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als daß ich sie in Frankfurt braach liegen ließe. Daß ich hier in der Ständeversammlung nicht gefaullenzt habe, wißt Ihr Alle. Die Herren Demokraten machen mir es also zum Vorwurf, daß ich meine Kräfte da verwendet habe, wo sie dem Vaterlande am meisten nützen konnten!! Wenn die Herren sagen: ich wollte die deutschen Oester­reicher aus der Reihe der deutschen Völker ausstoßen, so verdrehen sie die Wahrheit. Ich habe nur verlangt, daß, nachdem die österreichische Regierung, der österreichische Reichstag und die deutsch-österreichischen Lande wiederholt durch Worte und Werke erklärt hatten, daß sie kein deutsches Reich, sondern nur die Wiederherstellung des unglück­seligen deutschen Bundes haben wollten, daß nun auch ihre Deputirten in Beziehung auf das von uns übrigen Deutschen zu gründende Reich nicht mehr mitstimmen sollten, um uns dieses nicht zu vereiteln. Die Oesterreicher hatten sich also selbst vom Reiche ausgeschlossen, nicht aber hatte ich verlangt, daß sie ausgestoßen werden sollten. Die Herren Demokraten wünschen aber sehr, daß die österreichischen Deputirten ferner mitstimmen möchten, damit sie in Gemeinschaft mit denselben die Gründung eines deutschen Reiches hintertreiben könnten, denn auch die Herren Demokraten wollen kein deutsches Reich, wenigstens dann nicht, wenn ein König oder ein Kaiser an dessen Spitze stehen soll, sondern nur dann, wenn es eine sogenannte Republik gäbe, an deren Spitze ein sogenannter Präsi­dent stände, so daß jeder aus dem Volke, also z. B. auch der Herr Candidat Heise, oder der Herr Candidat Dedolph, oder der Herr Candidat Kellner (Candidat heißt zu deutsch: Einers der noch keine Stelle hat, sondern erst eine Stelle sucht) Regent von Deutschland werden könnte. Um solcher unerreichbaren Dinge willen, welche voraussetzen, daß es erst ein allgemeines Blutbad gäbe und alles um und um gestürzt würde, wollen die Herren Demokraten lieber, daß aus dem deutschen Reiche nichts würde. Deshalb machen sie jetzt Compagnie mit der österreichischen Regierung und mit der Politik des Fürsten Metternich, welche dieselben Zwecke verfolgt, wenngleich aus anderen Gründen. Deshalb kann ich es nur wiederholen: wenn Ihr das deutsche Reich wollt, so dürft Ihr auch keinen sogenannten Demokraten wählen, also auch nicht den Dr. Kellner, denn die Demokraten sind jetzt Reichsfeinde.

Kassel, den 28. Februar 1849. Henkel.

Auszug aus der Neuen Hessischen Zeitung.

(Donnerstag, 1. März 1849. JV? 79. Morgen - Ausgabe.)

8 Kassel, 28. Febr. Die Morgen bevorstehende Wahl eines Neichsdeputirten hat unser politisches Leben, wenigstens die Agitation unserer sogenannten Demokraten noch' über ihre Gewohnheit hinaus aufgeregt. Schon vorgestern erschien ein Plakat des sogenannten demokratischen Vereins, worin der vom Bürgerverein vorgeschlagene Abgeordnete Henkel, mit ihm die gesammte Wählerschaft des 1. Wahlbezirkes, welche bisher aus allerlei schlechten Ursachen den demokratischen Kandidaten nicht gemocht habe, so wie auch die Wahlkömmission aufs heftigste ange­griffen, und die Wähler aufgefordert wurden, den Mann der Demokratenfreiheit zu wählen, nämlich den Dr. Kellner (Red. eines hiesigen Schmähblattes und Stifter des demokrat. Vereins). Auch solle man sorgen, daß die Wahlen dieß Mal unverfälscht gerieten. Die hierauf von Ausschußmitgliedern des Bürgervereins in gemessener und würdiger Weise erlassene Abwehr konnte nicht zur Veröffentlichung durch Anschlag gelangen, da die Anschläge mit unerhörter Frechheit abgerissen, die Ankleber mißhandelt, dagegen aber Seitens des „demokratischen KomiteS" neue Plakate mit neuen Schmähungen sichtbar wurden. Gleiches Schicksal hatte eine derbere anonyme Erwiederung, welche nur kurze Zeit an den Ecken sichtbar war, aber daS heftigste Mißfallen der souveränen Freiheitshelden er­regte, und alsbald konfiscirt, d. h. vernichtet wurde. Nicht besser ist es einer von Henkel selbst auögegangenen Erwiederung ergangen, ja sogar die Aufforderung des Oberbürgermeisters zur Wahl hat der Konfiseation nicht überall entgegn können. — Wir werden auf diese Zustände und auf die eigenthümliche Preßfreiheit, welche wir unter unseren neuen souveränen Herren genießen, ausführlicher zurückkommen. Sie hängen zu eng mit dem Zu­stande der Anarchie zusammen, in dem wir uns jetzt befinden, wo die Polizei verschwunden ist, ohne daß die bür­gerliche Zucht erschienen wäre, welche jene überflüssig machen soll. — Für heute wollten wir nur eine Mannes- und Ehrenpflicht erfüllen, indem wir in unseren Blättern — welche sich niemals irgend welcher Tyran­nei unterwerfen werden — ein Asyl öffnen für die von den neuen Tyrannen auf der Gasse konfiscirten Schriften, welche uns übcrdicß der weiteren Verbreitung wohl würdig erscheinen.

(Folgt das mitgetheilte Kandidatenplakat des Herrn Henkel und die ebenfalls mitgetheilte „ wohl würdige" Erwiederung auö der Druckerei des Herrn Hotop.)

Das Publikum urtheile !!

Anmerk. Eins ist namentlich auffallend in den Plakaten der Gegenpartei, die triviale,' läppische Art und Weise, wie sie zum Volke reden. Jedes Wort spricht: Volk, du bist unreif, du bist ein Kind, — um dich zu führen, muß man mit dir „täddeln". Angeborene Volksverachtung!

Kassel. — Verantwortliche Herausgeber: H. Heiseu. Dr. Kellner. — Druck der Est,ennescheu Buchdruckerei.