Einzelbild herunterladen
 

D i e Horn i f f e.

Zweiter I ah rga n g.

M= 4» Cassel, Dienstag, am 9. Januar 1849.

Zur Nachricht.

Das Blatt erscheint auch in diesem Jahr und zwar jedenfalls bis zum Anfang des zweiten Vier­teljahrs, bis wohin es hoffentlich gelungen sein wird, die Vorbereitungen zu der von Dr. Kellner und H. Heise beabsichtigten Herausgabe einer größeren politischen Zeitung zu vollenden.

DieHornisse" wird in diesem Jahr wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags 4 Uhr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr.) und zwar im Hause des Buchbinders Stief am Wkarställerplatz, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. abonnirt werden. Für die Möglichkeit eines gleichen Abonnements durch die Post wird Sorge getragen.

Zur ferneren Nachricht diene, daß das Blatt in diesem Jahre wöchentlich eine Nummer, und zwar die Sonnabends erscheinende, vorzugsweise den Jämmerlichkeiten und Thorheiten unseres lieben Vaterlands widmen, in den andern beiden Nummern aber wie bisher, trotz aller deshalbi- gen Verfolgungen durch Staatsanwälte und sonst, mit unerschütterlicher Ausdauer dem mißhandelten Geiste unserer Revolution das Wort reden wird. Die Redaction.

Gegen die Prediger der Monarchie.

Es gibt nichts demüthigenderes, entehrenderes für das deutsche Volk, als die nichtsnutzige, von allen Spießbürgern gepriesene Behauptung: die republikanische Staatöform sei der Geschichte, dem Be­wußtsein, Leben und Bildung sgang e des deutschen Volkes nicht angemessen. Damit ist nämlich behauptet, das deutsche Volk sei eine Rotte geborner, unverbesserlicher Speichellecker, eine Bande von Taugenichtsen oder Sclavenseelen, seine Geschichte der fortgesetzte Beweis seiner kriechenden, winselnden Gesinnung, sein Bewußt­sein dasselbe, was eine Georgierin im Harem des türkischen Sultans hat, sein Leben eine Kette von Demüthigun­gen und Ergebenheitsadressen, von Peitschenhieben und Dankgebeten, sein Bildungsgang der grade Weg zur Bar­barei, zur chinesischen Verdummung! Das Alles wird mit jener einfachen Behauptung ausgesprochen, die wir an allen Straßenecken posaunen hören, bei deren Klang der Philister seine Maitresse in den Arm nimmt und den Maskenball besucht, bei deren süßem, heiligem, begeisterndem Klänge die Champagnerpfropfen stiegen und jubelnde Toaste auf Deutschlands Zukunft, seine Einheit und Freiheit ausgebracht werden.

Wahrlich, wenn man das deutsche Volk auf so schaamlose Weise in den Staub ziehen hört, wenn man sieht, daß es um sein Bestes, seine Geschichte, diese Geschichte der Begeisterung, des Ringens, des Ankämpfenö, des fortwährenden und immerwährenden Ringens nach Erlösung von allem und jedem Zoche betrogen werden soll, wenn man cs hören muß, wie feige und engherzige Seelen aus Angst und Eigennutz die Blätter unserer Philosophie mit falschen Decretalen beschmutzen; wahrlich, mein Volk, man käme in Versuchung, zu glauben, die Tage der Päpste wären zurückgekehrt, die Jesuiten seien auferstanden, um daS Schwert in die Hand zu nehmen, cs würden in der Kürze wieder Ketzergerichte gehalten und Angesichts der Welt Heren verbrannt werden.

Al,o die Republik entspricht nicht dem Bildungsgänge des deutschen Volks! Und deshalb brüsten wir