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Dieser Blatt wird DiensttaqS, Donnerstags u Sonnabends (die einzelne Nr. gegen den Betrag von 9 HIr.) ausgegeben. Die Expedi­tion befindet sich in der obern En- lengasse Nr. 132.

Zweiter Jahrgang.

Durch alle Postämter zu bezie­hen. Inserate aller Yrt werden ausgenommen u. die Spaltenzeile mit 1 Sgr. berechnet. Dieselben sind in der Expedition abzugeben, woselbst auch abonnirt wird.

Die

M o r n i

sse.

Raum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Einer freien Keele!"

ML 41

Kassel, Donnerstag, den 5. April.

184».

Die Grundrechte und der deutsche Kaiser.

(Schluß.)

Nachdem die Nationalversammlung länger als ein halbes Jahr getagt, nachdem sie allen Kredit verloren, nachdem sie sich nur mühsam eine lumpige Partei aus den Schulmeistern, Declamatoren, Staatödienstaspiranten aller Orten gebildet, nach­dem sie sich zehn- und zwanzigmal für todt, für eine Mumie erklärt hatte, überkam sie Ende deö Jahres 1848 eine senti­mentale Schaam über sich selbst, sie war an den Schluß deö JahreS gekommen, das so großartig begonnen hatte, sie sollte Abschied nehmen von den Monaten der Begeisterung, der Hoff­nung, des Glaubens, des Zuckenö und Zitterns, sie sollte sich trennen von dem kindlichen, rührendem Volke, daS sein Blut vergossen hatte, um dann am Altar zu knieen und gedul­dig den Segen des Herrn zu erwarten, die National­versammlung fühlte, daß das Jahr 1848 so nicht enden, so ganz ohne Frucht, so ganz ohne Erndte nicht hinübergehen könne, die Nationalversammlung warf dem unglücklichen Volke .e deutschen Grundrechte vor.

ES war zu spät! DaS deutsche Volk hatte kein Gefühl r^ehr für diese magna Charta, es glaubte nicht mehr an ihren Inhalt, es schaute mit ängstlichen Blicken auf die star- renden Bajonette, die blitzenden Säbel, eS ging zu den Grä­bern der unter diesen Säbeln Gefallenen, es hörte die Kom- nrandoworte seiner alten Peiniger, der alten Henkersknechte, jener brutalen, verruchten, herz - und gewissenlosen Verräther, es nahm die Grundrechte, wie ein verbotenes Buch, stumm, the'lnahmloS, ängstlich hin, das deutsche Volk war so schmachvoll verrathen, daß es in seinen Grundrechten nichts erkannte, als ein wenig Honigseim für die brennenden Wun­den, ein linderndes Säftchen für die zerrissene Brust, als eine Methode, wie man widerliche Gifte annehmbar macht. Kein undankbareres Christgeschenk als diese Grundrechte!

Die Nationalversammlung wunderte sich über den geringen ^ubel chrer bescheerten Kinder, nein! Die Nationalversamm- lung wunderte sich nicht, sie wußte, daß hier nichts zu jubeln war, sie wußte, daß die Grundrechte sich erst ihre Bedeutung erobern mußten, daß sie, gleich dem erhabenen Neichöverweser, e,n Johann ohne Land waren.

Die Grundrechte hätten nur Bedeutung gewonnen, wenn das deutsche ^olk sie mit der Bravour der Revolution prote- girt hätte. Fractionen der Nationalversammlung selbst, zumal )ener sinken, die alle Revolutionen, alle Thaten auf den brei­ten Rücken des Volks laden möchte, erließen Proklamationen und Nothschreie; sie riefen den deutschen Männern zu:Setzt die Geltung der deutschen Grundrechte durch!"

Setzt die Geltung der Grundrechte durch !" Ein elenderer Hohn aus diese kastrirte Versammlung, ein gemeinerer Spott über ihre Impotenz ist noch nie zu Tage gefördert.Hier stehen wir, wir können nicht anders, Gott helfe uns, Amen! "

Preußen und Oesterreich, Hannover und Baier» lachten die Frankfurter Professoren auS, und hielten es unter ihrer Würde, der hohen centralgewaltigen Ohnmacht auch nur eine ehrliche Eröffnung über diesen Punct zu machen.Setzt also die Geltung der Grundrechte durch." Durch die Gnade der hohen Nationalversammlung regierte überall der Säbel, daS Pulver und Blei, durch die Gnade des deutschen Parlaments wurde in Berlin Seitens des Dänenfressers Wrangel, in Wien Seitens der Kroaten die Weltgeschichte gemacht, und--- daS getretene, mißhandelte, geknebelte Volk sollte für die Professoren, die Herren der Diäten und Reisekosten die Gel­tung der Grundrechte durchsetzen.

Der Anfang des verwichenen Vierteljahrs ist über den Unsinn, den Hohn, die Feigheit solcher Zumuthungen hinge- gangen. Die Herren kamen schließlich zur Besinnung. ES war klar geworden, daß man es durch die schmachvollste Con- nivenz, die elendeste Nachgiebigkeit gegen die gekrönten Lan- deöväter so weit gebracht hatte, daß die Fortsetzung der Re­volution, die Aufrechterhaltung der Volkâsouveränetät, die Selbstbestimmung der Nation ein Wahnsinn, eine Unmöglich­keit war, war deutlich geworden, daß nun der Schacher, der Handel, daS Markten zu beginnen habe, daß man seine Grundrechte nun auf den schmutzigen Wegen inS Volk bringen müsse, auf denen früher nichts in das Volk kam, als der Meineid, die Intrigue, (die Verhetzung, ^die Tyrannei, die Gerichts-, Polizei-, und Pfaffenschinderei. Es war klar ge­worden , daß man auf dem Schemel der Feigheit bis zur See­lengröße eines Bettelknaben steigen mußte.

Der Inhalt der letzten Hälfte deö verwichenen Vierteljahrs ist die Geschichte dieser Bettelei, dieser Arrangements, dieser Verschleuderungen.

Die Reichsverfassung wurde das Kapital, mit dem man sich die Grundrechte erkaufte, die Bausteine zum Postament deS ReichSoberhaupteS wurden der Fond, aus dem man sich ein demokratisches Wahlgesetz erhandelte.

In diesen Schacher ließen sich alle Parteien, nur nicht die Partei der allerentschiedenstea Demokraten, der Demokraten mit Herz und Seele, mit Leib und Leben verwickeln, in die­sen Schacher trat sogar der Edle, der Edle ohne allen Zwei­fel, der Edle von Gagern ein, der Halbgott der Ehrlichkeit, der Offenheit, des Biedersinnes. Der Edle schacherte wie ein gewöhnlicher Meßfremder.

Man reservirtc sich die Heiligkeit der vom hohen Parla­ment gefaßten Beschlüsse, die Heiligkeit der von Hochdenselben