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Beilage zu Nr 27 -erHornisse".

Der Reichskandidat Henkel.

Motto:Ein Kandidat ist ein solcher Mann, welcher eine Stelle sucht."

Der Reichskandidat Henkel kam einstmals von Frankfurt zurück, nachdem er vergebens eine schriftliche Ermahnung an die Nationalvertreter erlassen, sich auf den Henkel'schen Standpunkt zu stellen, und erklärte die Nationalversammlung für verrückt. Auf ähnliche Weich gab er Urtheile ab über die österreichische und preußische konstituirende Versammlung. Ganz gewiß muß ein Jeder verrückt sein, der nicht die Henkel'sche Geistes­größe anerkennt, eine Geistesgröße, welche der Hr. Reichskandidat selbst so bescheiden seinen praktischen Standpunkt zu nennen beliebt. Diese allzugroße Be­scheidenheit trägt allein die Schuld, daß bei den großen wissenschaftlichen Koryphäen des Vaterlandes , bei den Heroen unserer Revolution, bei den alten Staatsmän­nern in Frankfurt die Ermahnungen des Herrn Reichskandidaten keine Beachtung fanden. Er entschloß sich also kurzer Hand, sich dahin mit seinen Ermahnun­gen zu wenden, wo er weniger Hochmuth und Einge­bildetheit vorzusindcn gewohnt war, weniger Stolz auf wissenschaftliche Leistungen, auf hohe Geburt, auf poli­tische Heldenthaten; er eilte schleunigst von Frankfurt in die Kasseler Ständeversammlung zurück, wo man auch stets so bereitwillig, bescheiden war, seiner Beschei­denheit die vollste Anerkennung zu zollen. Nachdem er hier 80 neue Gesetze derartig znbereitet hatte, daß sie recht bald von A bis Z einer Revision bedürfen würden, um von Neuem sich dann um das Vaterland verdient machen zu können, wandten sich seine Blicke abermals nach Frankfurt. Der dortige Hochmuth hatte inzwischen harte Lehren bekommen, durch Ermordung, Belagerungszustand , Noten :c. vielleicht sind hie Gemüther setzt so gutwillig und so ermattet, daß ein guter Rath nicht auf felsigen Boden fällt, daß der Mann der Ermahnungen endlich gehört wird. Wir wol­len dem Herrn Reichskandidaten die Erfüllung seiner Wünsche und Hoffnungen gönnen, denn sollte er zum zweitenmal nach vergebenen Versuchen und nach Wochen­frist nach Kassel zurückkehren, ohne die Oesterreichs (wenigstens doch die österreichischen Diplomaten) un­schädlich gemacht zu haben, so würde leider auch in Kassel die Meinung sich einbürgern dürfen, daß eine allzugroße Bescheidenheit auch ein Uebel ist.

Ein Praktikus.

Der Verein gegen säumige Zahler.

Brüderlichkeit" (?!)

Bei den vielen Reklamationen, welche gegen diesen Verein einlaufen, bei der tauten Stimme der Mißbilli­

gung, welche sich nicht sowohl gegen sein Bestehen, als vielmehr gegen sein rücksichtsloses Verfahren erhebt, scheint es nothwendig, ein ernstes Wort über denselben zu sprechen.

Die Mitglieder des Vereins mögen Recht darin be­halten, daß es angenehm ist, ausstehende Rückstände ein- zukassiren und schon verloren gegebene Posten beizu­treiben, sie müßten das nur klüger und auf eine nob­lere Weise zu erreichen suchen.

Es ist auf jeden Fall höchst verwerflich, irgend einen Geschäftsmann wegen säumiger Zahlung durch Veröf­fentlichung seines Namens als einen schlechten Zahler zu brandmarken, ihm auf diese Weise den nothwendigen Credit zu zerstören, den er zur Betreibung seines Ge­schäfts, zur Erhaltung seines Haushalts und seiner Fa­milie bedarf. Es ist höchst herzlos und wahrhaft jü­disch, ohne Rücksicht auf die traurigen Folgen einer solchen Handlungsweise, ein Verfolgungssystem gegen Jeden zu eröffnen, der vielleicht durch beliebige unglück­liche Geschäftsconjecturen, durch Krankheit oder Fami- lienungluck außer Stand gesetzt ist, einen der gestrengen Herren Splitterrichter befriedigen zu können.

Ja, hätten es die Herren Sonderbündler mit dem reichen Fabrikantenstand einer großen Handelsstadt zu thun, oder mit den Geldjuden von Hamburg oder Frank­furt, dann möchte das Verfahren noch hingehen, dann könnte es noch zu einem Resultate führen.

Aber in einer kleinen Residenz, wo die Mehrzahl der Einwohner aus der Hand in den Mund lebt, wo nur auf Credir das tägliche Leben fast sämmtlicher Handwerker gefristet wird, in einer solchen Stadt den kleinen Credit der Mittelklassen zu untergraben, ist doppelt grausam und unklug zugleich.

Die Herren Vereinten mögen bedenken, daß sie nicht allein fremdem Interesse schaden, sondern auch ihrem eigenen. Ein einmal öffentlich Genannter wird noch we­niger bezahlen, blos aus Haß und Vergeltungssucht. Die nicht stets momentan solvente Mittelklasse wird sich in keine Geschäfte mehr mit den Herren einlassen wollen. Ihre Namen werden als Namen von unbarmherzigen harten Geldmenschen mit Haß und Fluch belastet werden, und ihnen selbst wird man gar keinen Credit und keine Nachsicht mehr gewähren, die sie doch vielleicht einmal eben so nöthig haben könnten, als Einige von ihnen dieselbe schon gehabt haben.

Wollen die Herren etwa mit ihrem Verein die Uni­versalmedicin gegen die Unsicherheit aller Geschästsver- hältniffe gefunden haben, so sagen wir ihnen, daß sie im Gegentheil ein neues Mittel entdeckt haben, diese Unsicherheit zu vermehren, ein um so gehässigeres Mittel, da es in tausend Fällen die Herzlosigkeit des Kapitals gegen die besitzlosen Klassen sein wird und der Zerstörer