Einzelbild herunterladen
 

Dieses Blatt wird Diensttags, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 Hlr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En­tengasse Nr. 132. Der Abonne- mentèprcis istvierteljährl. I8Sgr.

Zweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Art werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit I Sgr., bei wiederholter Ein­rückung m. 8 Hlr. berechnet; diesel­ben sind in der Erpedition abzuge­ben, woselbst auch abonnirt wird.

M o r n i s s e.

Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Seele!"

W= 46* Kassel, Dienstag, den 17. April. 1849.

Die rothe Republik.

Sobald der Philister das Wort hört, überfällt ihn ein siebenfacher staatsbürgerlicher Schauer von Schreck und Entrü­stung, von Abscheu und Entsetzen. Rothe Republik! AuS seiner Schulzeit erinnert sich der behagliche Spießbürger, der Mann der Millionen und dergesicherten Existenz", der Mann, der in seinem Leben kein anderes Blut gesehen hat, als das der gepeitschten Knechte, der geschlagenen Handlungsdiener, der geschundenen Vagabunden, des gemarterten, in den Ge­fängnissen bis zur Verzweiflung gefolterten Gesindels, der nie einen anderen Traum gehabt hat, als den von seinem unfehl­baren Beruf, die Armuth mit Fußtritten zu behandeln, dieser Mann erinnert sich plötzlich an die Tage der Jacobiner, der Sansculotten, an die Zeit eines Danton, eines Marat, eines Robespierre, an die furchtbare Zeit der DeSmoulins, der Rache; eS rast ihm durch den Kopf wie: Convent, Anarchie, Terrorismus; eS erscheinen ihm im Geiste die Plätze der wan­delnden Guillotine, die Septembrisirungen, die Noiaden, er sieht Blut, Blut, nichts als Blut, nichts als zerrüttete Pro­vinzen, verwüstete Städte, geplündcte Waarenlager, er sieht zerrissene Handelsbücher, cassirte Rechnungen, mit Blut be­fleckte Conto courantS, Zinscoupons, er sieht im fieberhaften Traume sich mitten in einem verstörten Lebensglücke, sich selbst betteln, flüchtig, rathlos, sich selbst dem scheußlichen Elend der Elenden verfallen. Unglücklicher Mann! Unglückliche Kasselaner!

DaS Ministerium der Ruhe und Ordnung, daS Ministe- rium des Fortschrittes, der niemaligen Reaktion, hat das Ver­dienst, seinen Mitbürgern die Binde von den Augen gerissen zu haben, es darf sich rühmen, zuerst in Kurheffen die Schreck­gestalten gesehen, den edlen Bassermann gespielt zu haben. In seiner märzerrungenen Fürsorglichkeit und kurfürstlichen Fortschrittsbegeisterung hat es mit Laternen gesucht, und siehe sn! Teufel gefunden. ES ist bis in die Tiefen der Tie- fen gedrungen, und hat dort einen unzweideutigen Keim eines dtmnächstigen RevolutionstribunalS, es hat den HomunculnS des Convents entdeckt. Wie lange wird eS auf seinen Mathy warten lassen?

Die rothen Fahnen sind daS Banner der rothen Repu­blik." -La das ,, weltkundig" ist, so helfen keine Be­weise deS Gegentheils, man muß es zugestehen. Der demo­kratische Verein zu Kassel ist also ein Anhänger der ro- then Republik. Bon!

Der demokratische Verein hat gleich im Anfänge den Un­verstand der gebenedeiten konstitutionellen Monarchie behauptet,

alle Vermittelung zwischen der alten und neuen Zeit, alle Ventilationen mit den gekrönten Herren und ihrem Gelichter von sich gewiesen, er hat in diesen Ventilationen Verrath, Reaktion, Verleugnung der Märzrevolution gesehen, er hat darin die elendeste Perfidie der durch die Revolution auS ihren Kerkern und Verbannungsorten, auS dem Dunkel ihrer Pas- sionSzeit herausgeworfenen Liberalen erblickt. Die demokratische Monarchie hat er für eine Lüge erklärt, ausdrücklich erfanden und gutgeheißen, um den Rausch der erwachten Nation all­mählich abzukühlen, um ruhig und sicher die Stricke für daS armselige Volk drehen zu können. Der demokratische Verein hat von Anfang an sich für die demokratisch-sociale Republik erkärt, für die Staatsform ohne dynastische Widerhaken, ohne mittelalterliche Wallgräben, für einen Staat der Gleichberech­tigung Aller, nicht auf dem Papiere, sondern in der That, für die Republik, welche nur dann nicht an sich selbst zu ver­zweifeln braucht, wenn sie die schreienden Gegensätze der Ar­muth und des Reichthums in genügender Weise gelöst hat. Der demokratische Verein hat in seinem Programme verheißen, diesen seinen Grundsätzen durch Wort und Schrift Eingang bei der Masse des Volkes zu verschaffen, unermüdlich Propa­ganda zu machen, unermüdlich die Monarchie als eine trost­lose Verleugnung der Menschenwürde, alö unwürdig zu schil­dern, unermüdlich die wahnsinnige Herrschaft des Kapitals, den wahnsinnigen Schwindel des Wuchers und der gegensei­tigen Uebertölpelung als die Quelle aller bürgerlichen Laster, aller socialen Abscheulichkeiten anzugreifen.

Der demokratische Verein hat nicht einen Augenblick in dem Wahne gelebt, die demokratische Monarchie könne in ir­gend einer Weise den allmählichen Uebergang, den ruhigen Uebergang zur demokratischen Republik bilden. Die Gegen- Partei, die Liberalen, die Revolutionäre von ehedem haben freilich nach dieser Richtung hin Phrasen genug, Versprechun­gen in Masse gemacht, selbst die hohen Herren haben erklärt, daß sie die Schleußen für jede, jede StaatSenwickelung der Demokratie zu öffnen gesonnen seien. Der demokratische Ver­ein hat diese Phrasen als eine gottwohlgefällige, gemüthliche Selbsttäuschung, oder als einen absichtlichen VolkSbetrug be­trachtet.

Der demokratische Verein weiß und hat eS immer gewußt, daß Niemand, also auch die Feudalherren, die Monarchen nicht auf ihr Gewaltsrecht verzichten, so lange noch eine Lanze, ein einziges Bajonet ihnen zu Gebote steht, daß sie nicht gehen, sondern fliehen, daß sie nicht bittweise entfernt, sondern verjagt werden. Der Verein weiß, daß der lleber- gang von der Monarchie zur Republik eine mehr oder weni­ger umfassende Revolution erfordert, so gut, als unsere