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Das Wahlgesetz angenommen in der Sitzung der Ständekammer am 1. Februar.

(Schluß aus Nr. 13.)

Siebenhundert und fünfzig Menschen in Kurhessen werden uns diejenigen 16 Männer aussuchen, welche den Hemmschuh unserer Freiheit bilden sollen!

Es kann leicht sein, daß unsere Spießbürger sich in ihrer Rechnung getäuscht sehn, die gewerbtreibenden Bourgeois vermeinten durch die Wahl der Höchstbe­steuerten Gewerbtreibende in die Ständekammer zu brin­gen und damit ein Ucbergewicht über die 16 Deputirten deS Landvolks.

ES ist aber wahrscheinlich, daß die größtentheils zur ackerbauenden Klasse gehörigen Höchstbesteuerten auch meistentheilS Grundbesitzer wählen. Die schlaue Venti­lation wäre dann mißglückt.

Unter diesen großen Grundbesitzern werden möglicher­weise auch einige Adelige sein. Der eben versagte Stand würde also, unter anderem Rechtstitel, auf die alten verlassenen Sitze zurückkehren. Die Herren Spieß­bürger werden von Neuem die wohlfeile Gelegenheit haben, über den Adel herzufallen.

DaS Späßchen werden sie sich nicht versagen.

Die Spießbürger haben immer die Courage, wo keine Courage dazu gehört, sie zu haben. Die Spieß­bürger kommen mit Allem ein halbes Jahrhundert zu spät.

ES ist jetzt fast ein volles Jahrhundert her, daß ein Moser und Andere die Höfe und den Hofadel ver­spotteten. Damals war das gefährlich. Aber nach der Nacht vom 4. August 1789 in der konstituirenden Ver­sammlung zu Versailles sind die Privilegien des Adels zum Kinderspott geworden.

Jetzt noch mit Erbitterung ihre ehmaligen Inhaber zerfleischen, ist nicht viel besser, als einen Fliehenden von hinten mit Pfeilen durchbohren. Daß die Demo­kraten anders handelten, zog ihnen von manchem Spieß­bürger grimmige Blicke und eigenthümliche Verdächtigun­gen zu.

Der Adel benahm sich, wie man erwarten konnte, ganz seinem noch immer geliebkosten Sonderinteresse ge- mäß. Als Ncbelthau vergebens in einer geheimen Sitzung das Zweikammersystem empfohlen, womit er zu­gleich etwas den undurchdringlichen, politischen Schleier lüftete, den er um sich geworfen, bis die sich fortwäh­ren umsetzenden Stürme eine feste Richtung angenom- men hatten; als der Adel sah, daß für ihn keine neue Hoffnung blühte, nahm er das proponirte Wahl- gesitz an, um wenigstens die Möglichkeit zu retten, als Ä G"Eesitzer den gehörigen Einfluß auf die Wahlen zu üben und um die wüthenden Spießbürger

und ihr Ministerium nicht noch wilder gegen sich zu machen.

Das schien um so gerathener, da die Herren des Centrums eine Masse Petitionen zusammengebracht hat­ten zu Gunsten des ministeriellen Wahlgesetzes. Diese Petitionen bewiesen freilich gar Nichts. Sie waren sämmtlich gegen das Wahlgesetz im Prinzip, und nur aus s. g. Nutzlichkeitsrücksichten dafür. Sie waren nur durch den Nothschrei der Neuhessischen entstanden, die den Untergang des Ministeriums prophe­zeite. Diefes Geschrei hatte erst die Schwäche deS Ministeriums gezeigt und seinen Feinden Muth gemacht.

Außerdem waren viele dieser Petitionen nur (im Na­men der Gemeinden) von den Ortsvorständcn eingesendet.

Die Neuhessische Zeitung und ihre kleine Partei be­sitzt eine so unübertreffliche Frechheit, daß sie über die entehrendsten Vorwurfe jubelt, daß sie ihren Hauptgeg­ner in der Ständeveriammlung, Hrn. Prof. Winkel­blech, durch Wortoerdrehungen auf die trivialste Weise hna^zufftzen sucht, und damit dem Vorwurf der Lügen­haftigkeit und Falschheit entgangen zu sein glaubt.

Und wenn diefe und ähnliche Spießbürgerseelen auf dem Richtblock liegen, um Glied nach Glied zu verlie­ren , so werden sie noch zetern, daß sie den Märtyrer­tod der erhabenen Weisheit und Gerechtigkeit stürben als Opfer der boshaftesten Verfolgung von Wühlern, Ignoranten, von Gesindel und Gesindelsgenossen!

Selig sind die Schwachköpsigen, denn die Schamlo­sigkeit ist ihr Himmelreich !

Daß die jetzige Ständeversammlung eigentlich sofort nach Haus gehen müßte, versteht sich von selbst, und daß die Mehrzahl derselben dazu keine Lust hat, versteht sich ebenfalls von selbst. Einige von ihnen, z. B. Hr. Lederer, sind sehr zweifelhaft über ihre Wiederwahl. Andere, wie Hr. Oetker und sein Neuhessischer Zei­tungsschwager von Sybel, möchten noch gern vor Thorschluß einige hohe Weisheit über große politische Fragen an den Mann bringen. Die Ritter haben eine gewisse Ahnung von allerlei Möglichkeiten, die bald ein- treten könnten; Dänemark, der Landgraf Wilhelm und der Prinz Friedrich Wilhelm, der König von Preußen, etwas Thronwechsel nebst billigem Arrangement, etwas russische Knutenhiebe und Belagerung, Hofbälle, Kam­merherrnschlüssel, Avancements, Orden und Minister­stellen : das mag die Scala des lieblichen TraumchaoS sein, welches die Brust der letzten hessischen Ritter er­füllt. Sie trösten sich kindlich mit dem alten Verschen:

Es ruhen noch im Zeitenschooße

Die schwarzen wie die heitern Loose.

Wir aber, gehn wir muthig dem dunkeln LooS ent­gegen, welches das unerbittliche Schicksal über unsere Gauen, wie über ganz Deutschland auszuwerfen im Be­griff ist!

Gebt uns nur zuerst den neuen Landtag, damit wir gerüstet und gewappnet sind gegen alle Circularnoten,