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den ben alten hohlen Zähnen der Kammer noch fort und fort harte reaktionäre Nüsse von der Negierung zum willigen Auf- knacken verabreicht. Noch immer liegt der elende Entwurf eines neuen Jagdgesetzes vor dem Ausschusse, um von den 24 Kammerjunkern der Kammer Sr. Königl. Hoheit unserm aller theuersten Kurfürsten oktroyirt zu werden als Gegengeschenk gegen das Wahlgesetz, und als lumpige Mitgift zur lumpigen Civilliste.
Inzwischen geberdet sich die korrumpirte und korrumpirende Kammer fortwährend als der Ausdruck Kurhessens. Ein höchst stumpfsinniger Ausdruck! Wer nach diesen Physiognomien Hessen beurtheilt, wird wähnen, das Land stecke voll Raubritter, Jagdjäger, voll thörichter Menschen, die daS Geld zum Fenster hinauswerfen, voll blöder Schäfer und allergehorsamster Kaz- zenbuckel.
Die Sitzung begann mit einer Eröffnung des Ministers des Auswärtigen, der eine Depesche von Frankfurt mittheilt, wonach die Nationalversammlung mit etwa 100 Stimmen Majorität dic Unabänderlichkeit der Reichsverfassung erklärt und einen Ausschuß von 30 Mitgliedern zur Begutachtung weiterer Maßregeln ernannt hat. Der Minister spricht die Uebereinstimmung der Regierung mit diesen Schritten aus.
Sofort erhebt sich der Pastor Meier in seiner ganzen strahlenden Größe, mit der salbungsvollsten Salbe seiner theologischen Salbenbüchse, und stellt den donnernden Antrag: nach Frankfurt und an alle Ständekammern Deputationen zu schicken. Die ganze Kammer soll „Deputation reifen". (Wenn sie nicht wiederkommen will, soll eS erlaubt sein! Pastor Meier soll zum widerspenstigen Kaiser selber und ihm die Pistolen auf die Brust setzen.) Will außerdem protestiren gegen jede Verfassungsveränderung.
Anträge von Oetker und Bayrhoffer wollen dasselbe, nur daß Bayrhoffer einen jeden Eingriff in die Verfassung als Verrath bezeichnet wissen will.
Der Präsident hat inzwischen einen Stoß Bürgervereinpapier entfaltet und erquickt die Versammlung mit dreiviertel- stündigcr Vorlesung der opera posthuma des Bürgervereins (er soll gestern verschieden sein!). Diese Lektüre Adam Pfaffscher Heuler-Seilerei versetzt ihn in solch' nationale Extase, daß er förmlich aufwacht; er glaubt, er sitzt unter den seligen Geistern des verstorbenen Bürgervereins.
Eine weitere Debatte wird für unnöthig gehalten, und der Präsident ruft: „ Lassen Sie uns stehn und fallen mit der deutschen Nationalversammlung! "
Was will man machen? Man hat eben nichts Anderes, mit dem man im Augenblicke fallen könnte. Man steht auf für das gemeinsame Fallen mit dem wankenden Parlament in Frankfurt. Denn fallen wird cs, fallen wird es, entweder gestürzt von den gekrönten Raubrittern Deutschlands, von den fürstlichen Verschworenen, oder in seiner eigenen Feigheit und Ohnmacht.
Fallen wird es, so sicher wie es schon mehr als einmal vor feinen gekrönten Feinden verächtliche Fuß fälle gethan hat, wie es schon mehr als einmal gefallen ist, gefallen in der eines machtlosen, verlassenen, schuldbela-
Der jute Pastor Meier gibt darauf der Versammlung sei- neu bauöbacklgeu, gesühlerhebenden Segen über diese liebliche Eintracht. „ Ich ^fn gerührt! Ach, ich bin' so glücklich in erjebenbcn Ihr seid so artig, meine Kindlein in Eyristo. b leibt so! Bleibt so! Ich werde auch nach Oben und Unten wirken, ich, Euer guter geistlicher Vormund, wie ich immer gethan, daß Alles, Alles zum Besten gedeiht. Amen!" Der dicke Herr sieht vor rührender Entzückung die Stände- kammer alö einen Konsirmandenuntcrricht an. Hat gut gefrühstückt vielleicht; innige Sympathie mit dem neuen Kaiser! Er verheißt jubilirend und posaunirend, binnen 10 Minuten die
zwei andern Antragsteller mit sich unter einen Deckel zu bringen, worüber der Präsident ganz glücklich ist, weil ihm bereits Alles durcheinanderpurzelt, und ihn über den Trümmern der Anträge daS muthwillige Gespenst einer dreistündigen Seilerei über Priorität und Posteriorität mit gläsernen Blicken anglotzt.
Nach der Pause wird folgender Antrag zum Beschluß erhoben :
Bei der Staatsregierung wird beantragt, ihren Bevollmächtigten (Herrn Geb. Legationörath von Jordan) zu der Erklärung zu inftruiren:
„ 1) daß Kurhessen an der von der Nationalversamm- „lung auf Grund der Volksfreiheit verkündigten Ver- „fassung Deutschlands als zu Recht bestehend „halte und gegen jeden Eingriff in dieselbe protestire „ als gegen Verrath am deutschen Volke; 2) daß die An- „ nähme der Kaiserkrone an keine Brdingungen geknüpft „werde; 3) Kurhessen erwarte, daß alle deutschen „Staaten sich in gleichem Sinne aussprechen werden." Nach der Abstimmung erhob sich Winkelblech und führte den Herren Sybelanten nachträglich zu Gemüth , daß sie früher Rebellen gewesen gegen dieselbe Nationalversammlung, — aus der sie die Oesterreicher werfen wollten, als deren Beschlüsse damals nicht nach ihrem kurzen Hirn waren — gegen dieselbe Nationalversammlung, der sie jetzt ewigen Bund geschworen — so lange eS dauert.
Und es dauert so lange, bis die Nationalversammlung einen wahrhaft volkstümlichen Schritt thut, etwa gegen die angebetete Kaiserlichkeit, oder gegen alle Fürstlichkeit (wer's glaubt!). Wie lange es dauert, und ob danach die Nationalversammlung noch fortdauert, muß die Dauer der Zeit entscheiden. Die Geschichte dauert mich.
Der Vorort des Kreises Kurheffen a n die demokratischen Vereine Kurhesscno.
Brüder!
Noch einmal richtet Eure Blicke nach Frankfurt! Ein Augenblick ist gekommen, wo noch einmal die Stimme des Volks an die verschlossenen Pforten der Paulökirche donnern — wo noch einmal daS Volk seine ihm geraubten heiligen Rechte zn- rückoerlangen muß. Wenn auch vergebens, schickt den lauten Mahnruf der verrathenen Pflichten an die Vertreter der Nation. Die Stunde der Gefahr ist die Erzeugerin der Entschlossenheit, ist die Mutter kühner Thaten!
Wohlan! Lasset uns in dieser Stunde prüfen, wieviel Männerherzen im Dom des Parlamentes schlagen.
Schließt Euch der nachfolgenden Adresse des demokratische» Vereins zu Hanau an die Nationalversammlung ungesäumt in direkter Zuschrift nach Frankfurt an.
Kassel, am 13. April 1849.
Der Vorort der demokratischen Vereine Kurhessens.
Im Namen des Komite'ö:
G. Kellner, Vorsitzender.
Dedolph, Schriftführer.
An die deutsche Nationalversammlung
Bürger Volksvertreter!
In dem Augenblick, wo die Anmaßung des Gottbegnadeten Hohenzollern das Aeußerste gewagt, um die Würde und daS Ehrgefühl einer freien Nation herauszufordern, drängt eS unS, noch einen letzten Ruf an Euch zu richten, dieser Herausforderung als Männer zu begegnen. —