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«Zweiter Jahrgang.
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Die Hornisse.
„Naum, Ihr Herren, dem Flügelschlag Liner freien Keele!"
ML 40» Kassel, Dienstag, den 3. April. 1849*
Die Grundrechte und der deutsche Kaiser.
Beim Beginn des neuen Vierteljahrs halten wir eS für Schuldigkeit, mit unseren Lesern über daS verwichene abzu- rechnen. Die Ereignisse folgen sich so ungeheuer schnell, die kochende Masse ist trotz allen Bemühungen, trotz allen contre- revolutionären Mordinstrumenten, trotz allen Jesuitenstreichen und Professorenränken noch nicht so weit abgekühlt, um eine solche Abrechnung in üblicher Weise an das Jahresende verweisen zu können. Der Zusammentritt deS Parlaments, sein Beschluß in der Waffenstillstandsfrage, sein Verhalten in der preußischen Säbelherrschaft, die Wahl eines Erbkaisers — alle diese Momente von der höchsten verzweifeltsten Wirkung liegen so ziemlich allemal ein Vierteljahr auseinander. Alle diese Momente wurzeln in anderen, fast eben so wichtigen, alle aber in solchen, welche in das Herz des begeisterten Jüngers der Revolution unauslöschliche Wunden schlagen, die eS martern, foltern, zur Verzweiflung treiben, die diesen Jünger in einen Kampf auf Leben und Tod jagen, die ihn unerbittlich, unversöhnlich machen, die seine Gedanken mit Blut, seine Liebe mit Blut, seine Träume mit Blut färben. Hinter allen jenen Wendepunkten erheben sich die Gefallenen in Baden, die Gefallenen in Frankfurt, in und vor jenen Wendepunkten erheben sich die Todten in Berlin, in Wien, in der Brigittenau, die niedergemetzelten Helden in Ungarn, Italien, die niedergemetzelten Herzen der Demokraten in allen Ländern unseres Vaterlandes.
Wenn der Zusammentritt deS Parlaments die Revolution der Gassen schlachtete, so demonstrirte der Waffenstillstand zu Malmö die Lebensunfähigkeit der von den Gassen in die Kirchen und Komödienhäuser gepflanzten Revolution, so schlachtete die preußische Säbelherrschaft diese Revolution der Profes. svren, wie diese ihre Mutter geschlachtet hatte, so erklärte dre Wahl des deutschen Erbkaisers sich mit dieser Metzelei, mit diesem elenden burlesken Resultat der Märzrevolution einverstanden.
der Märzrevolution bis zum März dieses JahreS P etnc einzige Kette von geheimen und offenen Schlach» en gegen das losgebundene Volk, gegen das im Feuer stehende Ierz er deutschen Revolutionäre, gegen die lebendige Begei- sterung für Freiheit und für Brüderlichkeit. Von der Märzrevolution bis auf diesen Tag haben alle blödsinnigen Schul- kiiaben sich abgemüht, in den Bergwerken der Revolution die abzuschlagen, während die trunkenen Baschkiren der throne ungehindert alle Schmelzöfen und Hammerwerke verwüsteten, während diese blutigen Würgengel lachend über die Mauern sprangen, die das neue Rom umschließen sollten.
Mit der Wahl deS Erbkaisers ist das Bergwerk, die Revolution, verschüttet, mit seiner Wahl ist die alte Revolution für unergiebig aufgegeben, mit seiner Wahl ist die alte Revolution beendigt.
Man mag sich gegen das Wort sträuben, wie man will. Die Revolution des Jahres 1848 ist vorüber. In siebernder Hast haben die Frankfurter Professoren ihre paar Karren Erze aus den Schachten gefahren und sie dem deutschen Volk als seine Errungenschaft hingeworfen. Das deutsche Volk kann die Erze annehmen oder mit Unwillen von sich stoßen, eS kann seinen Professoren an die Gurgel springen und sie in gerechter Wuth erdrosseln, das deutsche Volk kann aus Rache aufschreien und mit Knütteln dreinschlagen, das deutsche Volk kann eine neue Revolution, eine zweite, furchtbare Revolution machen, — — die Revolution deS JahreS 1848 ist ein - für allemal geschlossen, auS dieser Grube ist kein neues Metall mehr zu Tage zu fördern.
Die Grundrechte und der deutsche Kaiser! Wie schachernde Juden haben die Deputirten in Frankfurt gesessen, ein so widerliches Bild, wie èö die Weltgeschichte nicht aufzuweisen hat, — die Deputirten des Volks für einen Lappen Purpur ihre Ueberzeugung, ihren Charakter verschachernd, die Deputirten des Volks für einen Paragraphen guten, ehrlichen Rechts die deutsche Nation an ihren Banditen verhandelnd.
Die Grundrechte und der deutsche Kaiser! Nachdem daS .Parlament dem gewaltigen Herrn von Preußen so und soviel Rechte ab- und dem Volke zugesprochen hat, nachdem das Parlament mit den aufgehäuften Reichthümern der Gewaltigen daS deutsche Volk auSstaffirt hat, offerirt daS Parlament dem Gewaltigen von Preußen daö ganze Volk, die Jacke nicht allein, nicht das abgesprochene Kleid, sondern daS ganze. Volk, die ganze Nation, die Nation mit Fleisch und Blut, mit Rock und Kamisol. Es ist die Manier jenes KindeS, daS einen Handschuh genommen hat und dafür seine Hand bietet. DaS deutsche Parlament glaubt seine Grundrechte nur sicher zu haben unter dem Schirm deS Beraubten, eS schämt sich derselben, wie eines Diebstahls, es holt deshalb nachgehends die Zustimmung zu denselben in der Weise ein, daß daS Geraubte ein Geschenk, daâ Recht eine Gnade, die Revolution eine octroyirte Verfassung wird, es läßt sich vom geplünderten Gutsherrn an Kindesstatt annehmen. Das Vermögen soll in der Familie bleiben.
Die Grundrechte und der deutsche Kaiser! Mit den Grundrechten schloß sich das letzte Vierteljahr deS vorigen JahreS, mit dem dentschen Kaiser schließt sich das erste Vierteljahr des neuen JahreS ab. Die Grundrechte bedeuten den todten Buchstaben, der Kaiser soll den lebendigen Geist bedeuten. Betrachten wir die Bedeutung dieses galvanischen Manövers.
(Schluß folgt)