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Der E-le und der Edelste.

Meine Herren, ich thue einen kühnen Griff, und ich sage Ihnen, wir müssen die provisorische Gewalt selbst schaffen." Wir müssen den Reichsverweser aus der höchsten Sphäre . nehmen."

Der Edle.

Das Vaterland ist in Gefahr. Retten Sie das Vaterland."

Der Edelste.

-Es ist nicht das erste Mal, daß wir es mit dem kühnen Griff des Edlen v. Gagern zu thun haben. Es ist zum hundertsten Male, daß wir diesem edlen Herrn den elendesten Verrath an der deutschen Freiheit vorwerfen, daß wir ihm verwerfen, die deutsche Revolution, die von ihm selbst mit so vielem Tartüffe - Pathos praclam^rte Volkssouveränetät escamotirt zu haben, daß wir ihn für die wuchernde Schande, den wuchernden Absolutismus, die zunehmende Ohnmacht der Nationalversammlung verantwortlich machen.

Wenn man die damaligen Parlamentsverhandlungen liest, so übersteigt der Jesuitismus des Edlen alle Erwartungen, die man an einen deutschenPatrioten" stellen kann; so spottet sein Schauspielertalent, sein doctri- näres, staatsmännisches Pathos aller Kunststücke, die man bei einem deutschen Professor voraussetzen darf. Mit einer tölpelhafteren Anmaßung hat sich noch keine Versammlung überlisten lassen, mit einem brutaleren Hochmuth ist noch nie ein Kreis von Männern en Canaille behandelt worden.

Der kühne'Griff des Edlen v. Gagern bestand in dem einfachen Manöver, die Linke des Hauses mit der erhabenen Phrase zu übertölpeln:

Wir müssen die provisorische Gewalt selbst schaffen!"

und der Rechten des Hauses mit der audern Phrase zu antworten:

Wir müssen den Reichsverweser aus der höchsten Sphäre nehmen."

Der Edle hat im Gefühl seinermajestätischen Erscheinung" und seineserdrückenden Patriotismus" den Sturm der Paulskirche mit dem Oel der diplomatischen Nichtsnutzigkeit begossen, mit dem Betrüge nach beiden Seiten; der kühne Griff war der kühne Angriff auf den März, das Volk, die Freiheit, die Einheit Deutschlands.

Alle Blödsinnigen schlugen nach der. gewaltigen That den Lärm der Befriedigung an, alle Feigen und Ab­trünnigen klatschten der geschehenen Versöhnung, der hergestellten Debattenruhe Beifall, alle offenen Ver- räther trugen ihren Gewinn aus dem großen Hazard um des arme Deutschland in die Kabinette der Fürsten, in die Kammern der Diplomaten, zu den Generälen dertreuen Soldaten".

Die Begeisterung für die nichtswürdige, schaamlose Escamotage stieg so hoch, daß man sich nur über die Mäßigung des Edlen wunderte, über die Mäßigung, nicht sofort den Mann aus den höchsten Sphären genannt, den Erzherzog Johann zum Reichsverweser proclamirt zu haben.

Angesichts der edlen Krokodillenthränen würde der romantische Michel, der sentimentale, begeisterte, mysti­sche Michel, der Michel der verzauberten Schlösser und der magnetischen Wunder nach dem Jubel über den kühnen" Griff keinen Anstand genommen haben, auch den kühnsten Griff entgegenzunehmen, das Kaiserembryo von Hrn. v. Gagern der enthusiasmirten Gutmüthigkeit octroyiren zu lassen.

Das Kaiserembryo! Mit der Acceptation des kühnen Griffes hatte der edle Gagern den obschwebenden Streit auf eine Zeit verschoben, wo das deutsche Volk zu einem Kampfe unfähig, wo eS so tief von seiner Erin­nerung an die Märztage abgefallen, so hart geschlagen, so elend geknechtet, so wehrlos und waffenlos gemacht wär, daß zu Allem, Allem, für Himmel und Hölle, für Gott und Teufel zu gewinnen wär.

Mit dem Kaiserembryo war die Souveränetät des Volkes verworfen, in den Augen eines gefunden Men­schen, im gewöhnlichen Menschenverstand als ein Uebergriff verworfen, mit der Annahme des Mannes aus der höchsten Spähre war der deutsche Reichsapfel in den Kreis der deutschen Fürsten geschleudert, das Princip der Vereinbarung unterthänigst gut geheißen.

Mit dem kühnen Griffe war nicht blos die Linke der Paulskirche, nicht blos das Centrum und ein großer Theil der Rechten verhöhnt, sondern der Status quo wieder hergestellt, der Status quo nicht allein, ein noch viel scheußlicherer Zustand, der alte deutsche Bund in seiner erbärmlichsten, betrügerischsten Form.

Das Parlament wollte die deutsche Einheit, die Einheit des ganzen Deutschlands! Wollte man keinen Präsidenten aus dem Volke durch das Parlament schaffen, so war der Anfang einer Ei »Herrschaft, einer Mo­narchie durch die Gnade Gottes eine Gaukelei , ein Anlauf zur Umkehr, ein än den Mund gebrachtes Glas Wasser, um es nachher auszuschütten. Nur eine Volksregierung, nur eine republikanische Spitze, oder ein Direktors nm der Monarchen von Oesterreich, Preußen und von den vereinigten Staaten konnte die deutsche Einheit retten.