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durch die Janitscharen des modernen Europa's, durch die Baschkiren des Westens, durch die stehende Soldateska in Wien und Berlin, in Baden und in Frankfurt.
Wäre es nicht blos ein Zwischenspiel gewesen, der blutige König von Preußen würde nicht wagen, eine solche Behauptung aufzustellen. Eine Revolution ist e n Ding, das man nicht hinwegleugnet, ohne die Gefahr, sein Haupt auf das Schaffst zu legen, oder für verrückt erklärt zu werden.
Das Schaffst scheint aber diesem gekrönten Deklamator noch ziemlich fern zu sein, und für verrückt will ihn noch Niemand erklären, obgleich schon in der Zeit vor der s. g. Revolution Stimmen laut wurden, Stimmen seiner getreuen Unterthanen, die ihn einen excentrischen Mann nannten, einen närrischen Freund der alten Romantik und des alten Rheinweins.
Diese Stimmen sind jetzt verstummt. Natürlich! — Das muß ein weiser, ein besonnener Herr sein, der da im allgemeinen Delirium der Herzen und Geister ganz nüchtern und trocken erklärt, daß Alles beim Alten sei, und der hundert Kanonen bereit hält, diese Behauptung auss Treffendste zu rechtfertigen.
Einstmals nannten sie ihn sogar Bluthund, verfluchter Mörder, Leichenbeschauer, Rabenvater und was dergleichen Ehrentitel mehr sind.
Diese tapferen Großschreier und Maul-Helden sind nun gar in die Mäuselöcher gekrochen; sie gestehen mit bebendem Herzen, zu vorlaut gewesen zu sein, man möge es ihrer Jugend, ihrer Unerfahrenheit zu gute halten, sie wären jetzt auö ihrer ersten Rage zur politischen Besonnenheit gekommen, sie müßten eingestehen, daß das alte Geschlecht der Hohenzollern höchst, höchst chrenwerth, daß Fritz -Wilm in Potsdam ein ruhmreicher, allerweisester Sproß und wohl würdig des alten Kaiserdiadems sei, ja vielleicht der Einzige, dessen dicker Schädel es zu tragen vermöge. Sela !
Hockberzige, freiheitsdurstende Seelen, so steht es in Deutschland! — Die Schreier der Märztage des Jahres 1848 sind verstummt, sie thun Buße in Sack und Asche, oder huldigen von Neuem den von ihnen geschmähten Tyrannen. Und riese Tyrannen selbst, an der Spitze ihrer bezahlten Bajonette, erklären die Revolution für nie dagewesen, für ein Zwischenspiel, wo sie dem Volke die Zügel weniger stramm anzogen, um es zu prüsen, ob es der Freiheit würdig sei, welche sie ihm schon längst zugedacht, und um dann nach der Prüfung mit straffgespannten Zügeln und mit der Peitsche die wilden Rosse in die vorausbestimmte Bahn zu lenken. Das ist der Inhalt der preußischen Circular note.
Diese Circularnote beweist von Neuem, daß Deutschland keine Revolution gemacht hat; es war nur das Vorspiel. Es war das Vorspiel deS letzten Aktes in jener großen Wclttragödie, die in Frankreich begonnen mit der Hinrichtung Ludwigs des Sechszehnten, deren Schauplatz ganz Europa geworden, und die enden wird mit dem Stur; sämmtlicher Fürsten und Fürstenknechte, und mit der Freiheit Europa's!
Der Geburtsadel ist so gut wie gestürzt. Die Fürstengeschlechter sind die letzten Reste des Geburtsadels.
Die preußische Circularnote beweist aufs Neue, daß es eine Sippschaft ist, die in Noth und Tod zusammensteht, eine Familie von Brüdern, Vettern und Schwägern, diese europäische und deutsche Fürstenfamilie. Keine Krähe hackt der andern die Augen aus. Nur mit dem Unterschiede, daß in dieser Raubvogel- und Raubthierfamilie der Adler, Falken, Löwen, Bären, Leoparden u. s. w. immer der größere den kleineren auffrißt, unter dem Scheine der größten Liebe und Freundschaft, und daß, je größer gerade das Einverständniß zwischen den Herren, desto näher auch der gegenseitige Betrug ist, oder der Betrug und Tod einiger schwächeren Raubthiere.
In der preußischen Circularnote fällt vor allenDingen das herzliche Einvernehmen mit Oesterreich auf. Es muß also etwas höchst Gefährliches^im Werke sein. Oesterreich nämlich schlachtet ruhig seine deutschen Unterthanen in dem österreichisch-slavischen Staatsverband; Preußen laßt cs geschehen und verlangt dafür die kleinen Staaten von Deutschland.
In der preußischen Circularnote fällt wiederum auf die liebenswürdige Freundlichkeit gegen die anderen Herren Vettern Liebdcn in Deutschland. Muß also wieder etwas Gefährliches im Werke sein. Die Angst und Wuth der etwas größeren Herren soll beschwichtigt werden, damit man die kleineren ungehindert fassen kann.
Kaiser will der Herr König gar nicht werden, ein König kann's auch fertig bringen.
Gutes Kurhessen' Du liegst so frech zwischen den westlichen und östlichen Provinzen von Preußen, so ver- lockeud zwischen den Zähnen Deines Nachbars, ein delikater Biffen. Du wärst am leichtesten zu verdauen, nebst dem kleinen Zugemüß von Anhalt-Bernburg und dergleichen.
Von dieser Gefahr träumen unsere tapferen nationalen Landstände keinen Augenblick; der König von Preußen soll erblicher Kaiser sein, so faseln sie und unterschreiben ihr eigenes Todesurtheil.
G. Kellner.