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Erste öffentliche Sitzung des Bezirksraths zu Marburg.
Marburg, 8. Februar 1849.
Würdige Eröffnung 10 Uhr Morgens durch den Bezirksoorsteher Ungewitter, einen Staatsdiener, wie es wenige gibt; der Text seiner Rede: „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" — „laßt uns besser werden, dann wird 's besser sein", darauf Wahl des permanenten Ausschusses, der Ersatzmänner, des Rekruti- rungsrathes rc. *) Dann stellte der bekannte Deputirte Lederer folgenden Antrag: „Der Geist der Moralität, die Grundlage des politischen Lebens, werde hauptsächlich in den Schulen gepflegt, auf sie müsse das Hauptaugenmerk gerichtet werden, sie seien neu zu organisiren und von dem Ministerium ein Schulreserent für den Bezirk zu bestellen".
Der Antrag wurde znm Beschluß erhoben.
Prof. Fick stellte darauf den weiteren Antrag: „daß kein Geistlicher vom Ministerium als Schulreferent angestellt werde". Da kamen denn die alten bornirten Bedenken der Staatspolizisten zum Vorschein. Der ultramontane Hr. Braun aus Neustadt wollte seine lieben Geistlichen nicht fahren lassen, die schon so Verarmten und Gleichgültigen im neuen Staate des Atheismus. Herr Obergerichtsrath Zimmermann erhob formelle Bedenken (juristische Angewohnheiten!) mit der Bemerkung: „auch wenn er, wie Wippermann, der Aller- geschästsordentlichste genannt werde".
Aber der Antrag Fick's wurde zum Beschluß erhoben.
Erster siegreicher Strauß gegen die Oberhoheit der Kirche über die Volksschule.
Die Vertreter der intelligenten Berufsklaffen in unserm Bezirksrathe, die Herren Rentmeister Führer, Kornemann und der Amtmann Bode von Neustadt, waren so intelligent, daß sie gegen den Antrag stimmten; freilich, die Herren trugen blaue Reichsfrackröcke mit Löwenknöpfen; hatten ihre alten Reichsbefehle noch in der Tasche, die geistliche Gensdarmerie zu schonen, ihre Amtsbruderschafr. Schöne Volksvertreter! Nette Wahlen der Herren böchstbesteuerten Wahlmänner! Hohe Intelligenz im Bezirk Marburg! — Wir werden mehr von den Herren sprechen, wenn sie nicht schleunigst durch direkte Wahlen ihrer intelligenten Vertretungslast enthoben sind. — — l —
. *) Alles bffenrlich!!! — Unser Bezirksrath in Kassel denkt wohl, „rm Dunkeln ist gut munkeln?" Wir verlangen Leffentlichkeit.
Die Red.
~ 1 e unterbrochene Katzenmusik. s Beitrag zur Charakteristik der „R othh Smmel".)
Schuhmachermeister W. soll mit dem Schutzwächter Rothamel neulich in sehr unsanfte Berührung gekom
men sein. Die bekannten Getreuen des Letzter» gedachten deshalb den Hrn. W. mit einer Katzenmusik, wohl auch Fünftel einschmelßen , zu überraschen. Schon standen sie vor dem Hause desselben und probirten ihre zarten Kehlen, — da öffnet Hr. W. die Hausthüre, tritt unter das Häuflein und spricht kurz und bündig: „ Meine Herren, was wollen Sie, Bier oder SchnapS? oder beides? Sie sollen meine Gäste sein." Der Haufe berathschlagt und nimmt ohne Weiteres den Antrag des Hrn. W—r au. Sie tranken Schnaps und Bier, und es fehlte nicht viel, so hätten sie ihrem Herrn und Hauptmann ein Ständchen gebracht.
Uchrntcn - Geschichten.
I.
Lieutenant Brrr! Woher bist Du?
Rekrut: Aus Kassel, Herr Lieutenant.
Lieutenant Brrr! Ah! Was für ein Geschäft betreiben Sie?
II.
U n ter osfizier: Schinnos! (Rennt den Rekruten vor den Leib.)
Rekrut (kaltblütig): Unteroffizier, noch einmal! und ich steche Sie durch und durch!
Unteroffizier: Ach! es war ja Spaß!
III. Theorie.
Lieutenant Brrr! Was ist die erste Pflicht eines Soldaten? Antwort! Seinen ....
Rekrut: Seinen Fürsten zu schützen gegen — — Lieutenant (einhelfend) : Innere !...
Rekrut: Innere und äußere Feinde.
Lieutenant: Richtig! Wer sind die äußeren Feinde?
Rekrut: Wenn die Franzosen kommen.
Lieutenant: Gut! Und die inneren Feinde!
Rekrut: Die Wühler, die Demokraten, die Hunde.
Lieutenant: Was thust Du, wenn Du in ein Wirthshaus kommst, und sindest solche Wühler?
Rekrut: Nir!
Lieutenant Brrr! Das heißt, Du lässest Dich nicht mit ihnen ein, und glaubst kein Wort, waS sie sagen. — Und wenn sie Dir Bier vorsetzen?
Rekrut: So trink' ich'S aus, und geh' nach Haus (wenn ich Lust habe).
Lieutenant Brrr! Gut!
In Sachen des Hotop'schen Gläubigervereins dahier.
Herr Ho top dahier, der eines schönen Tages mit seinen Gläubigern zu 25 oder 30 Prozent ak- kordirte (bankerott machte?), hat einen Verein gegen säumige Schuldner gegründet. Dem Manne