaatS-Ord- nung des Mittelalters, daß hier Gesellschaft und Staat keinen Unterschied bilden, daß der Fürst eben nichts anderes war, als ein jeder Besitzer, nicht anders regierte, als ein solcher, daß unser modernes Proletariat, unsere moderne Scla- verei in ihrem Kampfe gegen das Kapital gegen ganz dieselben Elemente, dieselben Vorrechte, dieselben Anmaßungen auftritt, gegen welche unsere Liberalen, unsere Männer von Ehedem in ihrer gutmüthigen Dummheit die rothe Revolution proclamirt haben.