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gung sein, ihre Livree, die sie schon so lange entehrte, beibehalten zu dürfen; sie sirtd einmal daran gewöhnt, und es ist Bedürfniß für sie, an ihrer alten Kette zu sterben.
Aber wir, die wir wenigstens durch Gedanke und Wille frei, noch die ursprüngliche Federkraft haben, werden wir immer die Stellung und die Sprache von Sclaven borgen?
Man muß hoffen, daß diese schimpflichen Gesinnungen, diese kleinfügigen Betrachtungen, diese erbärmlichen Klagen aufhören werden, die öffentliche Meinung zu beflecken.
Die Segnungen der Ruhe nehmen bereits über- Hand. Auf jedem Schritt und Tritt begegnet man vergniiglichen Philistergesichtern , welche das Liedchen pfeifen: „Was Gott thut, das ist wohlgethan." Unter Gott ist natürlich die Polizei und die Centralgewalt verstanden. Es ist, als wenn gar nichts passirt wär; die Märzrevolution war nichts als ein „ wüster Traum", wie ihn deutsche Hexen auf dem Blocksberg träumen. Das einzig Unbequeme sind die finanziellen Folgen des wüsten Traums, welche lediglich aus dem Grunde ans Licht kommen, weil der Traum nicht zu Ende geträumt ist. Die Revolution hinterläßt Kopfweh, papieren, auf dem Budget. Das Kopfweh besteht in einer Erhöhung der deutschen Etate von circa 100,000,000 Thaler.
Wer die Revolution gemacht oder den Prosit davon hat, mag das Geld zahlen.
Mit der neuen preußischen Versassung herrscht in Preußen- --das Gesetz! Das Gesetz besteht darin, daß ein Säbelcensor eingesührt ist, eine „Canon archie" über die Zeitungen. Ein gut geschliffener Husarensäbel ist allerdings zweckmäßiger als die frühere Censorscheere. Man schneidet jetzt die Sachen nicht zurecht, man haut sie in Ordnung. Gott segne die Militärherrschaft, eS gibt doch wieder Energie in der Welt.
In Oesterreich stehen die Sachen so, daß der kaiserliche Donner über Wien zu rollen beginnt und im den Gefilden Ungarns unter Hagel und Blitz zu Ende kracht. Das ganze Reich lebt also unter einem fortwährenden Reichsdonnerwetter.
Rom ist noch immer ruhig! Keine Seele begreift, wie's die Stadt so lange
ohne Belagerungszustand abhalten kann. Was sind die Deutschen für glückliche Leute!
Gesetzt, ein Volk trifft Vorbereitungen, seinen Fürsten wegzujagen, ganz in Frieden natürlich, ohne groß Aufsebn davon zu machen! Frage: Muß die deutsche Centralgewalt Truppen in das Land schicken?
Was machen wohl die hessischen Landstände?
Wer jetzt Strümpfe nöthig hat, wende sich nach Berlin, wo Frau Friederike Knochenhauer aus einer Elle Wvllfadcn bereits für die halbe Garnison Strümpfe angesertigt hat. Segnungen des Belagerungszustandes! Wohlstand für Alle!
In Frankreich ist die Contrerevolution eben so thätig als bei uns. Cavaignac, dessen Aussichten auf die Präsidentschaft immer geringer werden, wirft sich vermuthlich in die Arme Louis Napoleons. Ihnen gegenüber stehen die socialistischen Democratcn, der Hunger, die Barrikadenkämpfer, mit verbissenen Lippen, aber mit Zuversicht der Stunde harrend, wo sie das Recht auf Arbeit errungen haben, wo sie der Diplomatie der Reichen und Abtrünnigen das offene Herz der „armen Getreuen " entgegenstellen.
Grün Irland hungert! „Das macht, sein Land ist Herrenland, und Irlands Fisch ist Herrenfisch!" __
Das deutsche Parlament fängt an fürchterlich zu werden, — es d ebattirt nicht mehr.
Ein gewisser Utteroffizier vom Leibgarderegiment steht vor dem Placate:
, Soldaten! Mitbürger " 2c.
und spricht zu sich sibst:
„Mitdürgr? Ich?? Fällt mir gar nicht ein! So lange ich Uniforn trage, will ich, darf ich und kann ich kein Mitbürger sein. Bluts feind bin ich. Bis zu Neujahr werden 10),000 Stück Patronen mit Spitzkugeln fertig- Gott wird doch geben, daß die Hälfte trifft. Wo sie hin- kommen, Vach st kein Gras!"
Nein, lieber Mtbürger, wo so Spitzkugeln hinkommen, wächst allerdings kein Gca>, es sei denn auf dem Grabe deiner Mitbürger. Nicht wa>r?
Ich erkläre mic gegen Alles, was roth ist. Entweder wird'â ohne Weiteres angeiommen, oder ich---- ich nehme meinen Antrag zurück. Henkel.
Kassel. — Verantwortlicher Herausgeber: H. Heise. — Druck dr Estrenne-scheu Buchdruckern.