— 209 —
Unthat zu fluchen, nicht aber, wie Hr. v. Sybel will, die Schandthat dadurch zu sanktioniren, daß man die Treugebliebenen hinwegstößt, daß man offen die Ohnmacht einer ganzen großen Nation erklärt, zum Triumph der Unterdrücker.
Wie kann überhaupt Hr. v. Sybel bei der jetzigen Ständekammer einen derartigen Antrag stellen, da er sehr gut weiß, daß diese Versammlung schon längst nicht mehr als die Repräsentantin der eigentlichen Volksmeinung gelten kann, in ihrer altständischen Zusammensetzung?
Sollte die kurhessische Ständeversammlung den Sybel'schen Antrag zum Beschluß erheben, so wird der ganze Volköstamm der Kurhessen gegen denselben auf energische Weise protestiren.
Wir lassen uns nicht ohne Weiteres auf Gnade und Ungnade an den „gekrönten Leichenbeschauer" von Preußen verschachern. ■ G. Kellner.
Der Tanz der Professoren v. Soiron, Dahlmann, Beseler und Waitz.
(Aus der Reimchronik des Pfaffen Maurizius.)
Professor ist Dahlmann, ist ein Adept, Er hat gefunden ein alt Rezept Mit dem man Kaiser machen kann. Nun hat sich schon der arme Mann Geplagt wie Fausti Famulus, Zu fertigen den Homunkulus, Und ist ihm aus vielen Fixen und Faxen, „Aus langen Studien eine Arbeit erwachsen", Die Arbeit aber will nicht frommen, Der Kaiser nicht auS dem Tiegel kommen.
Der gute Mann wollt' schier verzweifeln, Er glaubte schon an Spuk von Teufeln — Doch war die Hülfe nah bereits — Sie kam mit Beseler und Waitz.
Ein Kessel steht auf der Bornheimer Haide draußen,
Darunter brennt ein Feuer helle —
Es schüren es drei Urpedelle
Mit Augen voll von Carcergrausen.
Sie nähren die Gluth mit Folianten, Kollegienheften und Quartanten ,
Mit dicken Büchern in Schweinsleder, Mit Holz von einem alten Katheder. Und ringsherum tanzen den schrecklichen Reigen, Mit Schweben und Beben und Neigen und Beugen Die drei Professoren wie Macbeths Hexen, — Die Hände sind voll von Tinteklexen — Es fliegen im Winde wild die Haare, Anflöst sich der Zopf, daß Gott bewahre, Es fliegen die Fakultätötalare — Man sähe fast die Beine, die bloßen, Hätten sie nicht schweinslederne Unterhosen. Und eine Wolke von weißem Staube Bedeckt sie wie eine Nebelhaube.
Sie singen griechisch und ägyptisch Und antediluvianisch-manuscriptisch, . „
In" Sprachen voll von Urweltsschauern, In Sprachen der Mammuths und Jchthyosauern. Und Hinterm Ohre trägt ein Jeder Eine sehr berühmte Feder.
Sie tanzen um den Kessel und springen
Und singen: (Forts, folgt.)
Berlin, 23. März.
Wrangelscher Parolebefehl.
„Die Truppen sollen fortan bei Jn- sultiruugen und Beschimpfungen des Volkes gegen sie von ihren Waffen ohne vorher zu trommeln Gebrauch machen. Die Offiziere, die dies verabsäumen, sollen vor ein Kriegsgericht gestellt werden."
Und der Fürst dieses Parolebefehlgebers soll deutscher Kaiser werden, und der Pa- rolebefebler damit deutscher Obergeneral; das heißt den Belagerungszustand und das Todtschiepenohne vorher zu trommeln
von Berlin über ganz Deutschland ok- troyiren.
Wählt, wählt, wählt diesen König von Preußen nebst seinem Wrangel zum deutschen Kaiser. Ums Himmelswillen wählt ihn.
Also spricht von Sybel und Konsorten.
Im Namen der Wohlfahrt!
Die Landeskreditkassendirektion hat noch immer kein Rundschreiben erlassen, daß die Kasse zu Darlehn eröffnet sei. Dem Vernehmen nach sollen sogar Einzelne, welche solche beanspruchten, zurückgewiesen sein.