D i e Horn t s s e.
Zweiter Jahrgang.
W* sr Kassel, Sonnabend, am 3. März 1848«
Die ,, Hornisse " wird wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags -1 Ubr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr.) und zwar im Hause der Madame Zimmermann, obere Entengasse Nr. 132, neben Hrn. Kaufmann Bachfeld, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. abonnirt werden. Auch bei allen Postanstalten Kurhessens kann nunmehr, und zwar entweder für das ganze Quartal, oder auch für die Monate Februar und März (i'm letztern Falle zu 12 Sgr.) abonnirt werden. Im erstern Falle werden die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert Ausländische Postanstalten können bei den inländischen ihre Bestellungen machen.
Anzeigen aller Art (abzugeben in der Expedition des Blattes) finden Aufnahme und wird die Spaltenzeile aus der Petitschrift, oder deren Raum, mit 1 Sgr. berechnet. Die Redaction.
Dee Oetkee und fein Bube.
Heulende Heulerei der Neuhessischen Heulerzeitung im Namen der Heuler.
Wer heulet so laut durch Nacht und Wind? Es ist der Oetker mit seinem Kind,
Mit seinem Buben, dem Adam, heult Er schmerzlich, daß eS die Lüste zertheilt.
Sie heulen und bergen ihr Angesicht: „O siehst du die rothen Gesellen nicht?
Die rothen Gesellen, die Anarchci?
Zu Hülfe! zu Hülfe! o Stadtpolizei!" —
„O Oetker! o Oetker! und siehst du nicht dort Die blutigen Fahnen am düsteren Ort?" —
„O Adam! — o Adam! ich seh' es genau, Es flirrt vor den Augen mir grau und blau." —
„O Adam !" — „O Oetker!" — Entfleuch geschwind! Nach Rettung durchheule den Sturm und Wind!"
Sie fliehen, sie fliehen mit Mühe und Noth.
In ihrem Hirn ihr Verstand ist — todt.
(Der Erlkönig.)
Kirche und Staat.
3.
Ihre Trennung.
Also die Kirche ist frei.
Der Staat, der nach unbedingter Freiheit strebt, hat sie freigelaffen, aus der Staatskirche, aus den von Oben herab diktirten Glaubenssätzen, aus einer aufgedrungenen aristokratischen Verfassung; — aus der Hof- kirche ist von Neuem die VolkSkirche geworden. Sofort erhebt die Glaubensfreiheit ihren jugendlichen Flügelschlag aus den zertrümmerten alten Formen. DaS Volk selbst erwacht aus der Lethargie des Herzens, um aus seiner Ueberzeugung, nach dem Stand seiner Bildung neu krystallinische Formen zu gestalten: — die Gläubigen nach ihrem tiefen Herzensgefühle, nach dem Bedürfniß ihrer frommen Seelen, nach den alten Regeln der Vater, die Andern, erschüttert bereits im alten symbolischen Glauben durch die Gedanken der neueren Zeit, in freieren