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geringschätzeudem Tone, Kurheffen wird ja nicht so arm sein an Männern für diese Stellen. Aber kein Land ist reich an v o rzüg li ch en Männern. Das weiß Hr. Bergk recht wohl. Folglich — Geringschätzung. — Die ehrenwerthe hessische Zeitung ist höchst kurzsichtig, — oder ist sie's mit Fleiß? — wenn sie diesen Fraktionen ein Streben nach dem Ministerportefeuille vorwirft; diese wissen ebensogut wie die Hessische, daß sie wenigstens für jetzt unmöglich sind. In dem Centrum aber sitzt eine Person, die sich nicht für unmöglich hält; ja die bei fortwährendem Lawiren des Ministeriums eine gewisse Aussicht hat, wenn der Landtag nicht aufgelöst wird; und das ist nicht Hr. Oetker und nicht Hr. Henkel, sondern Hr. v. Sybel.
Das Ministerium darf nicht die Propositionen der Kammer abwarten, wenn es sein Ansehn retten will. Jede Bermittelung ist und bleibt ein Experiment, und gelingt das eine nicht, so gelingt das andere. Nur das Ministerium ist verloren, das auf einem rein prinzipiellen Standpunkt fußend, die Majorität der Kammer gegen sich hat.
Das Ministerium kann in seiner Stellung nichts Anderes thun, als das Zweikammersystem proponiren, mit directcr allgemeiner Wahl; sei es, daß eine erste Kammer durch die aus direkter Wahl hervorgegangenen Bezirksräthe gewählt werden solle, oder daß der Landtag aus sich selbst ß seiner Mitglieder zu einer ersten Kammer ausscheide. Hierfür ist vielleicht eine Majorität der Kammer zu gewinnen.
Wir unsererseits bleiben dabei, daß nur durch eine constltuirende Versammlung der Grundstein der Verfassungsänderung gelegt werden kann. Dahin treibt einmal der §. 153, der allen Parteien, trotz der Publizirung der Grundrechte, immer noch Mittel genug bieten wird, allen Abänderungen Schwierigkeiten in den Weg zu wälzen. Dann aber führt dahin das Bewußtsein, daß von einer unpopulären Kammer keine Verfassungsänderung vorgenommen werden darf.
Man bedenke wohl, es giebt nur zwei Wege zum Ziel, eine constituirende Versammlung, oder ein ok- troyirtes Gesetz. Die augenblickliche Verwirrung der Parteien läßt keine andere Wahl übrig.
II.
Man muß lachen, wenn man an die Frage denkt, welche die hessische Zeitung bei Gelegenheit eines Geheuls über die Wahl zweier Demokraten aufwarf. Sie fragte sich und die Welt, wie wohl diese Männer gegenüber einer gebildeten Kammermajorität auftreten würden. Wer nur einigermaßen unsere früheren Land- tage kennt, dem konnte gewiß nicht die gränzenlose Trivialität unserer Majorität entgehn, unter der sich immer nnr^zwe,, höchstens drei Kapazitäten befanden. Selbst die Feinde der Demokratie müssen bezeugen, daß gerade
durch die Wahl der Demokraten die Intelligenz in die kurhessische Ständeversammlung eingetreten ist.
Der Deputirte Henkel freilich hält nicht viel von einer Intelligenz, die sich nicht ohne Weiteres auf Gesetzfabrikation wirft. Jammernd ruft er aus, wohin ist der schöne praktische Standpunkt der vorigen Ständeversammlung, die so viel Gesetze in die Welt gesetzt hat (alle 80 oder lOO §§. dick und alle — höchst provisorisch, eine grauenhaft vergebliche Abarbeiterei!) — wir sind auf einen idellen Standpunkt gerathen.
Endlich, ja endlich sind wir diese trockene, kurzsichtige, juristische Eintagömajorität los, die bis jetzt von ihrem kleinen Standpunkt aus den ganzen kurhessischen Landtag sammt dem kurhessischen Volk in den Ruf der Ungebildtheit und geistigen Ratlosigkeit gebracht hatte.
Eine ganz andere, frischere Luft weht in diesen Debatten ; nicht mehr beschränkt sich der furchtsame Blick auf die engen Grenzen der Heimath; endlich doch auch hier ein Stück Weltgeschichte. Bayrhoffer und Winkelblech vertreten am Ausgezeichnetsten die Grundsätze der socialen Democratie. Winkelblech namentlich führte aus , daß man auf denselben Standpunkt hinarbeite von Seiten des Centrums , der Bourgeoisie, wohin Frankreich bereits im Jahr 1830 gekommen. — Der Adel ward gestürzt und die Höchstbesteuerten setzten sich an seinen Platz. Und nun wundern sich diese Höchstbesteuerten, daß man ihnen dieselben Vorwürfe von Seiten der andern Parteien macht, die sie bis jetzt dem Adel gemacht haben.
Freilich, diese Höchstbesteuerten sind vielleicht keine Geldsäcke in dem Sinne, daß sie reiche Grundbesitzer oder Gewerbtreibende wären. Allein den Bestrebungen des niedern Volks gegenüber und seiner Fürsprecher, dem Streben nach Gleichberechtigung Aller im Staate, dem gegenüber werden sie ebensogut sehr bald einen geschlossenen privilegirten Stand ausmachen, ja auszumachen gezwungen sein, wenn sie ihr neues Privilegium erhalten wollen, ebensogut wie die reichsten Pairs und Grundbesitzer in England. Das Bewußtsein, durch einen bestimmten Besitz vor Anderen bevorzugt zu sein, nicht die Größe dieses Besitzes, schafft eine neue Kaste und macht sie dem Gemeinwohl gefährlich.
Winkelblech bezeichnete diese Bestimmung des Wahlgesetzes mit Recht als eine rein revolutiouäre. Der Kampf hat sich jetzt mit Bewußtsein auf das sociale Gebiet geworfen; man ist zu der Einsicht gekommen, daß alle politischen Revolutionen aus dem socialen Elend der Welt entsprungen sind, und daß man irrigerweise geglaubt, durch politische Formen den Kampf erledigen zu können. Und nun will man in diesem kleinen Kurhessen eine neue kleine politische Schranke errichten, die man dem socialen Sturm entgegenzustellen gedenkt? Es ist eben so kleinlich, wie thöricht. Wie Strohhalme werden alle diese kleinen Versuche von dem ehernen