D t e Horn i s s e.
Zweiter Jahrgang.
Jfs 11 Cassel, Donnerstag, am 25. Januar 1849.
C^“ Die „ Hornisse " wird wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags *1 ndr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr.) und zwar im Hause der Madame Zimmermann, obere Entengasse Nr. 132, neben Hru. Kaufmann Bachfeld, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. abonnirt werden. Für die Möglichkeit eines gleichen Abonnements durch die Post ist Sorge getragen.
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Das erste Geschworenengericht
(Fortsetzung des zweiten Artikels.)
I. Der Präsident.
Herr Gieße hatte Fiaöco gemacht. Die Hessische Zeitung erklärte, daß er keine Energie entfaltet habe, — was bedurfte es mehr? Wer keine Energie entfaltet, ist in den Augen des Spießbürgerregiments und seiner Bagage nichts nütze, wer nicht drein schlagen kann, daß die Funken umherfliegen, daß der arme, ausgestoßene Theil des Volks am Fuße des Sinai niederkniet und das goldene Kalb statt der zehn Gebote anbetet, — der ist ein Licht, daS sich unter den Scheffel stellt, der hat nicht den nöthigen Applomb, die gehörige Eisensressercourage. Der Fehler des Hrn. Gieße war nicht etwa der, den wir gerügt haben, der Mangel eines tieferen Gefühls für die Bedeutung des Geschwornengerichts, zumal des ersten, der Mangel aller und feder Begeisterung, der Fehler war nicht seine zu Fleisch und Blut gewordene Jnqmsitionsmarime, seine Kälte, Dürftigkeit, Trockenheit, Nüchternheit, — bewahre! Hr. Gieße war kein Eisenfresser, kein hessischer Schutzwächter, kein Corporal, wie er sein soll und muß, mit Polizeistock und Distel! Hr. Gieße wurde also beseitigt!
An seine Stelle trat Hr. Endemann, Obergerichtsdirector, beliebiger Präsident beider Senate des Obergerichts. Hr. Endemann ist sicher ein gewandter Jurist, ein routinirter Präsident am grünen Tisch, — Hr. Endemann ist mehr, er meint'e mit Gott und der Welt so gut, so gut - — als ein Jurist es meinen kann; aber Hr. Endemann ist doch kein beweglicher Geist, kein Mann, welcher Begeisterung für das große Staatsleben, die strömende Bewegung des Volkes hat, sondern ein Mann, der die Begeisterung lernt, der sich vermöge seiner Geschäftsgewandtheit an die neuen Formen anschmiegt, kein Manu, der sich als Präsident des Geschwornengerichts gehoben, getragen fühlt, der diesem Institute seine Würde und Weihe aus eigener Seelenfülle aufzuprägen vermöchte, der sie ihm vielmehr nur äußerlich, durch ein paar gâng und gäbe Manövers, zu verleihen im Stande ist. Hr. Endemann präsidirtc nicht aus sich, sondern auS andern heraus. Er hat Nachahmungstalent. Aber eben dieses Nachahmungstalent gab ihm gegenüber dem Hrn. Gieße eine Überlegenheit, gewährte ihm den freien Ueberblick, gab ihm Muse, einen Theil seiner Thätigkeit zu Gunsten der Polizei zu verwenden.
Hr. Endemann eröffnete das Geschwornengericht mit der Erklärung, daß fetzt die gerichtliche Polizei in Kraft trete. Bravo! Hr. Endemann begann also nicht damit den Fehler seines Vorgängers wieder gut zu machen, das Publikum von der moralischen Seite zu fassen, es für Ordnung und Ruhe durch den Act selbst zu begeistern, Hr. Endemann verlas so zu sagen die Aufruhracte, er wirkte durch die Bajonette. O, wie verblendet ihr seid! Wie wenig begreift ihr, daß in der Brust eines feden, auch des geringsten unserer Brüder, ein verborgener Quell zu finden ist, auS dem ihr Alles, Alles, Thränen, Liebe, Begeisterung rinnen lassen könntet, wenn ihr es nur verständet, das rechte Wort zu finden, wenn ihr nur selbst Begeisterung, Liebe,