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Wir gestehen, daß wir noch nie ein tieferes Mitleiden, ein größeres Bedauern um einen ehemaligen Liberalen gefühlt haben, als Angesichts des Welker'schen Antrags. Ein größeres Zeugniß der politischen Schwach- köpfigkeit, der politischen Kurzsichtigkeit, ein stärkeres Zeugniß seiner reichsgesandtschaftlichen Unfähigkeit, konnte sich der Edelste nicht ausstellen. Wenn jemals, so hätte der Mann bei dem Gedanken schaamroth werden müssen, daß er am Hofe zu Olmütz tagelang gelegen, an der Tafel gesessen, mit den höchsten Herrschaften gezecht hatte, und daß er nichts, gar nichts, nicht ein Wort von dem geheimen Spiele erfahren hatte, das gespielt wurde, daß man vor seinen Augen die Karten gemischt und ihm nicht einmal gestattet hatte, auch nur einmal anders, als auf die Rückseite zu sehen.
Wahrlich, nur eben dies Schandgesühl kann den Edelsten bewogen haben, sich über Nacht für den preußischen Kaiser zu echauffiren, sich in eine Art patriotischer Begeisterung zu arbeiten, nur dies niederdrückende, elende Gefühl, das Gefühl, von Gagern selbst übertölpelt zu sein, kann den Gegner des Erbkaisers, den wüthenden Gegner deö preußischen Dynasten bewogen haben, ebenfalls einen kühnen Griff zu thun, den edlen Gagern bei seinem Worte zu fassen, den Reichsverweser bei seiner Scheinbedeutung, bei dem deutschen Kaiser zu nehmen, den vorgeschwindelten Kaiser zum wirklichen zu machen. Nur daS Gefühl gänzlicher Verzweiflung kann für den Edelsten die Triebfeder zu jener unparlamentarischen Erhitzung gewesen sein, bei der nur das eine zu bewundern ist, daß Welker gerade so wie der edle Gagern nicht gewagt hat, den Griff tief genug zu thun, und den Erbkaiser gleich zu proclamiren.
jW Der kühne Griff des Edlen und der kühne Griff deö Edelsten stehen sich in dieser Hinsicht ganz gleich. Nachdem Gagern dem Welker den Reichsverweser vorgeschwindelt hatte, will der Edelste dem Edlen den preußischen Kaiser octroyiren.
Der Plan des Edlen ist gelungen, der Plan WelkerS ist nicht gelungen. Es ist Zehn gegen EinS zu wetten, daß der deutsche Kaiser nicht zu Stande kommt und Alles gegen Nichts, daß, wenn er zu Stande käme, dieser deutsche Kaiser nichts anderes ist, als was der Rei'chöverweser war, das Directorium im Hintergründe!
Mit dem wahrhaftigen Erbkaiser wären die deutschen Fürsten mediatisirt, der Kampf zwischen Oesterreich und Preußen in Aussicht gestellt!
Mit dem Wahlkaiser wäre der Partikularismus heilig gesprochen, so heilig, wie ihn weder Gagern noch der vom preußischen Volke begnadigte Fritz heilig sprechen möchte!
Mit der Präsidentschaft wäre die neue Revolution proclamirt!
Mit dem Directorium ist die Entwickelung deS freien Deutschlands an die dynastische Entwickelung des halbbarbarischen Oesterreichs geknüpft.
Directorium oder Revolution!
H. Heise.
Die italienische Revolution und die Anarchie.
(Fortsetzung.)
Ein Glück für die Revolution der Zukunft, daß in dieser die Spießbürger Partei sind, daß die folgenden Revolutionen von einer Masse begonnen werden, welche all ihr Lebelang gehetzt und gejagt worden ist, der die Unruhe ihr Gott/die Rastlosigkeit Gebet ist, einer Masse, welche noch nie so reich gebettet war, um den Verrath, die Lüge, die Escamotage, um die Logik deö Politikers , den Eigennutz des Spießbürgers begreifen zu können, um für ein paar Thränen, ein paar Seufzer, um für nichts, als sein Leben, seine Existenz, für den status quo die Revolution aus den Händen zu lassen.
Tyc âv^tttion der Zukunft ist jene radikale, tiefe, vernichtende Revolution, wo die geilen Auswüchse einer hectischen Eivillsation , wo die Lüge unserer Cultur Angesichts der Verzweiflung der Massen, der Aberwitz unserer ^organr scheu" Entwickelung gegenüber den am
Boden liegenden, ihrem Schicksale überlassenen Schaa- ren, wo die gotteslästerliche Verurteilung der überwiegenden Mehrheit zum Dünger für einzelne Wenige, wo jene vertracte, schwindelnde Wirthschaft der gelehrreu Professoren und überweisen Spießbürger, jene Wirthschaft , in deren systematischer Begründung sich nur der Verstand eines Spitzbuben oder eines Teufels finden kann, der selbst im Hexen-Einmaleins einen Sinn erkannte, wo jene Wirthschaft mit einem Schlage vernichtet wird, mit einem, mit hunderttausend Schlägen, mit so vielen Schlägen, als nöthig sind, um auch das letzte Zucken des alten Geistes zur Ruhe zu bringen.
Die nächste Revolution wird sich für den „ allmäh- ligen Fortschritt" rächen, jenen berühmten Fortschritt, wo unter dem Scheine der Ruhe, mit fiebernder Hast die eine Masse nach oben, die andere nach unten getrieben wird, wo unter der Stille der Nacht die wirbelnden Feuerräder umlaufen, die den „Zustand unserer Gesellschaft" bedeuten; die nächste Revolution wird jenem vierzigjährigen Zuge des IudenführerS durch die Wüste gleichen, auf welchem ein neues Geschlecht gebo-