D i e Hor Nisse.
Zweiter Jahrgang.
IP 5. Cassel, Donnerstag, am 11. Januar 1849*
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Das einige Deutschland.
Wir haben von Anfang an behauptet, daß die Einheit Deutschlands eine pure Redensart, eine Lüge sein würde, so lange im Herzen unseres Vaterlandes noch ein König von Preußen, ein Kaiser von Oesterreich, solange also überhaupt noch ein deutscher Fürst seine Hand am Scepter halte. Die Geschichte der letzten Monate hat unsere Behauptung über allen Zweifel gestellt. Die Lage der Dinge ist jetzt die, daß das souveräne deutsche Volk, das Volk, dessen begeisterte Pulsschläge im Frühjahr weit über die Throne und Kronen hinaustrieben, jetzt mit eben diesen Thronen und Kronen zu unterhandeln gezwungen ist, daß die deutsche Revolution so weit durch doctri- näre Schwätzer, durch feile Lakaienseelen, durch engherzige Spießbürger verrathen ist, um mit den gottgesegneten Dynasten die deutsche Verfassung „vereinbaren" zu müssen.
Das Volk wollte souverän sein! Das war der Kern der Märzbewegung. Das Volk war es müde, sich wie eine Heerde Schaafe behandeln zu lassen, das Volk war es überdrüssig, seine Gesetze, seine Religion, seine Bildung, seine Mo, al aus den Händen der Gesalbten zu empfangen; der plumpe deutsche Michel raffte sich auf, um endlich, endlich einmal gegen die heimtückische Politik seiner Herren, gegen den hinterlistigen Mord seiner Ehre, seines Herzens zu protestiren, um endlich Rechenschaft zu fordern über die Schändung des deutschen Namens, über den Schacher mit seinem Eigenthum, über die Banditenstöße, das Blutabzapfen, die Würgereien, welche Tag für Tag und Nacht für Nacht seine Väter und <söhue, seine Brüder und Schwestern dem Tode, dem Gefängniß überlieferten, welche geübt wurden im Namen Gottes und seines Stellvertreters, geübt im Namen des Rechtes über Leben und Tod, der Herrschaft über Alles, was da lebte und Odem hatte. ....
Der deutsche Michel wollte souverän sein. Er geberdete sich wie ein Pascha mit sieben Roßschwelfen, zagte die Helfershelfer der Fürsten aus dem Lande, schimpfte und fluchte, drohte und steinigte, rückte in die Gemacher der Fürsten und warf Koth und Schimpfworte auf die Throne der Fürsten, der deutsche Michel war wüst, plump, romantisch, wie immer, es war der deutsche Michel in souveräner Begeisterung; aber eben der deutsche Michel, derselbe Michel, welcher seinen Gegner für geschlagen hält, wenn er ihn beschimpft hat, wie einen Gapenzungen, der sich in seinem Gewissen beruhigt hält, wenn er mit dummklotzigem Gesicht und mit den Worten. „So, da hast du's!" seinen Feind hinter die Ohren geschlagen hat, derselbe Michel, der nach einer einzigen gewonnenen Schlacht tanzt und jubelt und trinkt, der nicht daran denkt, daß der geschlagene Feind der ärgste Feind, der unversöhnlichste Gegner wird, daß der Feind nicht eher geschlagen ist, bis er vernichtet ist. Der deutsche Michel glaubte seinen Peinigern eine Lehre gegeben zu haben, an die sie „ihr Leben lang denken" wurden.
In Frankfurt trat das Vorparlament zusammen. Das Vorparlament war der Ausschuß der deutschen Michel, die Elite der gutmüthigen Prahlhänse, der vertrauenden, hoffenden Narren, die sich^über alle Reaction erhaben glaubten, die gar nicht deu Gedanken fassen konnten, daß es nach einer so kolossalen Darlegung des Volkö- willenS noch möglich sein würde, diesem Volkswillen bei Gelegenheit den Fuß zu setzen, ihm dann offen mS'Ge-