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D i c Hor ntsse.

Zweiter Jahrgang.

jf£ 13. Cassel, Dienstag, am 30. Januar

1849.

Q^ Die Hornisse " wird wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags 4 Uhr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr) und zwar im Hause der Madame Zimmermann, obere Entengasse Nr. 132, neben Hrn. Kaufmann Bachfeld, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. adonnirt werden. Auch bei allen Postanstalten Kurhessenè kann nunmehr, und zwar entweder für das ganze Quartal, oder auch für die Monate Februar und März (im letzter» Falle zu 12 Sgr.) abonnirt werden. Im erstem Falle werden die bereits erschienenen Nummern nachgeliefert Ausländische Postanstalten können bei den inländischen ihre Bestellungen machen.

Anzeigen aller Art (abzugeben in der Expedition des Blattes) finden Ausnahme und wird die Spaltenzeile aus der Petitschrift, oder deren Raum, mit 1 Sgr. berechnet. Die Redaction.

Die Ministerkrisis

Eine Krisis und ein Fieber sind nie weit von einander.

Das Fieber hat schon lange gedauert, und wird sobald nicht aushören. Die Krisis wurde stündlich erwartet, und war schon oftmals am Ausbrechen. Kurhessen schwebt mit einem Worte seit geraumen Jahren in fortwähren- der Ministerkrisis.

Sein oder Nichtsein, das ist hier die Frage, mit welcher ein Minister sein Tagewerk beginnt und schließt, die sich in seine Arbeiten, seine Vergnügungen und in seine Träume mischt.

Sein oder Nichtsein ist die Inschrift seines Portefeuilles. Mit der Eingabe um allergnädigste Ent­hebung vom mühevollen Posten in der Tasche ißt, trinkt, schläft und wacht er. Es ist ihm wenigstens zu rathen, sonst möchte seine Heiterkeit getrübt und sein Muth gebrochen sein.

Da giebt eS kein Ereigniß noch so geringfügig, zwischen Erde und Himmel, das nicht Einfluß auf das fortdauernde Fieber und auf den Ausbruch der Krisis üben könnte. Mondwechsel, Ebbe, Fluth, Kälte, Wärme, Regen, Sonnenschein, Stürme im Osten und im Westen; es hat nicht Alles Namen.

Welche Präservativmittel gehören dazu, um durch diese tausend und abertausend Klippen hindurchzulaviren, Thermometer, Barometer, Sonnenschirme, Regenschirme, Bücklinge und gehorsamste Kratzfüße, Abpaffen, Ueber- raschungen, dickes Fell, lange Ohren, Seufzerlosigkeit, heitere Mienen, glatte Manieren und ewiges Lächeln. Und den ganzen Apperat muß dieser Unglücklichste aller Sterblichen für jeden Augenblick in Bereitschaft halten. Hof­wetter ist Aprillenwetter.

Aber dafür ist der Hof, dafür ist es die Krone.

Was wollen diese constitutionellen Menschenkinder? Wer hat die Krone mit jenem blendenden Glanze der Heiligkeit und Unverletzlichkeit umgeben? Wer hat sie erhöht über alle irdischen Angriffe, über alle Kritik und freie Beurtheilung durch den festen Wall der Majestätsbeleidigungen und der unbegrenzten Ehrfurcht?

Darf ein Gott nicht zürnen? Darf ein Gott keine Launen haben? ZeuS schleuderte seinen eignen Sohn aus Laune vom Himmel auf die Erde; Juno vertilgte Ilion und Priamos ganzen Stamm aus einer liebenswür­digen Laune, aus gekränkter Eitelkeit; aus Caprice ließ Apollo dem Midas Eselsohren wachsen. Niemand zwei­felte am Rechte der ewigen Herrscher zu all' diesen willkürlichen Spässen. Dafür waren eS Götter!

Seht, so einfach dachten die Alten. Sie trennten nicht die menschlichen Eigenschaften vom Amte des Men­schen; ihre Götter waren heilige Menschen, aber sie waren Menschen.

Eure Götter aber, ihr Constitutionellen, dieheiligen, die unverletzlichen", die niemals heilige Menschen waren, sondern meistentheils unheilige Sünder, diese sollen plötzlich aller menschlichen Schwächen,