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Der Koma von Preußen nämlich war inzwischen zur Besinnung gekommen, d. h. der Prmz von Preußen war aus Enaland an seine Seite zuruckgekehrt, nachdem er das ihm ausgetragene St-atSgeschaft beim Fürsten Metternich zweifelsohne mit dem ausgezeichnetsten Takt ausgefuhrt hatte. Die Anwesenheit des besonnenen Kar- tätsckenvrinzen des gleichmuthigen Voltsvernichters mußte wohlthätig auf die bekanntlich so leicht erregbare romantische Phantasie und das excentrische Gemuih des königlichen Bruders einwirken. Die Kaiserkrone blieb ein Lieb- f.nnätraum aber dieser Traum durfte von nun an nur beim Champagnerschaum ,M Potsdamer Schlosse fortgeträumt werden nicht mehr auf offener Straße. Die Zuneigung des liebevollen KomgS ur feine lieben Berliner bitrfte sich setzt nur in rührenden Zuschriften äußern, uno feine „thränenrerche Gemahlin mußte in ihren stillen Gemachern die Thränen fortwemen, Leren ewiger Fluß auf jenem ominösen Balkon begonnen hatte, an welchem dw ^Todten ^orömzog^n ^^^land und der Prinz von Preußen wollten es so. — Nun mußte zuerst durch den Belagerungszustand der Hauptstadt und aller anderen freisinnigen Orte des Reiches und durch die Ver- iaauna der konstltmrenben Versammlung Preußen in den Status quo zuluckgebracht werden. Das gelang vor- r üa l i ck Znrwiichen war Windischgratz mit Wien fertig, und die österreichische Gesammtmonarchie proklamirt worden Der deimchen Nationalversammlung zu Frankfurt war eine unheilbare Wunde versetzt.
Die deutschen Grundrechte waren zwar proklamirt; aber das sind Theorien. Drese deutschen Menschenrechte möaen ebenso auf dem Papiere stehen, ww die französischen, was kümmert das die Wrangels, Radetzkys, Ca- »aianacs and Windlichgratze. - Jetzt wollte die Frankfurter Versammlung zur definitiven Gestaltung von Deutschland überaeben. Da war derZellpunkt erngetrelen, wo man die Revolution für Nichts erklären konnte.
Es erschien die preußische Note, wie alle preußischen Noten schlau, voller Hinterhalte, aber doch nickt scklau genug, daß man nicht zwischen den Zeilen zu lesen vermöchte. ,
Man habe die Nationalversammlung zu Frankfurt gewahren lassen, aoer keinem seiner Rechte entsagt. Man stehe nach wie vor auf dem Standpuntre der Vereinbarung, auf den man sich gestellt, als der alte Bundestag die Vertreter des deutschen Volks zusammengerufen. Man will keine Kaiserkrone, man will den alten Bund; nur nebenbei für Preußen noch irgend einen Bund im Bunde, wo man neben Oesterreich eine besondere Oberherrschaft üben könnte so einen politischen Zollverein. Immer dieselbe altpreußische Politik, zu schwach, um Oesterreich zu Urzell , zu ehrgeizig, um sich unterzuordnen, dieselbe Politik, welche Friedrich der Große dem Hause Hohen- rollern'als böse Erbichaft hinterlaßen.
4 nun ers chien auch die Note O esterr eich s, offener, derber, im Bewußtsein der größeren Macht,
erfüllt von der Erinnerung an sem altes Kaiserrecht. Oesterreich will sich keiner Macht unterordnen.
Die preußische Note ist voll falscher Hinterlist — Preußens Herrscherhaus ist stets ein falscher Freund aewesen in seiner Ländergier, in dem natürlichen Drange, endlich aus seiner zerstückelten Macht zu einem abge- lckloffenen zusammenhängenden Laudergebiet zu gelangen, sei es durch Aufgehen Preußens in Deutschland, oder umaekehrt' Wen man gerade verschlingen kann, das muß der günstige Augenblick lehren. Eine Kaisermacht gibt Oesterreich nicht zu; es muß ein anderer Weg eingcschlagcn werden, etwa ein Direktorium der fünf größten deutschen Staaten, denen man durch die Finger sieht, wenn sie allmahlig auf diese Weise einige kleinere verschlucken, um selbst ungestört einen großen Schmaus halten zu können.
Ich finde diesen Heißhunger ganz natürlich. Wenn sie sich nur schon sämmtlech verzehrt und auch ver- daut hätten . ^ ^ ^, ^ u ^setzt zwar der preußischen einige Seitenhiebe, im vollen Bewußtsein, daß Preußen
een falscher Freund ist; aber wer da glaubt, diese beiden Roten wären nicht Geschwisterkinder, der kennt die Schliche der'alten Diplomatie nicht, und Die Verschwörung der Höfe, gegenüber den Völkern.
Beide Noten sind in London, im Centrum der europäischen Reaktion, in einer Form gegossen, in der Form der Hinterlist der heimlichen Sonderinleressen, der Gelüste der alten Despotie und Tyrannei; sie sind nur in Berlin und in Wien ans Tageslicht gekommen. Diese alien Jesuiten sind schlau genug, dem Zeitgeist, der Offenheit und Ehrlichkeit verlangt, so viel Rechnung zu tragen, daß sie sich offen und ehrlich gebärden.
Wer ihnen traut, ist verloren! _ ,
Gutes Deutschland, weiche Zukunft werden Dir Deine Fürsten bereiten? — Volk von 40 Millionen, erfaßt Dich noch immer nicht die brennende Scham der Verzweiflung, Dein Schicksal in den Händen Deiner alten Tyrannen gelassen zu haben? O Vaterland, in welche blutigen Stürme wird Dich Deine Schwäche, Deine Entmannung, wird Dich die grausame Hand Beiner Henker noch stürzen!
Deine Freiheit haben Deine Professoren schon langst verschachert! Deine Einheit verschachern fetzt Deine Tyrannen.
G. Kellner.