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Beilage zu Nr 24 der „Hornisse".
Ueber die Pfaffenwirthschaft.
EL ward Licht —
Licht soll ee bleiben!
Nicht allein auf dem Felde der Politik erhebt die Reaktion ihr Haupt, und bemüht sich, die errungenen Volksfreiheiten in den Koth zu treteu, nein! auch auf dem Gebiete der Religion zeigt sie sich mit unerhörter Frechheit. Das Pfaffenthum will sich des Jahrhunderte hindurch geführten Streites nicht begeben, und hascht fortwährend nach den Zügeln, welche kaum seiner tyrannischen Hand entwunden sind.
In Westphalen predigen die Bischöffe nnd ihre Spießgesellen gegen die Glaubens- und Gewissensfreiheit, in Oesterreich werden die deutsch-katholijchen Gemeinden auseinander gesprengt und ihre Priester ausgewiesen; selbst bei unS erheben sich Stimmen, welche gegen den Parlamentsbeschluß in Bezug aus Religionsfreiheit eisern und in ihm den Verfall des Christenthums sehen*).
Sollen das etwa unsere vielgepriesenen Märzer- ruugenschasten sein, wovon der gemüthliche Philister den Mund so gern und so gewaltig voll nimmt? Sollen das unsere Errungenschaften sein, daß wir am Ende noch erleben, wie von den Kanzeln herab über „den Verfall der Inquisition" geweint wird.
Sind jene Eiserer nicht eben so strafbar als alle übrigen politischen Verbrecher?
Kann sich Niemand durch Schrift und Wort vergehen, außer durch „Majest äts beleidi g ung" , „Belei. digung des Heeres", oder durch „Aufruhr- predigt?"
Seitdem unsere Grundrechte in Kraft getreten, dauern bereits die Aufforderungen zur Nichtachtung dieses Gesetzes, und keine Stimme erhebt sich gegen solche Finsterlinge, welche vorgeben, die alleinigen getreuen Diener des Himmels zu sein, und doch die erste, vorderste Tugend des wahrhaften Christen, die Duldsamkeit, Bescheidenheit und Demuth so sehr aus den Augen setzen, daß sie im verwegenen Eigendünkel den Leuten verbieten, anders selig werden zu wollen, als gerade nach ihrem Gutdünken, als gerade so, wie es ihnen von dem Herrn Professor mit Schlafmütze rc. eingepaukt ist.
Die Federn der Journalisten scheinen nur für politische Fragen gespitzt zu sein, und doch sollte man der Reaktion entgegen treten, sie zu bekämpfen suchen, wo
$r tzuch immer begegnen mag. Sie muß in jeder Gestalt niedergeschmettert werden; denn die freie, ganz
*) ^ch sehe darin nur das Schmälerwerden gewisser beutel. ' y
fessellose Entwickelung des Geistes unserer jungen Staatsbürger ist der Grundstein zur demnächstigen klaren, freien Anschauung der politischen Verhältnisse unseres Vaterlandes. Wenn der Geist unserer Kinder gefesselt wird, waS nützt es nus alsdann, ihre Arme zu kräftigen? Ihr Kopf, ihr Verstand wird ihnen nicht sagen können, wenn es Zeit ist, jene zu gebrauchen.
Es war freilich eine gar schöne Zeit für die Herren Pfaffen, als sie sich noch mästeten von ihren reichen Pfründen, als jener Dummkopf von Bauer, weil er sich einmal hatte verleiten lassen, an einem Freitag Fleisch zu essen, am Sonnabend seine best' gemästete Sau zu Ehren Gottes für den Herrn Pfarrer schlachtete, welcher die Buße denn auch ganz gemüthlich verschluckte, und nichts sehnlicher wünschte, als der Bauer möge recht bald wieder sündigen, um recht bald wieder büßen zu müssen.
Es war freilich eine gar schöne Zeit für die geistlichen Pelikane, als sie noch ihre Ablaßkrämer in der Welt umher schickten, als Ehren-Teyel und andere Ausgeburten der Hölle das Land durchzogen mit jenen Wechielbriefen auf Gnade und Vergebung, als sie noch mit diesen Assignaten der Hölle Schacher trieben, damit die Päbste ihre Mätressen und Sausgelage bezahlen konnten!
Es war freilich eine gar schöne Zeit, wo die Herren Pfaffen noch Minister waren und mit den Keböweibern der Fürsten in geschwisterlicher Eintracht das Mark der Völker aussaugten.
O eS war eine selige Zeit, die Zeit der Inquisition, der Vehmgerichte und der Herenprocesse!! Es war die Zeit, wo eigentlich das Christenthum *) in der Blüthe stand; deshalb möchte man eS gerne wieder zurückführen auf jenen glückseligen Standpunkt. Thoren! Verblendete! Gegen unsern Leib könnt ihr Kanonen auffahren, unsere Brust mit Bajonetten durchbohren, unsere Arme könnt ihr in lastende Ketten legen, wenn sie „zu frei sichrühr en", aber — nennt mi r den Riesen, der die Seele zwänge, in die Nacht des Wahnwitzes, des Aberglaubens, des Mysticismus zurückzukehren, nachdem sie einmal gesehen den Hellen, leuchtenden Tag, nachdem sie sich gewärmt an den göttlichen Sonnenstrahlen der Wahrheit!
P. F. Trautmann *).
*) Das ist natürlich das Pfaffenthum.
**) Die Redaction behält sich über diesen Gegenstand ein Mehreres vor.