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aller menschlichen Thorheiten sich entäußern und über dem Staate schweben, als eine von aller Persönlichkeit ent­kleidete Idee, als ein Gedanke, als ein lebloses Bild, als der Glanz der Krone, des Thrones, als das Etwas, als der Schwerpunkt, der gedachte Punkt, um welchen die Staatsmaschine sich dreht in harmonischer Sphärenmusik?

Wenn ein Fürst glaubte, daß das möglich wäre, würde er keinen Augenblick Fürst bleiben, oder er müßte gänzlich von der Mutter Natur vernachlässigt sein. Er glaubt das Gegentheil, er wünscht das Gegentheil, er muß es wünschen, denn er ist eine Persönlichkeit, eine menschliche Persönlichkeit mit all' ihren Fehlern, Schwä­chen , vielleicht auch mit einigen Tugenden. Wenn er wüßte, daß ihm kein einziger Schritt rechts oder links ver­stattet wäre, ohne daß ihm das gebieterische Halt der Minister, der Stände und des Volks an die Ohren tönte, ihm dem heiligen, unverletzlichen Gotte aus Erden — wenn er das wüßte und fest erwartete, — würde er dann die Qualen seines Daseins ertragen mögen, das ihm auf der einen Seite die Glorie eines Unsterblichen um das Haupt windet, und auf der andern ihn unfreier macht, als den ärmsten Tagelöhner seines Reiches? Er muß das Gegentheil wünschen. Er muß wünschen, sich frei bewegen zu können, er muß wünschen, die constitu- tionellen Staatsformen und Verhältnisse seinem Willen, seinen Ansichten, seinen Gelüsten anschmiegen zu können.

Und was wünschen seine constitutionellen Unterthanen? — Daß er Nichts sei, Nichts, als was ihm die Staatsverhältnisse momentan erlauben.

Und aus diesem ewigen Widerspruch glaubt ihr immer noch eine wohltönende Staatsharmonie Herstellen zu können? O Verwirrung der Begriffe! — Die Ministerkrisis wird dauern — so lange der konstitutionelle Staat dauert.

Und wenn sie aufhört — dann haben die Minister ihre Pflicht versäumt — und der konstitutionelle Staat wird aufhören. -

Der ewige, nun erkannte Widerspruch des konstitutionellen StaatS wird durch jede zu Tage kommende Mi­nisterkrisis, d. h. durch jeden neuen Widerspruch zwischen der Krone und dem Volk, einen Schritt näher zu seiner Lösung gedrängt.

Und diese Lösung heißt entweder — russische Despotie — oder R epublik!

Hier habt ihr Krieg oder Frieden! — WaS wollt ihr? G. Kellner.

Die Neuhessische Zeitung und die Ministeekrisis

Si medicamenta non sanant, ferrum sanat!

Wenn Arzneimittel nicht heilen, Eisen heilt!

Hier ein neues Pasquill, eine neue Schmähung für Dich, alte Klatsche mit jugendlichem Titel, Vorkämpfe­rin der Widersprüche, Treulose an Dir selber.

Gut, daß ich Dein Feind bin. Vor meinen Feinden will ich mich schützen — Gott bewahre mich vor solchen Freunden! Diese Worte müssen Dir die Minister Kurhessens zurufen, deren Fall Du mit Posaunenton vorher ver­kündet, als er in Deiner falschen Seele als möglich galt, um nachher, als er möglich geworden, mit Triumphge­schrei Deine Sehergabe preisen zu können. , ,

Was willst Du? — Bist Du nur unreif und'ohne alles Prinzip, bist Du nur zu jung an Verstand und zu alt an Herz? oder bist du wirklich die falsche Schlange, die Dein Schleichen und Deine Gewissenlosigkeit ver­muthen läßt? Bist Du besser, oder bist Du schlechter als Dein Benehmen?

So wird es immer sein, wenn man schwache, verworrene Köpfe beurtheilen will, entweder hält man sie für zu gut, oder für zu böse!

Ich halte Dich zwar für verworren und unreif, aber für äußerlich blasirt verständig genug, um Unheil an­zurichten, um Verworrene noch mehr zu verwirren. Ich halte Dich für frech genügtes offen zu thun, und für böswillig genug, es zu beabsichtigen. Da hast Du mein Glaubensbekenntniß über Dich.

Ich beschäftige mich gern mit Dir. Ich studire an Dir mit Vergnügen alle jene lächerlichen Widersprüche einer prinziplosen Seele, alle Brutalität eines gottgesegneten konstitutionellen Spießbürgers, alle Falschheit, alle Schleichwege einer kleinlichen Advokatennatur, allen Hochmuth deS Beamtenthums und der Volksverachtung.

Du bist mir der Spiegel des kurhessischen konstitutionellen Spießbürgermikrokosmus, der sich so weise dünkt, der sich so komisch aufbläht und spreizt, der fortwährend im Gebären liegt — und nie ein lebendiges Kind zur Welt bringt.

Heute will ich nur Deine Konsequenz in einer einzigen Angelegenheit bewundern, in der Minist erkrisis