Die Hornisse.
Zweiter Jahrgang.
S* 30. Kassel, Donnerstag, am 15. Februar 1649»
^^- Die ,, Hornisse " wird wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags 4 Ubr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr) und zwar im Hause der Madame Zimmermann, obere Entengasse Nr. 132, neben Hru. Kaufmann Bachfeld, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. abonnirt werden. Auch bei allen Postanstalten Kurhessens kann nunmehr, und zwar entweder für das ganze Quartal, oder auch für die Monate Februar und März (im letztern Falle zu 12 Sgr.) abonnirt werden. Im erstern Falle werden die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert Ausländische Postanstalten können bei den inländischen ihre Bestellungen machen.
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Das deutsche Oberhaupt, die preußische und die österreichische Note
„Was ist des Deutschen Vaterland?"
Ein Oesterreich! — ein Preußenreich.
II.
Der preußische Kaiser des Herrn von Gagern, der Herren Professoren Dahlmann, Beselcr und Waitz ist ein todtgebornes Kindlein.
Der preußische König hatte vor Zeiten einen schönen Traum, nachdem er die Leichen seiner lieben Berliner beschaut hatte. Aus seinem edlen Rosse, gehüllt in die deutsche Trikolore, durchritt er unter dem Hosianna der leichtgläubigen Menge, im Rausche der Rettung aus Todesgefahr, die Straßen seiner Residenz; ein reitender Orator sprach er von Preußens Aufgehen in Deutschland, und ließ sich huldvoll lächelnd als Kaiser der Deutschen begrüßen. Warum nicht? Die Sache war so poetisch, so dramatisch. Die Straßen noch halb verwüstet vom Barrikadenkämpfe, die Kostüme der geliebten Unterthanen so drastisch; Leichenzüge wechselten so picant mit dem Jubelgeschrei; und dazwischen nun hoch zu Noß, und trotz aller Schuld der Gegenstand des Jubels und der Liebe. ES war göttlich!
Diese Geschichte passirte vor 11 Monaten. Die guten Herren Professoren, vertieft in ihre gelehrten Arbeiten, hatten keine Augen und keine Ohren, um zu gewahren, was inzwischen geschah. Sie mußten in ihren Folianten nach den Grundrechten der Deutschen suchen, und sämmtliche deutsche Kaiserwahlen und Krönungen von der ersten, Karls des Großen, bis zu der letzten, Franz ^?., studiren.
Schon sahen sie sich im Geiste, den kaiserlichen S-chlepp tragend, im KrönungSzug aus dem Römer zum Dom in Frankfurt, schon sahen sie auf dem Römerberge die Ochsen braten und die rothen und weißen Weine springen; und Dahlmann ritt in Gedanken als neuer Reichspalatin unter das Volk, um die Krönungsmünzen zu vertheilen.
Da steckte man ihnen plötzlich die Noten Oesterreichs und Preußens in die Hände. Nun war es unleugbar. Es stand schwarz auf weiß, die einzige Sprache der Welt, welcher die Gelehrten Glauben schenken. Nun wurde plötzlich wahr, was die Linke ihnen so oft in der Paulskirche zugcrusen: „ein deutfcher Kaiser ist unmöglich!" Ann mußten sie's glauben; denn cs stand geschrieben.