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verrathen habt? Seid nicht wahnsinnig. Ihr, die Spießbürger, habt den Meineid geschworen, ihr habt den Versprechungen zugejauchzt, um sie nachher sammt der Republik für ein Verbrechen zu erklären.
Seid ruhig. Die nächste Revolution soll euch weder eine Republik, nxch eine Monarchie schaffen, aber die Versprechungen , welche sie macht, wird sie halten.
DaS Schlachfeld bei Novara, die Russen in Ungarn, die Jesuiten in Paris, die Professoren in Deutschland bürgen unS dafür. $' $ e ’ ^e’
Die Antwort des Königs von Preußen und die Neue Hessische Zeitung.
Wir können unsern Lesern das Vergnügen nicht vorenthalten. Die neue hessische Zeitung hat jetzt ihre sicheren Abonnenten und wird'S unS daher nicht übel nehmen, wenn wir das Blättchen unsern Lesern als festsonnabendliche Ergötz- lichkeit vorsetzen.
Lassen wir ihr Gerechtigkeit widerfahren. Seit Monaten hat sie es für einen Raub am heiligen Geist gehalten, ihre Spalten mit eigenen Artikeln, mit leitenden Aufsätzen deS schwärmerisch- mövenhaften Oetker oder deS parlamentarisch- sybelschen Hrr. Pfaff, mit dem Vornamen Adam, zu füllen. Sie wollte ihren Lesern Ruhe gönnen. Sie wollte ihnen Muse fassen, sich von den Pulvern und Latwergen, von dem „widrigen Gebräu" zu erholen, was sie nach eingegangenen Abonnements jedesmal den „ unglückseligen" Abnehmern erbarmungslos in die Adern pumpte. Jetzt hielt sie's endlich wieder für einen Raub, zu schweigen. Nach Eingang der telegraphischen Depesche vom 3. besühlt sie ihren eigenen und den Puls der 600 Abonnenten und — siehe da! die Patienten waren soweit hergestellt, daß sie wieder einmal eine Tasse grünen Thee vertragen konnten.
Wir haben unsere Ansicht über die Depesche mitgetheilt, wir haben sofort bemerkt, daß damit dem Parlament und der nationalen Partei, und den drei Meerjungsern, den Herren Sybel, Oetker und Pfaff, gebührend heimgeleuchtet sei.
Was thut dagegen der kleine Vorreiter der Hessischen, der kleine Adam Pfaff? Nach einer längeren Debatte mit den Meiers und Sybels, worin sie des Volkes Wohl „nach allen Seiten hin" erwägen, alle „Mißverständnisse" beseitigen und die ganze „Sachlage" prüfen, schreibt er noch deS Abends „sehr späte" einen heutigen Artikel, überschrieben:
„Die Antwort deS Königs von Preußen!" „Kassel, am 4. April 1849." und unterhauen mit den beiden verhängnißvollen Buchstaben: A. P., zu deutsch: Außerordentlicher Professor, oder: Adam Pfaff.
„Jury!" ruft der alte Attentäter, „der König von Preußen hat Allrs angenommen, die Anarchisten sind blamirt. Die ängstlichen Spießbürger sind widerlegt, die Annahme der Kaiserwahl ist nicht an Bedingungen geknüpft, sie ist pure geschehen, weiß Gott im Himmel, pure!!! Oder meint ihr nicht? Meint ihr, der lumpige Vorbehalt des freien Einverständnisses der deutschen Fürsten sei eine Bedingung? Miß- verständniß , Unkenntniß der Sachlage! Das wissen wir besser. Soll sich der König etwa betragen wie ein roher Bauernlümmel? Habt ihr keinen Begriff von Anstand und Cour- teoisie? Schämt euch!"
Der „große Verehrer dcö guten Anstands", Adam Pfaff, kann sich ein- für allemal nicht überreden, daß der „elende Komödiant", der „verruchte Mörder" das reu* wüthige Volk nicht zu Gnaden aufnehmen könnte. Der reu* müthige Adam Pfaff ruft seinem Bürgerverein zu: „Macht mir den Mann nicht böse, macht ihn nicht böse. Laßt ihm
nur Zeit, laßt ihm Ruhe, habt nur Vertrauen! Um Him- melswillen bringt mir den juten König nicht durch euer verdammtes Mißtrauen auf!"
Der kleine reumüthige Jockey peitscht seinen Gaul und jagt fliegenden Haares weiter in die Duselei!
„Was hat der König gesagt? Wer von den Fürsten nicht „mit" sein wollte, solle es bleiben lassen, hat er gesagt! Und wenn Preußen und Lichtenstein das deutsche Reich allein machen sollten, eS geschieht, paro'e d’honneur ! Sage, was willst du wohl mehr?"
Daß die hessische Zeitung nicht mehr wolle, hat noch Niemand bezweifelt. „Gehn wir nicht zu Zehn, so gehn wir zu Drei, und gehn wir nicht zu Drei, so gehn wir zu Zwei." Es liegt nicht außer aller Wahrscheinlichkeit, daß, wenn alle Stricke reißen, der Kasseler Bürgerverein auf eine der Südseeinsel oder nach Kalifornien wandert und dort das deutsche Reich etablirt.
Das deutsche Reich hat allerdings anno 1848 so ein dunkles Gefühl gehabt, daß Deutschland Deutschland sei, und der verehrliche Herr , der Psalmist für den König von Preußen hat anno 1848 ziemlich klare Reden gehalten, wonach Hecker ein siebenfacher Hochverräther fein sollte, weil er nicht „mit" sein wollte, — indessen genirt daS nicht.
Es kann ja nicht immer so bleiben Hier unter dem wechselnden Mond.
Das deutsche Volk hat freilich anno 1848 gewisse Vorstellungen von der Souveränetät des Parlaments gehabt, wonach alle Staaten „mit" sein müßten, müßten, müßten, müßten. Demgemäß sind die Kanonaden und Metzeleien in Thüringen rc. angeordnet, allein:
Glücklich ist, wer das vergißt, Was einmal nicht zu ändern ist.
Auch haben unterschiedliche Schwachköpfe geglaubt, daß die in Frankfurt zusammengeschacherte Verfassung eben deswegen von allen deutschen Volksstämmen fabrizirt worden wär, weil sie für alle gelten sollte, und daß es vermuthlich thöricht wär, in Frankfurt eine Verfassung für Preußen und Lichtenstein zu machen, sintemalen man daS in Berlin bequemer haben könne, alleine aber:
Die Fürsten haben eine eigene Manier, re. ic.
Der Jockey ist über seinen eigenen Unverstand schließlich ganz außer sich. „Hört, hört, wer hat gut Bier feil? Wer will „mit sein"? wer will mitspielen?" Dabei rennt er von einem zum andern und fragt: „Willst du „mit" sein? sei doch „mit". „Aber wenn du nicht willst, spielen wir allein. Du wirst'S schon gereuen. Wenn du siehst, wie schön sich'S „Kaiser" und „Deutschland" und „Pfaff" und „Oetker" und „Wrangel" und „Belagerungszustand" und „Censur" und „Polizei" und „Gefängniß" und „dergleichen" spielt, wirst du schon kommen. Vor Thorschluß wirst du schon da sein! Jury."
Der reumüthige Jockey ist so geschäftig wie der maitre de plaisir. Das Spiel kann loSgehn!
O weh! Der Artikel über die Tanzordnung ist kaum ins Publikum gekommen, so kommt der Berliner StaatSanzeiger und berichtet: „ Wer die telegraphische Depesche in seiner gutmüthigen Dummheit nicht verstanden hat — die „ Hessische" z. B. — dem wollen wir hier daS ganze Stück verlegen. Voila tont. Belieben Sie, auszuwählen."
Wenn Einen mitten im Tanze, oder in einer lustigen „ Attischen" die Feuerglocke überrascht, so mag daS eine un- angenehme Bestürzung sein, aber der preußische Staatsanzeiger mitten in diesen telegraphischen Depeschendusel, — das ist mehr als Feuerglocke! Eben noch gegen „Mißverständnisse" und „Unkenntniß der Sachlage" geduseldonnert zu haben und vier Stunden nachher blamirt, ad absurdum geführt, — und dabei Redacteur eines politischen Blattes, dabei Vetter deö