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Lweiter Jahrgang.

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Die Mornisse.

Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"

»v 43.

Kassel, Dienstag, den 10. April.

1849

Ministerkrifis.

Kassels den 7. 9. April.

Daß wir seit dem Ministerium Eberhard in beständiger Ministerkrifis leben, weiß ein jedes Kind. Diese Ministerkrifis ist wie ein schleichendes Fieber, das nur dann und wann in heftigen Ausbrüchen sich Luft macht. Wie Erderschütterungen in Deutschland und Frankreich gewöhnlich im Zusammenhang stehn mit einer Explosion des Aetna oder des Vesuv , so setzt der Ausbruch einer Ministerkrifis in Kurhessen stets anderweitige Erscheinungen in der politischen Welt voraus, z. B. siegreiche Schlachten der Oesterreicher bei Novara, oder eine Blamage der National­versammlung, oder Vorträge vom Wahlkaiser Friedrich Wilhelm, dem Schönredner, worin das Wort Vereinbarung und die Hoheit der deutschen Fürsten vorkommt. Solche Ereignisse zünden. An den Drähten des kaiserlich königlichen Telegraphen springt der Funken der Contrerevolution in manch kleines Fürstenherz, und das Verborgene wird offenbar, heimliche, niemals aufgegebene Wünsche werden laut, das schleichende Fieber bricht in Paroxismus hervor. Die De­mokraten finden so Etwas höchst natürlich in dem konstitutionellen Staate, im Staate der ewigen Anarchie, des ewigen Kampfes zwischen Fiirstenwohl und Volk. Den Spießbürgern brichts Herz im Leibe.

Dem Gerücht nach will Se. Königl. Hoheit unser allergnädigster Kurfürst daS Einfüh- rungsgesetz für das neue Wahlgesetz nicht unterzeichnen. Der Dank für die Civilliste! Die Landstände werden also leicht den II. April, nach verzehrtem Dsterfladcn, Etwas zu thun bekom­men, was ihnen bei ihrem Geschäftsmangel angenehm sein könnte, bei ihrem bekannten Maras­mus senilis (Altersschwäche) jedoch sehr sauer werden möchte.

Das deutsche Parlament und der preußische Kaiser.

Ich sah ihm eine Krone anbieten doch eigentlich war'è keine rechte Krone und wie ich euch sagte, er schob sie einmal bei Seite, aber bei alle dem hätte er sie nach meinem Bedünken gerne gehabt."

(Ahakespcare'â Iulius Cäsar.)

DaS nennen sie auf dem Boden der Geschichte stehn, das nennen sie organische Entwickelung, eine Krone aus der Rum- pelkammer der Vergangenheit hervorzulangen, eine Krone zu verschachern, bie Niemand mag, eine Krone, die auf dem Haupte der Habsburger längst zum Kinderspott geworden, als sie vor der Revolution des Westens in den Staub rollend in Splitter zerstückte.

Das nennen sie organische Fortbildung, wenn sie dem Hause Hohenzollern diese zersplitterte, neu zusammengekittete Krone anbieten, einer Dynastie sie anbietcn, die zuerst den altüberkomnicnen Schimmer dieser Krone vor nun 149 Jahren durch ihren Königstitel erbleichen machte, einer Dynastie, die von der Beute des alten Kaiserhauses Oesterreich eine Macht errichtete, welche von damals an in Deutschland als zweites Kaiserhaus, als erbliche Nebenkaiserfamilie daS letzte An- sehn der alten Kaiserwürde in ein nebelhaftes Schattenbild ver­wandelte.

DaS nennen sie Rettung des Vaterlandes, einer herrsch- süchtigen, intriguenvollen Dynastie das längst ersehnte Ziel schleichender Bemühungen in die begierigen Hände zu spielen.

Das nennen sie die Wahrung deutscher Ehre und deutscher Einheit, die Hoheit eines großen Volkes den Ränken, den jesuitischen Kunstgriffen und Spiegelfechtereien einer blutigen Kamarilla und ihren Vettern und Schwägern Siebten in Ruß­land und ganz Deutschland zum Schacher, zum Wucher, zum