— 17^ —
Wenn der Edle von Gagern das Embryo dieses Bundes geschaffen, wenn er dafür die sentimentalen Gemüther der Professoren und deren Gelichter begeistert hätte: — der Edle wäre ein Verräther an der deutschen Revolution gewesen, aber er wäre nicht ein Verräther an Allem gewesen, er hätte nicht daS Reich bis an den Punkt des Elends gebracht, wo ihm kein zweiter Griff mehr übrig bleiht, als den nach der Schurkenhand.
Jener neue offene Bund hätte die geheimen Intriguen der beiden deutschen Großmächte, die elenden Coulissenspiele, die geheimen Ventilationen mit Rußland, mit den Barbaren, jener neue Bund hätte die verfluchten Dolchstiche auf unsere Ehre, unsere Hoffnung, unseren Glauben unnöthig, überflüssig gemacht, jener neue Bund hätte uns durch ein offenes Verständniß, durch einen für die „Herren" acceptabeln Rechtöboden, durch ein vorläufiges „Sichernehmen" unsere Brüder in Oesterreich erhalten, er hätte nicht den Haß, die Wuth, die Blutlust der Mächtigen entflammt, er hätte unsere Schande überkleistert, uns nicht vor aller Welt Augen in den Bankerott gestürzt.
Der Edle von Gagern schuf mit seinem kühnen Griff nicht die Morgenröthe der Einheit des deutschen Kai- serthumö, sondern die blutige Nöthe der Schlacht, der Anarchie, des Völkermordes.
Der Präsident oder das Direktorium! Was der „kühne Griff" verlottert, was der weise Staatsmann nicht begriffen, was der gewaltige Stümper verdorben hat, das hat die letzte österreichische Erklärung allen Schuljungen Deutschlands klar gemacht. Diese letzte Erklärung bedeutet nichts anderes, als die Wiederaufnahme der Streitfrage vom Ende Juni des vorigen Jahres, als die Erklärung, der Edle von Gagern habe daS Par- lament düpirt, habe die Republikaner mit den Männern des Direktoriums zu Gunsten der Monarchie geschlagen, um jetzt die Monarchie durch daS Direktorium schlagen zu lassen.
Die letzte österreichische Note ist nach Verwerfung der republikanischen Dokumente das erste vernünftige Aktenstück, das erste offene, ehrliche, staatskluge Aktenstück, was auf dem Tisch deS HauseS niedergelegt worden ist.
Die Nationalversammlung wird darin wie ein Schuljunge behandelt, sie wird dringend ersucht, zur Einsicht zu kommen und wieder zu werden, wie ehedem, in ihren Jugendtagen, wie sie vor dem kühnen Griff war, ein frommes, unschuldiges Kind, eine deutsche, vertrauende Jungfrau in Züchten und Ehren. —--
Aber wenn man sich einmal hat übertölpeln lassen, wenn man einmal in den Tag hinein geras't ist, wenn man einmal als deutscher Professor, als alter Mann kindisch geworden ist, so ist Zehn gegen Eins zu wetten, daß man sich lieber zu Tode ras't, als seine Lächerlichkeit bekennt.
Nachdem der Edle von Gagern in seiner bodenlosen Schwindelei, in seiner Professorenweisheit, in seiner abstracten Einbildung das deutsche Parlament ins Verderben gestürzt hat, enthusiasmirt sich der Edelste aller Edlen, der Professor W e l k e r, für denselben kühnen Griff, den er mit aller Leidenschaft, mit allem Feuer bekämpfte, den er bis auf den letzten Augenblick als lebensgefährlich geschildert hatte, ereifert sich der Edelste der Edlen für die monarchische Spitze, die er verworfen, für das Kaijerthum, das er verspottet hatte, für den Rest der deutschen Einheit, deren Fülle und Wahrheit ihm der edle Vorgänger mit der kühnen Hand aus dem Herzen gerissen hatte. Bravo! — H. H e i s e.
(Schluß folgt.)
Die italienische Revolution und die
Anarchie.
Während die deutsche Revolution nach ihrem ersten Athemzug außer Athem kam, weil daS gutmüthige Volk sie den schwindsüchtigen und engbrüstigen Professoren zur Ausbeute überlassen, hektischen Sybillen zur Entzifferung überliefert hatte, während die französische Revolution im Augenblick vor der Contrerevolution zu Gericht steht, weil sie statt zu revolutioniren nur zu erpernnentiren verstand, legt die italienische Revolution cm Zeugniß ihrer Berechtigung und Lebensfähigkeit nach dem andern ab, wirst die Revolution jener verbitterten Halbinsel den Krieg, die revolutionäre Bewegung, die vrganisirte Anarchie in die Welt.
Organisirte Anarchie! Mitten in dem Wüste überkommener aucderträchtigkeiten, überkommener Vorrechte,
überlieferter Hindernisse kann der revolutionäre Character nur ein Mittel der Rettung erkennen: Oeffnung aller Schleusen für den anhebenden Wasserstoß, Bahndrechung für den kommenden Sturmwind, Niederhaltung aller Elemente der unbedingten Ruhe, der sogenannten Ordnung â tout prix.
Die Revolution ist in ihrem Rechte, wenn sie mitten im Vernichten eine neue Zeit schafft, wenn sie mitten in der Verwüstung den Druck von der Brust der Menschen nimmt, wenn sie den Athem leicht, die Brust frei macht, wenn sie auS den furchtbaren Nebelwolken den Strahl der Sonne, den Glan; eines jungen, neuen, liebewarmen Tages zu locken weiß. Die Revolution ist im Unrecht, wenn sie den Sturm der Gassen in die Kammern der Deputaten trägt, wenn sie statt der Convente Parlamente bildet, wenn sie ver- - mittelt, versöhnt, wenn sie eS wagt — sich abzu- fi n den.