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Komisch ist das Traumgebild deswegen, weil selbst die Einfalt eines politisch-kindlichen Gemüths zu sehn vermag, „ waS kein Verstand der Verständigen steht", daß zuvor ganz Oesterreich in Schutt und Trümmer liegen, daß zuvor Rußland über kein einziges Regiment zu verfügen haben muß, daß Frankreich und England nicht existiren dürfen, wenn der erhabene König in Potsdam die deutsche Kaiserkrone annehmen könnte. Aber man hat doch be­stimmte Winke! O, es wäre für das Haus Hohenzollern eine köstliche Zugabe der Ansprüche auf Kleindeutschland, wenn ihm dies seine Kaiserkrone angeboten hätte. Ein Angebot wird sehnlichst gewünscht; das Ausschlagen desselben jedoch ist längst mit den andern Notensabrikanten in Wien und London abgemacht. Sollte daS wirklich ein Professorengehirn nicht begreifen können? — Sollten wirklich die gelehrten Herren glauben, das Kabinet von DI» mütz, das der Revolution seiner Völker Hohn spricht, werde die Revolution Anderer mit Freuden begrüßen? Und den König von Preußen zum deutschen Kaiser annehmen, ist eben so gut Revolution, wie die Ernennung eines un­verantwortlichen deutschen Präsidenten.

Es ist ebenso komisch, jenem König von Potsdam den Muth zuzutrauen, daß er gegen den Willen seiner Schwäger und Gevattern nach der deutschen Krone greifen werde. Wenn er ein Friedrich 15. wäre, so möchte die Sache nicht ganz so lächerlich sein. Dann aber hätte er, mit dem Schwerte in der Hand, Klein-Deutschland längst erobert aus der Machtvollkommenheit seines eigenen kühnen, energischen Geistes, trotz dem Gebelle aller kleinen Herrn Vettern Liebden, kraft derselben Machtvollkommenheit würde er sich halten im Besitz der eroberten Krone gegen alle seine Feinde, bis die erwachte Nation in einer neuen Umwälzung den letzten deutschen Thron zertrümmert hätte.

Aber diese Wenn und Aber sind ohne Fleisch und Blut. Weder das Haus Hohenzollern noch die andern deutschen Fürstenfamilien haben einen großen Mann aufzuweisen. Große Männer sind überhaupt in Fürstengeschlech­tern gänzlich aus der Mode gekommen. Mit bloßen Fürstendienern und wären es selbst eitel Windischgrätze, Radetzky's uud Wrangels, läßt sich die Pazisikation Deutschlands und Europas und die Gründung neuer Throne nicht fertig bringen.

Wie komisch ist cs außerdem, einem Manne eine Aufgabe zuzumuthen, der er durchaus nicht gewachsen ist, die er um keinen Preis übernehmen kann aus eigener Schwäche und aus Furcht vor den Drohungen seiner furcht­baren Rivale, Drohungen, die Jedermann bekannt sind, außer den edlen Herren Professoren und ihren FamuliS, Drohungen der handgreiflichsten Art von der Welt. Was kann handgreiflicher sein als 200,000 russische Bajonette und Kanonen?

Doch die Liebe, die Leidenschaft macht blind. Hier ist eS die komische Leidenschaft für den alten Kaiserkram.

Die Herrn Gelehrten können sich nun 'mal keine Erhebung eines Volkes denken ohne die Sanktionirung durch fürstliche Autoritäten, sie kennen keine anderen Revolutionen, als solche, deren Strom hinterdrein in daS seichte Bette der Vereinbarung geleitet wird. Sie kennen keine Geschichte der Nationen!;? sie kennen nur eine Fürstengeschichte.

Kaum ist durch das Machtgebot des volksverrätherischen Olmützer KabinetS eine Verfassung oktroyirt, kaum ist durch ein Attentat auf die Freiheit aller einzelnen VolkSstämme Oesterreichs auch dem deutsch-österreichischen Volksstamm die nationale Erhebung und das Streben nach einem neuen nationalen Großstaat durch die Waffenge­walt des permanenten Belagerungszustandes untersagt: als die Trennung Oesterreichs von Deutschland sofort in den Augen der Herrn Professoren ein fait accompli ist.

Anstatt gegen die Schandthaten eines freiheitsmörderischen Kabinets zu protestiren, den gefesselten Brüdern neuen Muth und Hülfe zu bringen, wollen sie die verstoßen, die an dem Herzen deö großen Vaterlandes Schutz und Beistand suchen; statt die österreichischen Völker zur Revolution, zur gewaltigen Revolution gegen ihre Unter­drücker aufzurufen, wollen sie vom Altare des Vaterlands unsere edlen Brüder verstoßen, die den Schwur geleistet haben, bis auf den letzten Blutstropfen ihrer Pflicht gegen das Vaterland getreu zu bleiben, und den blutigen Geboten der Despotie zu trotzen.

Das ist der Verrath, das ist daö Abscheuliche neben dem Lächerlichen! Für einen Professor ist gar keine Möglichkeit denkbar, daß alle diese zusammengeflickten Staaten binnen Jahresfrist auseinander gerissen sind. Die Dynastien sind ihm die Staaten.

Ein demokratisches Herz aber weiß, daß kein Kaiser und kein König, daß keine Krone der Welt mit ihrem eitlen, hohlen Glanze, kein blutiger Purpur mehr die zukünftigen Geschicke der Nationen entscheiden wird, daß vielmehr in Europa die Stunde herannaht, wo diese morschen Throne in Staub und Trümmer stürzen, und die Nationen, befreit aus den Fesseln unnatürlicher Verbindung, nach gemeinsamer Abstammung in freien Staaten sich verbinden werden.

Wenn durch den künstlichen Staatenverband und durch die Interessen blutiger Fürstengeschlechter Völker von einander gerissen werden sollen, deren Abstammung, deren Sprache, deren Sitten und deren ganzes Sein unzertrennlich verbunden ist, dann ziemt es dem freien Manne mit lautem und kühnem Worte der tyrannischen