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Schon donnert fern der Grund vom Huf der Roffe, Dumpf brausend zieht die letzte Schlacht heran. — Zur Wacht! Zur Wacht! — Und schärfet die Geschosse'. Blut ist die Losung! Trefft den rechten Mann!
Und wenn die Garben liegen rings geschnitten, Und wenn der Morgen steigt in goldner Pracht, Dann kommt der Herr durchs Schlachtgesild geschritten : „Ihr habt gesiegt! — Zum Siegesfest! — Erwacht!"
G. Kellner.
Das Jahr 1848.
I.
Als der Heiland der Liebe am Kreuze sein Haupt zum Tode neigte, geschahen Zeichen und Wunder.
Die Erde erbebte, der Vorhang des Allerheiligsten im Tempel zdrriß, und die Sonne verfinsterte sich.
Die alte Lehre des Hasses und der Feindschaft war zerrissen, aber die Sonne der Liebe war nur em- pvrgetaucht am Horizont mit ihrer strahlenden Glorie, um wieder hinabzusinken in das ewige Meer der Zwietracht und der Verfolgung. Nur ein ferner Dammerschein vergoldete den Saum des Himmels.
Anbetend kniete mit gebrochenem Herzen die Menschheit vor diesem heiligen Glanze. Immer und immer in banger Sehnsucht erwartend, daß das Gestirn des Tages, des großen Tages der Liebe, seine vollen erwärmenden Strahlen über die weite Erde ergieße. Jahrhunderte verschwanden. Millionen Herzen brachen in wilder Zerknirschung; Millionen starben dahin in Verzweiflung, von Hoffen und Sehnen vernichtet, starben dahin in dumpfer trostloser Entsagung.
Und es war zur Sage geworden daS Reich der Liebe. Es war eine Hoffnung geworden jenseits des TodeS. Und eine heuchlerische Pfaffenbrut, schwelgend in Lüsten, zehrend vom Marke der Armen, der Wittwen und der Waisen, wies mit gotteslästerndem Arm dort nach dem Himmel und hier nach dem Grabe. — O, wie lange hielt das verblendete trostlose Volk diese Heuchler für die Söhne Christi, für die Priester der Liebe, für die Verwalter der Erde und für die Pförtner des Himmels, für seine Herren und Gebieter, seine Verdammer und feine Heilsgsprecher. Und die Erde ward ein Garten der Pfaffen, und daS ewige Leben, das Paradies, die Hölle und das Fegfeuer standen in der Pacht der Mönche und Ablaßkrämer.
Und tausend Propheten, die im Namen der Liebe erstanden, den Trug der Hölle zu brechen, und ihre Brüder vom Joche des Unglücks zu erlösen, mußten ihr Leben dahingeben im Flammentode, unter dem Mord- schwrrt, unter den Martern entmenschter Henker, genannt Priester deS Herrn und Heilands Jesu Christi.
Vergebens leuchtete der Stern Luthers durch die finsteren Nächte. Als daS Volk, das geknechtete Volk, aus feinen Hütten hervorbrach, um die Zwinger seiner Peiniger zu zerbrechen, um blutiges Gericht zu Hallen im Namen des göttlichen Evangeliums der Liebe und der Brüderschaft, alS durch ganz Deutschland der Ruf der empörten Bauern und Knechte ging nach Recht und nur nach Recht und Gerechtigkeit, da erbleichte selbst LutherS Stern, und ohnmächtig gegen die Gewalt der Lüge und Zwietracht, des HasseS und der Knechtschaft, die die Her- zen der Menschen mit ihrem ätzenden Gifte zerfressen, ohnmächtig wieS er nach dem Himmel, und verdammte die Erde zu ihrem alten Unheil auf neue Jahrhunderte hin.
DaS^ Reich der Liebe war eine Sage. Das Leben des Volkes ward ein Jammer, und der Tod war der einzige TrosteSeugel, der dem gemarterten Herzen und dem gefolterten Leib Erlösung und Frieden bringen konnte.
Furchtbares Geschick'. — Furchtbarer Fluch, den zu brechen wir uns vergebens und immer vergebens im Staube winden.