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Der konstitutionelle Staat und die ewige Krists.
Der konstitutionelle Staat ist eine schöne Erfindung. Eine unbezahlbare Erfindung für alle Zöpfe und Perrüchen, für alle Advocaten und Wortkramer, für alle halben und alle feigen Seelen.
Sie glaube,u, er wäre in England erfunden, oder stellen sich so an, als glaubten sie'ö. Eigenthümliche Käuze! Was würden die Engländer sagen, wenn ihnen eines schönen Tages ein Landsmann den alten deutschen Staatenbund, oder auch den neuen Bundesstaat (?) mit einem Kaiser ohne Thron und Krone als Universalstaatsmedicin empfehlen wollte? — Sic, die seit 6 Jahrhunderten sich allmählich in einen Staatsorganismus hinciugelebt haben, dessen elender, blasser Abklatsch die ganze Weisheit unserer Staatsrechtslehrer ausmacht, und der, trotz der Gewohnheit so vieler Menschenalter, ihren Gesichtskreis nicht so gefangen hält, daß sie nicht anfingen, an seinen Grundvcsten zu rütteln.
Schon lebt es in der Seele von Millionen in Altengland, Irland und Schottland, daß die Fesseln des alten Staates zerbrochen und seine Schranken zerstört werden müssen. Die Chartisten, die Demokraten Englands, sammeln sich zum Kampfe; die Flammen der Revolution werden emporlodern in einer stillen Nacht, eh' sich die Wucherer und Geldjuden Britanniens aus ihrem Spießbürger-Schlafe emporzurütteln vermögen; aber sie werden sich erheben, diese kalten Seelen, diese unter dem Druck der Gcldkasten zu Metall gewordenen Herzen, diese eisernen gigantischen Welt-Spießbürger. Ihre Wuth und ihr Ingrimm werden entsetzlich sein. Es wird eine heiße Schlacht werden auf Albion, heißer wie je eine geschlagen wurde in der alten und in der neuen Welt, heißer und blutiger wie alle Freiheitskriege des Continents, wilder wie der wildeste Barrikadenkampf in Paris, in der alten Stadt der Schlachten.
Und das Ende wird sein der Sturz eines hundertsährigen Staatsbaues, dessen Zusammenfall die ganze Welt in ihren Fugen erschüttern wird; das Ende wird sein die Flucht und der Tod der altenglischen Aristokratie, das Verderben der Wucherer und die Herrschaft der so tief verachteten Canaille.
Durch die tausendjährige Geschichte dieses Volkes zieht sich der rothe Faden der Revolution, der fanatischen Freiheitskämpse. In die Tage der Gegenwart ragt die Erinnerung der Vergangenheit an das blutige Schaffst eines gottgesalbten und gottverlassenen Königs, ragt die Erinnerung an die Vertilgung all dieser falschen, schillernden Fürstenpracht, all' dieses hochadeligen Prunkes und Dünkels — die Erinnerung an die Tage der puritanischen Republik Olivier Cromwell'S.
Es sind Jahrhunderte entschwunden. Und wären es Jahrtausende! Meint Ihr, ein solches Volk vergäße der Tage der Freiheit, des Versuchs zur Freiheit? Ebensowenig wie in den Herzen der Franzosen jemals die Erinnerung erloschen war an die Tage der ersten Republik und an den Fall jenes königlichen Hauptes, so wenig wie die Erinnerung an den Februar- und Junikampf, an die sociale Republik der ersten Märztage in diesen heißen Seelen verschwinden wird.
Das vergossene Blut der Freiheittschlachten, vergangene Heldengröße, Sturz der Tyrannen, das sind die Erinnerungen der Geschichte, aus denen daö Herz des europäischen Sclaven den einzigen Trost saugt, und immer neuen Muth und immer neue Todesverachtung.
Und in Deutschland wollen die Spießbürger und die gelehrten deutschen Perrückenstöcke, die der gutmüthige Michel vom Bücherstaub nach Frankfurt geschickt hat, um ihre Weisheit dort leuchten zu lassen, 'hhrc verstaubte, vergilbte, auszehrende Lebensweisheit: — in Deutschland wollen sie den konstitutionellen Staat jetzt noch begründen „fest wie der Erde Grund."
Natürlich, der abgerissene Michel nimmt nichts lieber, als die abgetragenen Wämser anderer Leute. — O cè ist so bequem! — Man braucht kein neues Gespinnst zu weben, kein Muster zu erfinden, das Gefühl und der Verstand kann guhcn. Der schwerfällige John Bull wirft einige Lappen fort, der arme Michel liest sie sich auf. Der behende Robert Macaire wirft seinen alten goldgestickten StaatSfrack, seine Eöcarpins und seine alte MontcSquicuhchc Genuese von sich, und jubelnd springt mein Michel herbei und fährt in die engen Aermel, daß alle Räthe platzen und ihm daS Hemd um den Leib hängt.
Ehrlicher, fauler Michel! Du bist viel zu plump für so künstliche Gewänder, für so subtile Staatöformen und Manieren. Einen FlauSrock für Deine groben Glieder! — eine republikanische bequeme Jacke für Deinen derben gesnndheirsstrotzenden Körper! — Ja, wenn Du vor Fett und Eutmüthigkeit zur Vernunft kommen könntest!
Deine Juristen lassen Dich nicht dazu kommen. Die französischen Advokaten haben ihn er sunteu, den con- stitutioncüen Staat, indem sie die Geschichte Englands abbrülche», und zu eindr dünnen theoretischen Staatswasscr- suppe »erarbeiteten. Da staunten die deutschen Rechtsverdreher und Staats Und mit deutscher alberner Gründlichkeit warfen sie ganze Körbe voll Brocken in die Suppe, und fingen an, sie für den deutschen Michel zuzubcreitcn Sie rührten, bis cs ein schöner Brei ward. Und nun soll er ihn verschlucken, der dicke Michel.