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Märzrevolution, als einige Herren aus dem Chor der Ange- stellten und der höheren Bourgeoisie zu ihrem Entsetzen bemerkten, daß ihre kurzathmige Popularität in den Volksversammlungen zu verschwinden drohte. Sie fühlten sich zu einem engeren Verband gedrängt, um der anwachsenden demokratischen Partei einen geschlossenen Damm entgegenstellen zu können. Es war diesen Herren niemals in den Volksversammlungen unter und mit dem Volke so recht behaglich gewesen, und seitdem ihre Worte keine Orakel mehr waren, seitdem ihre Anordnungen und Ideen Widerspruch fanden, wurde ihnen sofort die Geschichte unausstehlich.
Es kostete einige Mühe, die widerstrebenden Elemente der Bourgeoisie und der Beamtenklasse in einen Verein, unter einen Hut zu bringen. Einzelne wünschten keinen politischen Verein, sie wollten sich nur mit socialen Fragen beschäftigen. Die Anderen verlangten als Prinzip an die Spitze gestellt die konstitutionelle Monarchie und den Kampf gegen alle Demokratie (ihr Anführer war der Herr Bürger EloerS). Die Anzahl der Letzteren war jedoch ziemlich gering. Eine größere Anzahl fühlte noch so ein Nestchen vom Märzsieber in den Adern; ihre Hauptmatadore schwärmten von einer sogenannten demokratisch-konstitutionellen Monarchie. Um diese verschiedenen Elemente zu vereinigen, beschloß man, dem Kinde gar keinen Namen zu geben, d. h. gar kein bestimmtes politisches Glaubensbekenntniß aufzustellen.
Zufolge dieser Prinziplosigkeit konnte die Masse der poli' tisch Indifferenten von den Werbern des Vereins leicht ange" zogen werden; sie erwarteten von diesem sogenannten Bürger- verein gewaltige Anstrengungen zur Hebung der industriellen Zustände, fanden sich jedoch bald von dieser angenehmen Täuschung gründlich geheilt. Wenn auch zufolge der Prinziplosig- keit in dem Vereine sich einzelne Männer vorfanden, die fast Republikaner genannt werden konnten, oder Männer von ernstem Streben erfüllt, ihre guten Kräfte dem Wohle des Volkes zu widmen, so behielt doch bald eine bestimmte Clique von Angestellten und Spießbürgern, die Clique der Neuhessiä en Zeitung, in allen Fragen die Oberhand und gab dem Verein mehr und mehr eine reaktionäre Tendenz, bis er sich plötzlich fast zu seinem eigenen Erstaunen mit vollen Segeln auf dem Meere der Reaktion einhersteuern sah.
Das Wesen deS Vereins wurde ein papiernes. Als er durch den demokratisch-sozialen Verein aus dem Vordergrund in den Volksversammlungen gedrängt war, als es ihm nicht mehr gelang, bei den Wahlen zum Volkskomitè , trotz d.'r kommandirten Hülfe von mehreren hundert Soldatenstimmen, über die demokratische Partei zu siegen, alö die Masse demo- kratisirt war, nahm er seine Zuflucht zur Wirksamkeit auf dem Papiere. Er hatte daö Terrain in Kassel verloren, daS Leben war ihm abhanden gekommen, er stiftete deshalb auf bent Papiere den papiernen nationalen Verein, um sich selbst seine Machtlosigkeit und Ilubedeudtenheit in einen großen Nebel
^'"nen. Dieser nationale Verein von etlichen hundert Deutschen Angestelltenklubbö erfüllte die Zeitungen mit reactionä- "N Petitionen und Adressen an Hanö und Kunz, an den Reichs- erve cr und an den König aller Preußen u. dergl. Mit Ä Een und Briefen bildet er sich ein, die Einheit Deutschlands gründen zu können, „ waS man schwarz auf
i§ 'eiitz , kann man getrost nach Hause tragen."
Die wenigen freisinnigen Mitglieder deS Vereins kämpfen vergebens gegen d.e reaktionäre Papierwirthschaft; die Indifferenten haben den Verein schon längst quittirt, obgleich sie sich
°» Anen Listen fortführen lassen. Sie erklären überall, aß sie -uchts mit dem Unwesen einer Beamtenclique, oder n"t der Clique der Neuhessischen Zeitung zu thun hätten, aber sie bleiben, oder erklären auch, sie würden sofort abtreten, wenn man Geld von ihnen verlange, bis dahin schade es jo
Nichts, wenn sie nicht direkt austräten. Löbliche Consequenz des Jndifferentismus!
Inzwischen beschließen einige 60 bis 70 Mann nach Belieben , und publiciren ihre Beschlüsse im Namen mehrerer Hunderte, die Nichts davon wissen, noch wissen wollen; und welche Beschlüsse! Adressen an den Kaiser der Zukunft und sonstige Dinge, zukünftige Nichtigkeiten, oder nichtige Zukünf- tigkeiten. Haben sich allmählich ganz verbissen in die komische Idee, daß 60 Mann die Stadt Kassel oder Kurhessen ausmachen, und daß das gute, geduldige Papier die große, weite Welt sei.
Nachdem diese Herren geraume Zeit in löschpapierener Theorie gemacht haben, ist ihnen das öffentliche Leben allmählich so unbekannt geworden, daß sie die Zustände ihrer eigenen Hei- math nicht mehr kennen; wie hätten sie's sonst wagen können, einen Beschluß zu fassen, der Magistrat Kassels möge ein Kaiserseier veranstalten.
Der Magistrat wird hoffentlich die Stimmung der Stadt besser kennen, er wird sich nicht durch die Feier einer zukünftigen ungewissen, jedenfalls kläglich ausfallenden Geschichte zu Gefallen des „sogenannten" Bürgervereins blamiren wollen. Man würde glauben müssen, diese Herren Kaiserjubilanten lebten auf dem Monde, wenn man nicht wüßte, daß sie von Papier leben.
Welche naive aschgraue, welche grüne Politik, eine solche Feier zu verlangen, ehe der große unsterbliche Hohenzollern die dargebrachte Krone angenommen! Wie göttlich vorschnell, wie köstlich unvorsichtig! Kann und darf denn durchaus nichts Anderes passiren in der Welt, als was den berühmten Sechszigern, den Rettern des Vaterlandes, geträumt hat? Merkwürdige Käuze, diese doktrinären Eintags-Papierpolitiker.
„ Eine kühne That, meine Herren!" schrie einer ihrer Gesinnungsgenossen auf dem Kongresse, wo sie ihren Papierverein stifteten. Mit dieser kühnen That wollte er bezeichnen, man solle den Kongreß für konstituirt erklären. Solche Schnurr- pfeiffereien nennen diese Herren Bürger: kühne Thaten!
„Eine kühne That!" schreit jeden Augenblick Einer oder der Andere dieser Eintagsfliegen, „man muß den Ereignissen zuvorkommen, lassen Sie uns petitioniren, adressiren, jubili- ren, condoliren, gratuliren!"
Wohl, ihr Herren, nur vergeßt mir niemals daö Blamiren!
(Fortsetzung folgt.)
Das Lied vom Parlament.
„ Was ist das deutsche Parlament? " Ein Haufen Stroh, der nimmer brennt, Der in des Volkes Thränenfluth Verwesen muß zum--gut!
Daö ist das deutsche Parlament.
„ Was will das deutsche Parlament? "
Eiu neues — freies Regiment,
Ein einiges in Rath und That,
Das acht und dreißig Köpfe hat!
Das will das deutsche Parlament.
„Was kann das deutsche Parlament?"
Kann Reden halten ohne End',
Gesetze schreiben ohne Macht,
Die jeder Einzelstaat verlacht!
Daö kann das deutsche Parlament.
„Was wünschen wir dem Parlament?" Ein baldig und glückselig End', Dann wird ein neues aufersteh'n Und mit dem Volke vorwärts geh'n! Das wünscht daS Volk dem Parlament.