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Auch in späterer Zeit, während und kurz nach der großen Reformation, haben edle Geister, haben Schwär­mer, wie der große Haufen kurzweg alle tiefereu Gemüther zu bezeichnen pflegt, solche Systeme aufgestellt, die man in neuerer Zeit StaatSromane genannt hat, und die man nach der Schrift des englischen Staatskanzlers Thomas MoruS „Utopia", gewöhnlich kurzweg Utopien nennt. Unter Utopien versteht man dann überhaupt goldne Träume von einer freien, sittlichen, wahrhaft menschlichen Staatsverfassung, und die sich in solche Träume versenken, heißen Utopisten.

Alle jene alten Utopien find wirklich solche Träume, find Erzeugnisse der Phantasie und der Poesie. DaS nach Erlösung dürstende dunkle Gefühl hat sie geboren. Es sind politische Romane. Ihre Verfasser kannten die Welt uicht, die sinnliche; es gab noch keine Wissenschaft, welche später unter ihre nüchternen Verstandeökategorieu die Bedürfnisse und die Erzeugnisse der Menschen in unumstößlichen Zahlenbeweisen niedergelegt hat. Die Mensch­heit mußte erst aus ihrem innerlichen Leben wieder zuruckkehren zum selbstbewußten Staatsleben, eh' die Wissen­schaft der Nationalökonomie allmählich sich vorbereiten konnte, um plötzlich, einer geharnischten Minerva gleich, auS dem Geiste der Menschheit hervorzuspringen.

Die Nationalökonomie mit ihrer kalten Zahlenberechnung, und die Philosophie, die Tochter der Religion, mit ihrer eisernen, innerlichen Freiheitölogik, diese beiden Wissenschaften im unauflöslichen Bunde, werden auS den alten Träumen die Wirklichkeit heraufbcschwören. Die alte Jurisprudenz, welche bis jetzt den Staat be­herrschte, wird nur eine untergeordnete Dienerin des neuen StaateS der Wohlfahrt bleiben.

Diejenigen Systeme nun, welche im vorigen und in diesem Jahrhunderte in Frankreich, England, in Deutschland ausgestellt sind und welche man kommunistische nennt, haben DaS gemein, daß sie das Haupt­wesen einer sittlichen Erhebung in das gemeinsame Leben der Staatsmitglieder, in die gemeinsame Arbeit, in daS gemeinsame Eigenthum setzen. Diese Systeme find sämmtlich entstanden auS dem wilden Drange, die Person durch Besitz selbstständig zu machen, das Eigemhum aus seiner Uvgreifdarkcit, aus den Fesseln der Kapitalmacht rc. in die freie Persönlichkeit zurückzuführen. — Und wie es stets beim ersten Sturm der Leidenschaft geht, beim ersten Auf­stellen deS Gegensatzes, der rein vernichtend (negativ) auftritt, sie wollten das, erreichen mit Vernichtung des Eigenthums; aber auch hierbei auf die verschiedenste Weise.

Die socialistischen Systeme dagegen strebten mehr nach vollkommener Entwickelung jeder Persönlich­keit, sie sind nicht so rein negativ, so rein revolutionär, wie die ersteren, aber sie sind gleichfalls unhaltbar.

ES ist Denjenigen, welche kurzweg den Stab über diese Bestrebungen brechen, nur Folgendes ein Beweis großer Ungebildetheit, Alles über einen Leist zu schlagen; es ist schon Viel, wenn Jemand zugibt, daß man die einzelnen Lehren einzeln unterlaßen müsse, daß die Spreu von dem Warzen zu son­dern ist, daß das Vortreffliche nicht mit dem Verwerflichen gleichen Untergang verdiene, daß es tugendhafte Men­schen gab, welche diesen Systemen mit edler Selbstverleugnung anhingen, mit reiner lauterer Liebe für die Mensch­heit und ihr Heil, und daß man sie wohl von der blinden wilden Masse sondern muß, die ihre Schritte mit dem Wuthgeschrei dunkler Leidenschaften umgeben, und vielleicht mit Blut verdunkelt haben, die blinde Masse sowohl ihrer Freunde als auch ihrer Feinde.

Aber eine hohe Herzensgute, eine starke Geistesbildung gehört dazu, trotz aller Verirrungen, trotz aller Parteileidenschaft die Quelle dieser ganzen Bewegungen als eine reine und lautere, als den Drang nach der Vervollkommnung feilst anzuerkennen, als die noihwendige Fortentwickelung der Wahrheit und Gerechtigkeit.

Von diesem freien Standpunkt aus ist allein ein richtiges Urtheil möglich *).

G. Kellner.

*) Nur in einer längeren Reihe von Aufsätzen läßt sich dieses Thema einigermaßen erschöpfend behandeln. Denjenigen Lesern, die uns noch nicht kennen, und die gern im Voraus unsern Standpunkt in der socialen Frage kurz überblicken wollen, empfehlen wir daâ Programm des demokratisch - socialen Vereins, tierausgegeben von Kellner und geilt, das bei allen Buchhändlern zu haben ist.

Die Nedalllion.

Die Parteien in Kassel.

Wahrsager: Nimm vor des Märzen Jduâ dich in Acht.

Cäsar : Er ist ein Träumer; laßt ihn gehn, und kommt.

(Shakespeares Aulius Cäsar.)

ES gibt keine Hofpartei in Kassel. DaS heißt, der blinden Anhänger deâ jetzigeu Hofes sind wenig.

Damit ist aber nicht gesagt, daß in Kassel nicht eine bedeutende Partei eristirte, welche ma» Höflinge nennen

nennen könnte. Die Traditionen von alter fürstlicher Verschwendung, von dem schillernden Glanze eines lustigen Hofstaats haben sich wie alte Ammengeschichten im Blute von Vater auf Sohn, von Mutter auf Tochter vererbt.

All' diese reizenden Schilderungen jener großen, prachtvollen Feste der Vergangenheit, jener allerdurch­lauchtigsten Verschwendungslust, wo in einem lodernden Feuerwerk an allerhöchsten und hohen Geburtstagen, oder in einem Maskenball die Jahressteuern einer gan­zen Provinz verschweigt wurden; — die phantastische»