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gewälzt, daß er im Gegentheil nur so hoch gewälzt werden konnte, um in seinem Fall alle Democratie zu zermalmen, alle Herzen zu brechen, in die nur ein Strahl jener heiligen Morgensonne gefallen war, darnach wir uns gesehnt, darnach wir geschrien, darnach wir uns in den Tagen unserer Schmach, unserer Entwürdigung gesehnt hatten, so heiß/ wie ein Kind sich nach dem treuen Auge seiner Mutter nur sehnen kann.
Frieden mit aller Welt! Der gewaltige Mann der ersten französischen Revolution, Napoleon, war todt! Er allein hatte begriffen, daß es eine blöde Kinderei, eine aberwitzige Sentimentalität ist, dem Bunde der Fürsten gegenüber, jenem scheußlichen europäischen Henkerbunde gegenüber, gestiftet, um dort wie hier, im Norden wie im Süden, in Ost und in West mit gemeinschaftlicher Macht den zuckenden Geist der Freiheit in Ketten und Banden zu legen, daß es jenem Bunde gegenüber, der später mit dem Namen „heilige Allianz", „ europäischer Fürstenbund " alles Heilige und Erhabene gcbrandmarkt hat, ein offener Verrath, ein Selbstmord sei, das Schwert in die Scheide zu stecken, daß es da nur ein Mittel gäbe, das junge Kind der Freiheit vor dem Würgengel zu retten: der Krieg, die europäische Schlacht, der Krieg gegen alles, was Fürsten heißt, was in den alten Ränken und Diplomatenkünsten ergraut ist, was seit Jahrhunderten den Wein der Tyrannei getrunken, seit Jahrhunderten vom Blute der Völker gelebt hat. Bei den eisernen Fußtritten Napoleons brach die Welt der Lüge und Heuchelei, sanken die Herren der Welt in die Knie und stammelten um Gnade und Barmherzigkeit. Bei den Friedensworten des „edlen" Lamartine jubelte und jauchzte daS ganze Gelichter der Vergangenheit, wurden die weggeworfenen Kronen wieder auf daö Haupt gesetzt, wurden die alten Pergamente wieder zu- sammcngelcsen, aus denen das Recht auf Tyrannei bewiesen , daS Recht auf Freiheit als Hochverrath deducirt werden sollte. Das Manifest des Friedens war die Verkündigung der berechtigten Reaction, der ver- urtheilten Revolution.
Die Reaction ist da, der alte Fürstenbund ist da, die Interventionen zu Gunsten des fürstlichen Erbrechts sind wieder da, die diplomatischen Staatsstreiche sind wieder da, — die Revolution, die französische Republik, die europäische Demokratie ist wieder vogelfrei geworden! Die faden Schwätzer haben von dem ganzen Princip der Brüderlichkeit nichts gelernt, als die Angst vor einer entscheidenden That, als die Weiber- furcht vor einem kühnen Griff, der sicherer geht, als der des „edlen" Eagern, des Mannes der Unterhandlung, des ^sich -Fügens, des laissez faire!
Sllö ob die Hand eines Metternich, eines Louis Philipp, eines Fritz - Wilm nicht weiter gereicht hätte, als biS an die Marken der eigenen Dynastie, als ob Metternich nicht in Frankreich, Louis Philipp nicht in
Preußen, der Herr von Preußen nicht in Oesterreich regiert hätte! Als ob es genug wäre, von drei Dynasten, von drei Despoten, von drei Würgengeln den einen verjagt, dem einen die Hand abgeschlagen zu haben, als ob auf dem Continent ein Land frei und daS andere Sclave sein könnte.
Blöder als die französische Republik, feiger als Lamartine, verrätherischer, jesuitischer als die provisorische Regierung Frankreichs ist keine Regierung gewesen, selbst nicht die des sardinischen Meuchelmörders, der offenen Landesverrath treibt. Mit dem Sturze Louis Philipps war nicht die Monarchie, sondern nur der Namen gestürzt, mit dem Sturze Louis Philipps war für das französische Volk eine Regentschaft proklamirt, eine Fünf-, Zehn-, Fünfzehn-Herrschaft, die Herrschaft aller Dynasten des Continents über daS blöde, eigensinnige, revolutionäre Kind von Frankreich.
Die Mäßigung ist eine schöne Sache! Aber ein Un« sinn ist es, diese Mäßigung so weit auszudehnen, im Kampfe um die Freiheit auf halbem Wege stehen zu bleiben, mitten in der Rache für alle jahrhundertlange Schmach die Hand sinken zu lassen, dem wuchernden Stamme der alten Tyrannei nur einen Ast abzuhauen, statt ihn mit der Wurzel auszurotten, jener berüchtigten Schlange nur den einen Kopf zu zertreten. DaS ist keine Mäßigung, das ist Feigheit, Aberwitz, daß heißt den Blitz auf das eigene Haupt lenken, die getretene Macht herausfordern, einen letzten entscheidenden Schlag zu thun.
Dank dem heiligen Fürstenbunde, Dank der gemeinsamen Würgschlacht gegen die Freiheit! — Die europäischen Völker sind solidarisch verhaftet für ihre Revolutionen, die Revolution des einen ist die Kriegserklärung gegen die Tyrannei über das andere. Die provisorische Regierung hat ihre Mission verkannt, die provisorische Regierung ist gestürzt, die Diener Louis Philipps, des Entthronten, nisten sich wieder in die alten Stellen ein, Louis Philipp selbst herrscht vor wie nach in dem Lande der Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit.
Der Augenblick ist vorüber! Die französische Revolution hat den schwersten Theil ihrer Aufgabe von sich geschüttelt, sie hat ihn auf die Schultern der Demokratie Europas geladen. Vielleicht ist es besser so!
Die Demokratie Europas wird für die Zukunft Hand in Hand dem Bunde der Lüge, der Halbheit, der Schurkenstreiche gegenübertreten. Die Demokratie Europas wird es sich zur Aufgabe stellen, die nächste Revolution nach einem Pläne, unter einer Leitung zu beginnen.
Die europäische Reaktion hat gesiegt, damit die europäische Revolution Zeit gewinne zum letzten gemeinsamen Schlage auszuholen. Möge der Schlag tief und schwer genug fallen.
H. Heise.