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Wirrnisse.

Kaum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Seele!"

M3 44

Kassel, Donnerstag, den 12. April.

1849

Kassel, II. April.

Was ist zu thun?

(Siehe die Neuhessische Zeitung Nr. 145, Abend - Ausgabe.)

Ihr Götter, was ist zu thun? Was ist zu thun? Laßt uns aus Lethe's dunkeln Fluthen süße Vergessenheit trinken; reinigt mit 1000 Centnern Nießwurz unser armes zermartertes Gehirn. Und dann, ihr Himmlischen, laßt uns bei deutschem nationalem Eichelkaffee weissagend entscheiden mit der Stimme der Walkyren:

was nun zu thun ist"

So fragt sich verzweiflungsvoll und tröstet sich jammernd die Neuhessische, das heulermaulige Organ des papierreichen Bürgervereins, des adressenbeglückten und beglückenden Vor­orts des nationalen SchreibvereinS; so winseln für sich hin alle jene bleichen, abzehrenden Gestalten, die nach tausendfach vergebenen Hoffnungen, nach hundertfach getäuschten Erwar­tungen von ihrem spießbürgerlichen Embonpoint zu modernen schlotternden Lemuren, zu wankenden Gespenstern, zu politi­schen Schattenwesen umgewandelt sind.

Was ist zu thun? Waö ist zu thun? -r- Es ist Alles, wie es schon einmal war, nur schimpflicher!"

Schimpflicher? Beim Gotte der Rache, ja wohl schimpf­licher! Und wer hat diesen Schimpf, diese Schande des Va­terlands heraufbeschworen aus dem dunkeln Abgrund der alten Hölle, wer hat diese dunkelrothen Blitze herabgelockt aus dem schwarz zusammengeballten Gewölke fürstlicher Wuth und Ver­nichtungsgelüste? Die Metterniche, TalleyrandS und Gentze damals, oder jetzt ihre lumpigen Adepten, die Kanitze, Jtzen- Plitze, ArnimS und BothmerS?

Es ist national, es gehört der ganze Unsinn eines privile- girten NationalvereinlerS dazu, so etwas zu behaupten und zu schreiben. Nur ein Idiot, oder ein Diplomat ist dessen fähig, der heute den König von Preußen verflucht und verhöhnt als elenden Komödianten" undverfluchten Mörder", und morgen schon eine winselnde Adresse an diesenelenden Komödianten" erläßt, doch allergnädigst die Rolle eines deut­schen Kaisers übernehmen zu wollen, und der sich in dieser Adresse so geberdet, als setze er aüergehorsamst und allerun- terthänigst voraus, derelende Komödiant" werde diese Rolle als eine königliche Heldenrolle abspielen und nicht alSver- fluchte Mörderrolle"; und der übermorgen alle Schuld auf die Jtzenplitze wälzt, wenn das Stück nicht ohne Weiteres in Scene gesetzt werden kann, weil die allerdurchlauchtigsten Mitspieler sämmtlich nach der Hauptrolle streben und weil dem allerunterthanigsten Publikum nicht recht zu trauen ist.

Nur ein Idiot oder ein Diplomat kann so seinen Mantel hängen. Wen will man verhandeln, das Volk oder diege­wählten, gefeierten, anerkannten Vertreter der souveränen Nation ? " Nachdem diese gewählten Vertreter längst selber schon das Volk verhandelt haben, braucht man das Volk nicht noch­mals zu verhandeln; jetzt kommt die Reihe an die gewählten Schacherjuden, an die ehemals gefeierten Professoren von Hei­delberg, Göttingen, Bonn und Berlin selber. Wenn wir sie los sind, wird uns wohler sein!

In was greifen die Tyrannen mit kalter Todtenhand? In die Verfassung desstarken, tapferen, klugen und gerechten edlen deutschen Volkes?" In die Nebelträume der alten Pro­fessorenweiber hauchen sie mit leichtem Athem, und die Schat­tengebilde , die aus ihrem gelehrten Herengebräu emporgestiegen, wehen dahin in alle Lüfte. Daö starke Volk ist geknebelt, das tapfere Volk ist ohne Waffen, das kluge Volk hat über den Unsinn der Gelehrten den Verstand verloren, daS gerechte und edle Volk hat sich mit Abscheu vom Verrath, von der Feigheit, von der Niederträchtigkeit seiner Vertreter abgewandt, seine Verfassung wird nicht vernichtet. Welche Tyrannenhand dürste es wagen, die wahrhaftige Verfassung einer großen Nation zu vernichten, die aus dem Herzen des Volks geboren, mit dem Volke lebt und stirbt?

Verfassungen der Staatöhämorrhoidare und schwindsüchtigen Stubengelehrten sind mehr wie einmal vernichtet worden.

Es wird sich zeigen, daß diese bedächtigen Perrücken kei­nen Muth haben, zu stehen und zu fallen, wie eS dem Manne gebührt, sie müßten denn schon zuvor vor Angst davon gelau­fen sein, ehe nur ein Antrag auf Courage gestellt wird , und so die Männer des Volks und der That die Oberhand behalten.

Die deutsche Nationalversammlung kann nicht mehr auf das deutsche Volk rechnen, durch das sie entstanden ist, nach­dem die Majorität derselben das Volk von sich gestoßen. Sie kann nur noch auf die Perrückenstöcke, ihre Freunde, rechnen, auf Idioten und radikale Diplomaten. Die brauchen sich nicht zu fragen, was ist zu thun, weil sie nie die Courage haben wer- den, etwas zu thun.

Wenn sie aber gern durchaus wissen wollen, was eigent­lich zu thun ist, so mögen sie'ö wissen. Ihnen, den Halben, den Volksverräthern aus Bornirtheit, Feigheit oder Schlech­tigkeit ist der Garaus zu machen, damit das Volk und seine Tyrannen, getrennt in zwei feindliche Heerlager, erlöst von aberwitzigen, angstherzigen, verrätherischen FriedenSvermittlern, die Schlacht auf Tod und Leben beginnen können. Das ist zu thun!

G. Kellner.