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Ein Kind der bleichen Worte und frommen Phantasien, DaS war die deutsche Freiheit, die euch unsterblich schien!

Ihr wähntet sie gefeiet in jeglicher Gefahr, Und ruhig saht ihr fallen so manchen Freiheitsaar.

Sie schien euch eine Sonne, die ewig brennt und glüht,

Ob auch ein Ungewitter sie unserm Aug' entzieht.

Sie war euch Gott und Himmel, die höchste Religion, Doch ihre beste Krone der — Duldung Dornenkron'. O hättet ihr die Schwerter, die Schwerter umgcschnallt, O hättet ihr gebrochen die brechende Gewalt;

Ihr aber, ihr verhöhntet die Helden blut'ger Schlacht — So habt ihr eure Feinde durch Feigheit stark gemacht; So kam die Schlacht, die andre, die Schlacht voll Mord und Brand,

Die eure Henker schlugen im deutschen Vaterland!

DaS war's! doch blöd und feige, ihr ließet es ge> schehn, -

O deutsche Schmach und Schande! Ließt Deutschland untergehn!

Ja, als die Trümmer rauchten, die Stadt in Asche lag, —

Als alles Nacht geworden, da sahet ihr den Tag!

Ja, die vom Feind gesäet, die blutgetränkte Suat, — Ihr sahet d'raus crsprießen des Volkes letzte That! — Das ist die alte Leier, das alte Wiegenlied, DaS tiefer in den Schlummer euch alten Kinder zieht! Das ist der alte Jammer, die Hoffnung immerdar, DaS ist das alte Betteln am blutigen Altar!

Wißt, die lebeud'ge Freiheit muß haben Leib und Blut —

Das wissen ihre Henker, sie wissen's allzugut!

Für eure Helden also das Pulver und daS Blei, Derweil ihr träumt und lispelt vom deutschen Frei- heitömai.

Ich weiß, der Mai wird kommen, der Frühling aller- wärtS,

Doch andre Lerchen singen im andern Freiheitsmärz! Drum mögt ihr ruhig schlafen den langen Winterschlaf, Und von der Eiche träumen, die jüngst der Blik erst traf, — _ unterdessen wollen, wir, eine wache Schaar, Fortkämpfen, immer kämpfen und kämpfen immerdar! ^o stumm und starr wir dulden, — kein Zucken im Gesicht,

Ä0 sitzen wir am Tage der Rache zu Gericht.

' s ^nn Jeder sprechen: das Spiel ist nun vorbei, soll dann Keiner sparen das „Pulver" und das „Blei"!

Dann zittrc keine Seele, die sonst so liebe-weich, soll die Hand verdorren, die bebt beim TodeSstreich! Verrather an der Freiheit, wer da in Mitleid weint, Und wer sein Opfer scheuet, sei unser ärgster Feind!

So bis zum letzten Ziele und keinen Zoll zurück — Ich denk', so wird geboren die deutsche Republik!

G. Lotzgesell.

Ihr habt kein Interesse am Staat!

Hört ihr's, ihr armen, geknechteten Menschen! Das ist der Neujahrwunsch, welchen euch zu guterletzl die Spießbürger mit auf den Weg geben, das ist das Geheul jener Wucherer, für deren Wohl ihr Tag für Tag, Nacht für Nacht euere Kräfte vergeudet, das ist das Gewinsel euerer Liberalen von Ehedem: Ihr habt kein Interesse am Staat. Nein! Weil ihr ver­dammt feit), euer Brod mit Thränen zu essen, weil ihr nicht ein Stückchen, nicht das kleinste Stückchen dieser Welt euer nennt, deswegen seid ihr ausgestoßen, aus der menschlichen Gesellschaft verbannt; ihr seid aus­sätzig, vergiftet, ihr seid nichts, gar nichts, als ein Leib, ein Paar Arme und Beine, ein Stück Fleisch, ihr habt kein Interesse am Staat. Und wenn euer Herz rein wäre wie die Sonne, euer Auge leuch­tete vor Begeisterung und Bruderliebe, — weil der Betrug, der Raub der Herrschaften euch nichts gelassen hat, als das Elend, die Verzweiflung, das bittere, herzzerreißende Elend, seid ihr nichts besseres und nichts schlechteres, als Pöbel, der kein Interesse am Staat hat. Einen Lappen Land, ein Stückchen so groß wie eine Hand, und ihr wäret Vollbürger, ihr dürftet zu Gnaden ausgenommen werden, aber so? Nimmermehr. Ihr habt kein Interesse am Staat — ihr seid arm, ihr arbeitet um das tägliche Brod, um den ehrlichen Namen, ihr habt keine Ein­sicht in die Jesuitenstreiche, mit denen das morsche Staatsgebäude zusammengehalten wird, ihr habt nur Einsicht in das empörende Unrecht eurer Lage, ihr begreift nur, daß ihr glücklich werden möchtet, ihr seid — @efindet! Arme, unglückliche Menschen! Aberdas ist der istaat! Nicht das Herz, nicht die Liebe, nicht der treue, heilige Glauben, nichts der Art macht euch zu Bürgern, Bürger werdet ihr durch den — Geld­sack. Begreift ihr das? Ein Bürger werdet ihr nur, wenn ihr anfangt zu spielen, zu hazardiren, ein tüch­tiger Burger nur, wenn ihr lange genug gespielt und hazardirt habt, um im Wucher und Betrug den Ersatz für das Morgen- und Abendgebet zu sinken. Ihr wisset nun, wozu der Staat da ist. Der Staat ist da, um das Geld, den Wucher zu schützen, der Staat ist da, und euere Arbeit ist da, und euere Kinder sind dazu da, um die Kartätschen zu bedienen, welche vor der Bundes­lade der B örsen sp eculan ten aufgefahren sind.

Ihr habt kein Interesse am Staaat! Nein, denn ihr habt nur das eine Interesse, daß Recht und Gerech-