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Durch Euch wurde mit vier Stimmen Mehrheit der Ent­schluß gefaßt, das Schicksal des zerrissenen Deutschlands in die Hand eines Fürsten zu legen; durch Euch wurde eine Kai­serwürde geschaffen, die daS Volk nun und nimmermehr will, und einem Manne angeboten, dessen dienstfertige Bajonette der einzige Ruhm seiner unpopulären Negierung sind. Dieser Mann hat die Abgesandten aus Eurer Mitte verhöhnt, Eurer Verfassung gespottet, und selbst die Krone, die ihm eine ver­blendete Parthei zugedacht, um damit nach seiner „deutschen Gesinnung" zu angeln, auch diese Krone hat er weggeworfen.

Empört über die Vorschläge einer immer kecker werdenden Reaktion, hinter der wir die „heilige Allianz" erblicken, und in der Gewißheit, daß ein neuer Fürstenkongreß den Rest unserer Freiheit vernichten wird, fordern wir von Euch, daß Ihr mit Widerruf des, unter den fremdartig­sten Einflüssen gefaßten Oberhauptsbeschlusses, die übrige Verfassung durch die Männer schützen laßt, die vor einem Jahre für Deutschlands freie Zukunft gekämpft haben, und sich auch jetzt auf den ersten Wink erheben werden. Wir fordern von Euch, daß mit jenem arroganten Kabinet (nur dieses, nicht das Volk ist uns verhaßt) jede Unter­handlung abgebrochen und nicht durch längeres Diplomatisiren die Ehre des Volkes vergeudet werde. — Gebt der Nation daS natürliche Recht, auS ihrer Mitte ein verantwort­liches Oberhaupt zu wählen, und sie wird noch einmal Ver­trauen zu Euch fassen, das, leider nicht ohne Grund, zu wan­ken begann.

Laßt von den in der Verfassung garantirten Volksrechten, die überdieß kümmerlich genug beschaffen, kein Titelchen ver- letzen oder streichen, und weiset mit Entschlossenheit die Zn- muthung eines Fürsten-DirektoriumS ab. Um diesen Preis will das Volk weder mit Oesterreich wegen seiner Pro­vinzen, noch mit Preußen wegen seines gepriesenen Königö- schwerteö unterhandeln.

Rettet die bedrohte Würde, die Ehre und Freiheit unseres Vaterlandes! Scheut Euch nicht, während die Fürsten sich verschwören, vor dem Boden der Revolution. Sie hat Euch geboren, sie wird Euch schützen, und alle Machthaber der Welt werden endlich doch von ihr bezwungen werden. Sollten aber die volksfeindlichen Fraktionen auch jetzt ihren Standpunkt nicht verlassen, dann, Ihr Männer der Linken, und wäre Eure Zahl noch so klein, ist es Zeit zu handeln.

Hanau, den 9. April 1849.

Der Ausschuß deö demokratischen Vereins, N a m e u ö seiner Mitglieder.

Die Parteien in Kassel.

(Fortsetzung )

Die Presse in Kassel ist überhaupt lokaler Natur; an einem Orte ohne Verbindung, ohne lebhafte Frequenz kann es nicht anders sein. Die Neuhessische Zeitung wird hauptsächlich da­durch so lächerlich, daß sie sich durchaus ein großstädtisches Air zu geben bemüht ist, ein Air, das jedesmal zur Grimasse wird, hinter deren Verzerrungen man nur zu deutlich die ur­sprüngliche Armuth gewahrt, und den Bcttclstolz eines armen GroßthuerS.

Die Kasselsche Allgemeine Zeitung ist in dieser Beziehung anspruchsloser, aufrichtiger und gediegener. Sie ist durch lange Erfahrung von allen Träumen einer selbstständigen Groß­städterei geheilt; sie beschränkt sich auf eine gewissenhafte Zu­sammenstellung der faktischen Zustände.

Ihre gränzenlose Dürre, ihre Prinziplvsigkcit, ihr Mangel an leitenden Gedanken läßt immer noch besser, als der grüne

Hochmuth, die armselige Erhabenheit, die Strohrenommisterei der Junghessischen Kokette. Die Wahrheitsliebe der ersteren ist jedenfalls in allen Berichten über innere und äußere Ver­hältnisse hundertmal erprobter, als die der falschen Oetkcrine. In allen Landtagöberichten ist das zu finden, in allen Nach­richten über Ungarns und Italiens österreichische Henkersknechte, wo die Hessische bei jeder Gelegenheit ohne Weiteres ein lautes Siegesgeheul für Se. blutige Durchlaucht Windisch- grätz oder für Se. mörderische Exzellenz Radetzky anzustimmen kein Bedenken trägt, während die Kasselsche Allgemeine, vor­sichtig die Nachrichten sondernd, ängstlich fast sine ira et Studio die Fakta berichtet.

Freilich amüsanter ist die Neuhessische Laterne des Kassel- schen Diogenes-Zwillingspaares Pfaff und Oetker, spas­siger in ihrer hölzernen Grandezza, als die spießbürgerlich serieuse Kasselsche. Aber man kann doch nicht immer über die kläglichen Bockssprünge deS ZwillingögestirnS lachen. Alles hat seine Zeit, sagt Salomo.

Weniger eingreifend, weil weniger gelesen, war die Freie Presse von Hahndorf. Hahndorf steht mit ehrlicher ent­schiedener Ueberzeugung auf dem Boden des s. g. demokratischen Konstitutionalismus. Seine Biederkeit, seine Uneigennützigkeit, seine Ehrlichkeit stempeln ihn zu einem höchst ehrenwerthen Charakter. Nur seiner Ehrlichkeit, seiner Gutherzigkeit ist eS zuzuschieiben, daß er überhaupt in seiner perst Den Gesellschaft, in seinem Bürgerverein auöhält. Hundertmal mißbraucht, hundertmal getäuscht, glaubt er dennoch von Neuem an die Besserung seiner liebenSwiudigen Freunde und Kollegen und läßt sich abermals täuschen.

Eingebildete Demokraten könnten von ihm sagen, waS die eiteln Bürgerstöchter im „Faust" hinter den Studenten her­rufen, die den Dienstmädchen nachlaufen:

Da sieh' mir nur den wackern Knaben,

ES ist wahrhaftig eine Schmach,

Gesellschaft könnte er die allerbeste haben,

Nun lauft er diesen Menschen nach!

Diesen Demokraten ist zu antworten, daß geheime Räthe, Räthe, Tonnengoldesbesitzer, Höchstbesteuerte, Herrn von, Reichsseilermeistcr und Kalifornien keine Menschen sind — sondern Engel, von Rechtswegen kraft des neuen Wahlge­setzes, und kraft Entwurf des neuen Jagdgesetzes — Engel der Erde, vereinigt durch den heiligen Bund der schwarz­weißen Cäsaromanie in ewiger Liebe und Brüderlichkeit.

In diesen Kreis der Oetkers, Sybelö, MeierS plumpte plötzlich an einem stürmischen Tage ein wildfremdes Element hinein, in dieses große Sonnensystem brach plötzlich ein irrender Schwanzstern, brach der bis dahin selbstständige, allein Partei bildende Reichötagsdeputirte Henkel.

Henkel war bis früher der auSerwählte Mann deS Volkes gewesen, daS Gefäß des Herrn, der Mann des Volkes â tout prix. — Der Mann des Volkes hatte aber über seine 1000 Gesetzentwürfe, über seine wasscrbestiefelte Kurhessische Volkszeitung lange Zeit sich nichts um dieses Volk bekümmert. Dies Volk schlief nicht inzwischen , wie Henkel erwartete, sondern wuchs lustig aus den politischen März-Knabenschuhen heraus, ohne von den Henselschen Wasserstiefeln absonderliche» Gebrauch zu machen. Plötzlich entdeckte Henkel, der Volks­mann, diese Unart, diese Rücksichtslosigkeit seines alten, sonst so kindischen und kindlichen Kunden.

Zu seinem größten Erstaunen fand er, daß Kinderchen, kleine Knäblein von höchstens 30 Jahren und einigen darüber, Men­schen, von denen er nicht wußte, ob sie Klassensteuer, Grund­steuer oder Gewerbsteuer zahlen, denen er also von Rechts wegen nicht weiter traute, als er sic sehen konnte in Betreff des LangenfingermachenS (einige tragen sogar Bärte und waren noch unverheirathet!), — daß mit einem Worte sogenannte Demokraten ihm daS Volk irre geleitet hatten.

(Fortsetzung in der &CUCIQ?.)