D i e Horn i f s e.
Zweiter Jahrgang.
ML-S. Cassel, Donnerstag, am 4. Januar 1849*
Zur Nachricht.
Das Blatt erscheint auch in diesem Jahr und zwar jedenfalls bis zum Anfang des zweiten Vierteljahrs, bis wohin es hoffentlich gelungen sein wird, die Vorbereitungen zu der von Dr. Kellner und H. Heise beabsichtigten Herausgabe einer größeren politischen Zeitung zu vollenden.
Die „Hornisse" wird in diesem Jahr wöchentlich dreimal, Dienstags, Donnerstags und Sonnabends, Nachmittags 4 Uhr, (die einzelne Nummer gegen den Betrag von 9 Hlr.) und zwar im Hause des Buchbinders Stief am Mkarftällerplatz, ausgegeben. Ebenda kann auch auf unser Blatt für das laufende Vierteljahr gegen den Preis von 18 Sgr. abonnirt werden. Für die Möglichkeit eines gleichen Abonnements durch die Post wird Sorge getragen.
Zur ferneren Nachricht diene, daß das Blatt in diesem Jahre wöchentlich eine Nummer, und zwar die Sonnabends erscheinende, vorzugsweise den Jämmerlichkeiten und Thorheiten unseres lieben Vaterlands widmen, in den andern beiden Nummern aber wie bisher, trotz aller deshalbi« gen Verfolgungen durch Staatsanwälte und sonst, mit unerschütterlicher Ausdauer dem mißhandelten Geiste unserer Revolution das Wort reden wird. Die Redaction.
Das Jahr 1848.
II.
Freiheit! Gleichheit! Brüderlichkeit!
In welchem tiefen, gedankenlosen Schlafe lag die Menschheit! Geistige Stille lastete wie schweres Alpdrücken auf der entnervten Welt. So ruht auf den unendlichen Eisflächen des Nordpols der ewige Tod und das Schweigen des Grabes. Und der Tag erhebt sich nur wie ein Wetterleuchten am Rande des Himmels. Aber blutige Nordlichter sprühen und blitzen durch die Nacht; ihre Gluth spiegelt sich wieder in den weiten Eisgesilden mit kaltem, grauenhaft gespenstigem Glanze.
So lag der Tod auf Europa! Die Geister waren ermüdet, zertreten, vernichtet, die Körper zerschlage» und gemartert; das Blut stockte in den Herzen, und der Gedanke war gefesselt vor seiner Geburt. Und über diesem Leichengesild, nur belebt von willenlosen, armseligen Automaten, von galvanisirten Leichnamen, thronte der blutige Schimmer der unzähligen Kronen und Krönchen.
Ihr Gold leuchtete wie rothes Blut; es war das Herzblut der Völker. Ihre Perlen und ihre Diamanten warfen einen bleichen, unheimlichen Flimmer; sie funkelten von den brennenden Thränen des Elends und der Verzweiflung!
Sorglose Geschöpfe diese Fürsten! Bedauerungswürdige Geschlechter!
Ehmals, als ihre Väter die Nimrods der Wälder waren und die Helden der Schlacht, ja damals brauste noch der volle sprudelnde Quell des Lebens durch diese alten Stämme. Die Welt gehörte ihnen von FausteS