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bewilligten Volksfreiheiten, und vertrug sich dafür dahin, Sei- ner Majestät, dem König Friedrich Wilhelm von Preußen die Kaiserkrone zu offeriren.
Blödsinn! Als ob die hohe Nationalversammlung sich über- Haupt etwas zu reserviren hätte, als ob Frankfurt der Ort für den ganzen Schacherhandel gewesen wär, als ob derselbe nicht in Berlin, in Wien, in Hannover, in München hätte ringeleitet werden müssen, als ob sich die Nationalversammlung nicht in Potsdam hätte niedertassen und dort hätte um ihre Freiheiten schwindeln müssen. Als ob es den Inhaber deS Hrn. v. Wrangel geniren könnte, daß der Edle von Gagern und die Linke zu Frankfurt einen Pakt geschlossen haben, sich nichts zu vergeben, sondern auf Ehre! einmal Männer und standhaft zu bleiben? Als ob dem Besitzer „ Seines herrlichen KriègsheereS " auch nur einen Deut an der Coalition zwischen Bassermann und Eisenmann liegen könnte?
Wenn die ganze Nationalversammlung ihre Grundrechte nicht durchsetzen, wenn daS gesammte Parlament ohne die Hand des „ungeschwächten" Königs nur zusehen konnte, wo es am ersten und am nachdrücklichsten vor die Thür geworfen wurde, so sind alle Coülitionen, alle Frankfurter Fakta, alle couragiösen Renommistereien, alle Bramarbasiade» nur das Ende jener widerlichen Gaukelspiele von Bdavour und Feigheit, von Et° hitzüng'und Katzenjammer, jener Gaukelspiele, mit denen wir seit 9 Monaten zur Genüge amüsirt worden sind.
„Wir unterhandeln nie, wenn wir geschlagen sind. Wir wollen Frieden schließen, wenn wir gesiegt haben!" Das waren die Worte jener großen Männer, deren antiker Charakter, deren kalte Besonnenheit unseren Professoren zuweilen im Traume erscheint, jener Männer, von denen unsere Professoren nichts gelernt haben, als allenfalls den Styl, ins 'Deutsche übersetzt.
Hätte daö Parlament den romantischen Trotzkopf in Berlin erst gezwungen, nöthigenfallS mit Waffengewalt zur Anerkennung der Grundrechte gezwungen — wohlan! die Offerte der Kaiserkrone wäre eine schulmeisterliche Dummheit, eS wäre aber keine Erniedrigung, kein Verrath, keine Niederlage gewesen.
Der König von Preußen weiß, daß nicht daS deutsche Volk über ihn, sondern daß er über das deutsche Volk gesiegt, der König von Preußen weiß, daß sein Trotzkopf gewonnen, das Parlament verloren hat.
Der König von Preußen und die Grundrechte! DaS am Ende vorigen Jahres in die Welt gestoßene, wehrlose, bettelnde Kind der Grundrechte soll Seitens des Königs auf den Thron gehoben, soll das Angebinde, die Braut des deutschen Kaisers werden.
Der König von Preußen hat seinen eigenen Geschmack! Der König von Preußen wird verlangen, daß seine Braut appetitlich sei; das deutsche Parlament wird ihn bitten, eS einmal auf eine Zeit lang mit dem Kinde zu versuchen, der Brautstand sei noch kein Ehestand.
Wenn der König von Preußen auf diesen Vorschlag eingeht , so wird daö deutsche Volk jenes bettelnde Kind der Christtage 1848 eines TageS in den geheimen Kammern des Frankfurter Palastes röchelnd am Boden finden.
______ H. Heise.
Die Depesche dom 3. ApritLaus Berkin.
Die Deputation ist glücklich in Berlin angenommen. Nachdem sie ihre tollen Hörner auf der Reise durch die Wüste abgelaufen, das wirbelnde Feuer ihrer gelehrten Köpfe in etlichen Toasten und 'FreiheitskrirgsbegeisterungSreminiscenzen entladen hatten, trugen die Professoren keiner Majestät die Frankfurter Parlamentsauffassung der deutschen Nütionalwünsche vor. Seine Majestät waren sehr erfreut über dieses parlamentarische Mißverständniß, diese von den Pröftssörcn beabsich
tigte Octroyirung. Es war zum Voraus bekannt, daß Seine Majestät „freundlich" sein würde, daß sich also die deutschen Professoren vor einer königlich-ungnädigen Stimmung nicht zu fürchten brauchten. Eâ wäre auch empörend gewesen, wenn die biederen Schulmeister von der ungeschwächten Krone ä la königliche Hoheit behandelt worden wären.
Seine Majestät äußerten höchst gnädig:
Eine Kaiserkrone sei ein Ding, „dessen Werth er ^u schätzen wisse", auch sei der Be- schluß der Nationalversammlung zu Frankfürt unverkennbar ein B e s ch l n ß;
allein die gelehrten Herren müßten vergessen haben, daß Seine Majestät Vettern und Schwäger hätten, daß hinter dem Berge auch noch Leute wohnten,
eS wäre ja schändlich, wenn er deren Vertrauen, an dem ihm mehr liege als an der ganzen Gesellschaft in Frankfurt, nicht recht fertigen wollte,
er könne doch nicht ohne daö Einverständniß der Regierungen handeln,
und dieses Einverständnis müsse ein freies sein.
Die Herren Deputaten hätten ihre Schuldigkeit gethan, sie möchten nun wieder nach Hause gehn.
An den Regierungen werde es jetzt sein, in gemeinsame Berathung zu trete». —
DaS ist die berühmte Eröffnung des siegreichen Kaisers des deutschen Reiches.
An den Regierungen sei es jetzt, in gemeinsame Berathung zu treten!!! Das „ herrliche Kriegsheer " will nicht etwa Untèrwürsigkeitserklärungen Seitens jedes einzelnen Kronen- trägerS, bewahre! Es soll eine gemeinsame Berathung vor sich gehen, es soll ein Fürstenkongreß gehalten und von diesem in aller Form und Feierlichkeit an das preußisch -wrangelsche HauS die Krone vergeben werden. Ein verfluchter Unterschied! Die einzelnen Unterwürfigkeits-Erklärungen wären Unter« würfigkeitö' Erklärungen unter daS Frankfurter ci - devant- Parlament, — — Seine Majestät sind aber nicht so unverschämt, Seine Majestät verlangen die förmliche Bildung eines Wahlkörpers, einen förmlichen Beschluß, einen solennen Akt, welcher vor aller Welt die Legitimität seiner neuen Herrschaft konstatirt.
Durch diesen Wahlkörper gipfelt sich von selbst daö deutsche Reich in „organischer" Weise, die Beschlüsse deS Parlaments werden dadurch illusorisch, der alte Bund wird auf die gemüthlichste Weise restituirt, die Bildung des Directoriums offen gelassen rc. rc.
Zu den Regierungen, b.ren Ve> trauen Seine Majestät nicht mißbrauchen dürfen und ohne deren „freies" (!!!!!!) Ein- geständniß Höchstdieselbew keine „Entschließung fassen" können, zu diesen Regierungen gehört obendrein die weiden-Windisch- grätzische Regierung deS jugendlichen Kaisers in Oesterreich, standrechtlichen Angedenkens. Die „gemeinsame Berathung" gewinnt dadurch eine feste Richtung, der metter- nichschen Politik wird dadurch ihr gebührender Rang wieder angewiesen, dem Kaiser Nikolaus die ihm zukommende Rechnung getragen.
Durch die telegraphische Depesche, d. d. Berlin 3. April, ist die deutsche Nationalversammlung gebührend behandelt worden. Was dieselbe immer verschwiegen, immer cachirt hat: die Vereinbarung der Verfassung mit den Fürsten, was die Professoren mit steifleinener Entrüstung von sich gewiesen haben, — — Seine Majestät oktroyireu es den gelehrten Herren mit bem gemüthlichsten Lächeln von der Welt, ohne nur einmal mit dem Fuße zu stampfen.
„Ja wohl meine Herren, Sie haben eine recht hübsche Verfassung gemacht, sie muß nur gerade umgekehrt gemacht werden. Erlänben Sie einmal gütigst."